Von der Verletzung zurück auf den Rasen
Holsteins medizinische Abteilung ist optimal aufgestellt
Fußball ist durch den direkten Gegnerkontakt, kurze Sprints, schnelles Abstoppen und schnelle Drehungen ein Spiel mit Risiken. Kommt es zu Verletzungen ist heutzutage eine professionelle sportmedizinische Abteilung unverzichtbar. Dazu gehört neben strukturellen Anforderungen an Behandlungsräume und Rehabilitationsmöglichkeiten vor allem Eines: ein funktionierendes Team aus Physiotherapeuten und Ärzten, Athletik-Coaches und einem geschultem Trainerstab. Genau auf dieses kann Holstein Kiel seit letzter Saison setzen.
Tim Siedschlag, Morten Jensen oder David Urban – sie waren zuletzt die drei Pechvögel, die an langwierigen Verletzungen laborierten oder wie Neuzugang Urban immer noch laborieren. Das Trio konnte im wahrsten Sinne desWortes am eigenen Leib feststellen, dass zu den professionellen Strukturen der KSV Holstein nicht nur ein modernes Trainingsgelände, ein zukunftsweisendes Nachwuchsleistungszentrum und ein großer Kreis an unterstützenden Sponsoren zählt, sondern auch eine umfassende sportmedizinische Betreuung auf höchstem Niveau. Reißt ein Kreuzband oder ein Muskelbündel greifen sofort eingespielte professionelle Mechanismen. Das Ziel ist klar: Der verletzte Spieler soll schnellstmöglich wieder mit vollem Leitungsvermögen auf dem Rasen zum Erfolg der KSV beitragen.
Schlimmster Fall: Operation

Ausgangspunkt MARE-Klinikum: Hat sich ein Holstein-Spieler verletzt, wird in dem Klinikum an der Grenze Kiel/Kronshagen die Diagnose gestellt. Muss der Spieler darauf ein oder gleich mehrere Nächte im MARE-Klinikum verbringen, ist klar, dass seine Verletzung nicht nur eine Zerrung ist, sondern eine Operation notwendig war. Nach seinem Meniskuseinriss wurde Torwart Morten Jensen vom damaligen Holstein-Mannschaftsarzt Dr. Hinrik Dotzer und dem Knie-Spezialisten Dr. Frank Pries operiert. Den Kreuzbandriss von David Urban operierte bereits die eine Hälfte des neuen Ärzteteams, Dr. Martin Mrugalla, seines Zeichens Orthopäde und Sportmediziner erster Güte. Der zweite Teil des neuen Holstein-Ärzteteams, das den nach zehn Jahren Dienstzeit ausgeschiedenen Dr. Hinrik Dotzer zum 1. Juli ablöste, ist Dr. Eckardt Klostermeier. Der Unfallchirurg und Orthopäde gehört ebenfalls wie Mrugalla zur MARE-Med-Gruppe. Werden die Mannschaftsärzte aktiv, heißt das aber noch lange nicht, dass der Spieler gleich auf dem OP landet. Nach dem Teilriss des Kreuzbandes von Tim Siedschlag entschieden sich die Ärzte für einen Heilungsprozess ohne Operation. Sido musste dennoch lange pausieren.
Bewegung, Bewegung, Bewegung
Zusätzlich zur Diagnosestellung setzen die Mannschaftsärzte auch einen groben Behandlungsplan fest, dessen Stationen je nach Gesundungsverkauf mal langsamer oder mal schneller absolviert werden können. Bewegung ist dabei ein unabdingbarer Teil des Rehabilitationsprozesses. Die Zeiten, dass ein Morten Jensen nach seiner Meniskus-Operation erst wieder mit Bewegungsübungen beginnt, sobald das Knie wieder belastbar ist, sind seit langem vorbei. Bereits wenige Tage nach der Operation und sobald die Schmerzen gelindert sind, geht es zu Tim Höper in das MARE AKTIV Reha-Zentrum Ostküste. Höper ist zugleich leitender Physiotherapeut im Medical Team von Holstein Kiel. Denn die Spieler können trainieren, auch wenn sie verletzt sind. Das bedeutet, dass Tim Höper andere Trainingsarten oder Trainingsmethoden verordnet, die die Verletzung nicht belasten, um das Fitnessniveau des Spielers so hoch wie möglich zu halten. Zu Beginn können dies rein Oberkörperübungen sein, wie bei David Urban, der sein verletztes Knie noch nicht belasten darf. Sobald das Knie zu einem gewissen Teil wieder beansprucht werden darf, geht es vorsichtig zu belastungsarmen Trainingsmethoden wie Aquajogging oder Rad fahren.
Erst Einzeltraining, dann Mannschaftstraining

Die Wochen der Reha sind anstrengend und mühsam. Vier bis sechs Stunden täglich: Gymnastik, Kraft- und Stabilitätsübungen. Fango und Massage sind eher die Ausnahme. Da verflucht der ein oder Spieler schon mal den Physiotherapeuten, ist aber zugleich dankbar, wenn er schnell Fortschritte macht und ins Aufbautraining darf. Das leitet bei Holstein Kiel Koordinations- und Athletiktrainer Timm Sörensen. Zwischen den Einheiten der Mannschaft sieht man Sörensen mit den Rekonvaleszenten einsam auf dem Trainingsgelände Runde um Runde laufen. Behutsam werden Ausdauer und Bewegungsschnelligkeit wieder aufgebaut, sportartspezifische Bewegungsabläufe Schritt für Schritt in die Belastungsübungen mit eingebaut. Solange nicht die volle Muskelkraft wieder vorhanden ist, könnte jede ermüdungsbedingte, unkontrollierte Bewegung eine Verletzung zur Folge haben. Als Physiotherapeut steht Sebastian Süß im Trainingszentrum vor Ort zur Verfügung, um eventuelle Blessuren umgehend zu behandeln. Hat der Spieler keine Instabilität, keine Schwellungen, volle Schmerzfreiheit, volle Muskelkraft und vollen Bewegungsumfang kann er zurück ins Mannschaftstraining kehren.
Erst U23, dann Regionalliga
Die Rückkehr ins Mannschaftstraining bedeutet aber nicht gleich die Rückkehr in den Kader. Es bedeutet vielmehr die ersten Trainingsschritte unter absoluten Praxisbedingungen für den Körper. Für die Psyche des Spielers ist es dagegen wie das Einbiegen in eine Zielkurve, da man endlich wieder voll zum Team gehört und nicht länger per Handy oder durch sporadische oder verabredete Treffen in Kontakt hält. Als vorletzter Schritt folgen die ersten Einsätze unter Wettkampfbedingungen. Wie zuletzt Fiete Sykora, Gerrit Pressel oder Morten Jensen bietet Holsteins U23 die perfekte Möglichkeit für Spielpraxis und sich bei Trainer Thorsten Gutzeit für einen Einsatz in der Regionalliga zu empfehlen. Selbst hier stehen die Rekonvaleszenten unter permanenter Beobachtung. In diesem Fall von Physiotherapeut Sebastian Süß, der die Schnittstelle zwischen Herrenmannschaften und Nachwuchsleistungszentrum darstellt. Und ist der letzte Schritt geschafft, sitzt der vor kurzem noch verletzte Spieler, nach einem schnellen Heilungsverkauf durch die gute Arbeit von Holsteins medizinischer Abteilung entweder wieder auf der Reservebank oder steht sogar wieder in der Startelf.



