Zum 60. Geburtstag von Andreas Köpke: Die Weltkarriere begann bei der KSV

Andreas Köpke verfolgt nach wie vor die Geschehnisse rund um seinen Heimatverein Holstein Kiel

Am 30. Mai 1980 ging im Heimspiel der KSV Holstein gegen den VfL Osnabrück ein Fußball-Stern auf. Ein junger, 18-jähriger Torhüter, der seit seinem sechsten Lebensjahr im Storchennest die Fußballschuhe geschnürt hatte und in den folgenden Jahren die größte Erfolgsgeschichte eines gebürtigen Kieler Fußballers überhaupt schreiben sollte, feierte beim 7:1 sein Ligadebüt für die Störche: Andreas Köpke. Eine Weltkarriere, die auf dem Holsteinplatz begann. Heute feiert „Köppi“ seinen 60. Geburtstag.

Andreas Köpke (geb. 12. März 1962) stand in seinem ersten von insgesamt 72 Holstein-Punktspielen für die damalige Nummer eins, Manfred Ludwig, in der Startformation und wurde in der 73. Minute für die etatmäßige Nummer zwei, Martin Burmeister, ausgewechselt. Trainer Gerhard Prokop hatte sich dieses Wechselspiel für den letzten Spieltag ausgedacht. Der Klassenerhalt der Störche stand bereits fest. Auf jeden Fall durfte sich Andy Köpke schon in seinem ersten Spiel über einen der höchsten Siege seiner gesamten Laufbahn freuen.

Die Nummer eins im Tor

Schon im Kindesalter war Köpke vom runden Leder restlos angetan und erlernte als Rechtsaußen bei Holstein Kiel das Fußball-ABC. In seiner Freizeit kickte „Köppi“ zusammen mit seinen Kumpels Thorsten Neumann und Immo Stelzer häufig in der Wik. Köpkes Vater war Hausmeister an der Timm-Kröger-Schule am Elendsredder. Noch in der Jugend probierte Köpke Junior sich auf der Torwartposition und das mit Erfolg. Mit 18 Jahren rückte er in den Zweitligakader der Störche auf und brachte es bis zum Abstieg 1981 auf immerhin sechs Einsätze in der zweithöchsten Spielklasse. Beim Neuanfang in der Amateuroberliga Nord war Köpke dann die unumstrittene Nummer eins im Holstein-Tor. Nur knapp verpasste der Keeper 1983 mit Holstein den Sprung in die Zweitliga-Aufstiegsrunde. Ein einziges Tor fehlte im letzten Heimspiel gegen Werder Bremen II. Doch Köpke durfte sich trotzdem über einen persönlichen Aufstieg freuen. Der Zweitligist SC Charlottenburg zeigte Interesse am Kieler Torwart-Talent und der Wechsel nach Berlin sollte den Weg in die große Fußballwelt ebnen. Holstein-Vorstopper Immo Stelzer, der damals ein besonders gutes Verhältnis zu seinem Teamkollegen besaß, erinnert sich noch gern an den jungen Torhüter zurück: „Köppi hatte Sachen drauf, die deuteten schon damals darauf hin, dass er das Zeug für eine tolle Karriere hat. Auf jeden Fall haben wir uns damals sehr für ihn gefreut, als er den Sprung in den Profifußball schaffte.“

Sportliche Rivalität

Zwar ereilte Köpke auch mit dem SC Charlottenburg das Schicksal Abstieg, doch sein neuerlicher Wechsel, diesmal zur großen Berliner Hertha, war die nächste Stufe auf der Karriereleiter. Nach zwei starken Jahren für Hertha BSC zog es ihn 1986 zum Erstligisten 1. FC Nürnberg, wo er bis zum Ende der Saison 1993/94 seine wohl beste Zeit erlebte. Lange galt Köpke als stärkster deutscher Torhüter, doch in der Nationalmannschaft kam er anfangs sehr zum Ärger seiner Fans nicht dauerhaft an Weltmeister Bodo Illgner vorbei. 1990 gehörte Köpke bei der WM in Italien zum Kader und holte ohne Einsatz den WM-Titel. Ab 1992 entbrannte ein sportlicher Zweikampf zwischen Illgner und Köpke um den Stammplatz im DFB-Tor. Am 12. Spieltag der Saison 1992/93 verwandelte Köpke im Spiel gegen den 1. FC Köln sogar einen Elfmeter gegen Illgner und trug so zum 2:1-Erfolg über die Domstädter bei.

Der Kreis schließt sich

Erst nach dem frühzeitigen Aus bei der WM 1994 in den USA und Illgners Rücktritt schlug Köpkes große Stunde. Fortan hütete der Kieler das DFB-Gehäuse und feierte 1996 mit dem Gewinn des Europameistertitels in England unter Berti Vogts seinen größten Erfolg. Im gleichen Jahr wurde Köpke Welttorhüter des Jahres. In Deutschland wurde er gleich viermal Torhüter des Jahres, 1993 sogar Fußballer des Jahres. Bis zu seinem letzten Länderspiel am 4. Juli 1998 in Lyon gegen Kroatien stand Köpke bei insgesamt 59 Länderspielen der deutschen Nationalelf im Tor. Seine letzten Stationen im Vereinsfußball waren Eintracht Frankfurt, Olympique Marseille und dann, von 1998 bis 2001, noch einmal der 1. FC Nürnberg. Hier beendete der gebürtige Kieler nach dem Wiederaufstieg mit dem Club seine Karriere als Aktiver. Der Welttorhüter von 1996 absolvierte insgesamt 346 Spiele in der 1. Bundesliga und 173 in der 2. Liga. Seit 2004 war Köpke Torwarttrainer der Nationalmannschaft und gehörte somit auch 2014 zum Trainerstab des Weltmeisters.

Intermezzo bei Hertha

Ende November 2019 wurde Köpke vom DFB bis zum Jahresende freigestellt, um unter seinem alten Kollegen Jürgen Klinsmann als Torwarttrainer beim Bundesligisten Hertha BSC zu arbeiten. Zum Jahresbeginn 2020 verließ er die Hertha wieder und setzte seine Tätigkeit für die Nationalmannschaft fort.

Die Zukunft

Als Bundestrainer Joachim Löw im März 2021 seinen Abschied von der Nationalmannschaft ankündigte, nahte auch das Ende der 17-jährigen Zusammenarbeit zwischen Köpke und Löw. Das Aus nach dem Achtelfinal-K.o. gegen England war gleichzeitig das Ende einer Ära.

Holstein Kiel

Nicht nur aufgrund seiner zurückliegenden Weltkarriere sind die Kontakte zur KSV Holstein selten geworden. Auch Köpkes Familienleben spielte sich weitestgehend im Süden des Landes ab. Doch vergessen hat er seine Störche nie: „Dass ich meinen Heimatverein in all den Jahren nie aus den Augen verloren habe, das versteht sich von selbst!“ Vor der WM 2014 gab es im Kieler Rathaus ein Wiedersehen zwischen Köpke und seinem langjährigen Vorstopper Immo Stelzer. Und Köpke ließ es sich damals – ein Jahr nach dem Drittliga-Aufstieg der Störche – nicht nehmen, zusammen mit Stelzer und einem Holstein Kiel-Schal zu posieren. Nach dem Zweitliga-Aufstieg der Störche 2017 lobte Köpke: „Der lang ersehnte Aufstieg in die 2. Bundesliga bewegt mich auch 30 Jahre nach meinem Abschied aus Kiel sehr. Ich freue mich, dass sich Holstein auf eine derart begeisternde Art und Weise, mit tollem Fußball und stimmungsvollen Fans, auf der großen Fußballbühne zurückgemeldet hat. Ich denke noch immer gern an meine Zeit im Holstein-Stadion zurück!“

Am Ende dieser Saison schließt sich dann der Kreis, wenn der in Hanau geborene Köpke-Sohn Pascal am 33. Spieltag mit dem 1. FC Nürnberg im Holstein-Stadion gastiert.

Andreas Köpke (geb. 12. März 1962 in Kiel)

Junioren: 1967 bis 1979 Holstein Kiel

Herren: 1979 bis 1983 Holstein Kiel, 1983 bis 1984 SC Charlottenburg, 1984 bis 1986 Hertha BSC, 1986 bis 1994 1. FC Nürnberg, 1994 bis 1996 Eintracht Frankfurt, 1996 bis 1998 Olympique Marseille, 1998 bis 2001 1. FC Nürnberg.

Erfolge: Torhüter des Jahres 1987, 1993, 1995, 1996, Welttorhüter des Jahres 1996, Weltmeister 1990 (ohne Einsatz), Europameister 1996, Bundestorwarttrainer von 2004 bis 2021, Weltmeister 2014 als Bundestorwarttrainer

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