6 Fakten zum SVW: Erstes Nordduell seit über 40 Jahren

Auch vor dem Nordduell gegen den SV Werder Bremen darf unsere Rubrik „6 Fakten“ natürlich nicht fehlen – dieses Mal mit besonders vielen historischen Hintergrundinfos!

  1. Viele Duelle in der erstklassigen Oberliga Nord (1947 bis 1963):

Im Oberliga-Heimspiel der Kieler Störche gegen den SV Werder am 26. August 1962 erzielte Bremens Dieter Meyer (re.) gegen KSV-Torwart Franz Möck das zwischenzeitliche 2:2. Am Ende siegten die Gäste aus der Hansestadt mit 3:2. Es war das letzte Mal, dass es zu einem Erstliga-Spiel in Kiel zwischen Holstein und Werder Bremen kam. Die Werder-Sturmspitze Meyer wurde in der Saison 1962/63  mit 37 Treffern vor Uwe Seeler (32) Torschützenkönig der damals erstklassigen Oberliga Nord. Bremen und der HSV zogen im Sommer 1963 zusammen mit Eintracht Braunschweig in die neue Bundesliga ein. Erst 1980 kam es wieder in der 2. Liga Nord zu einem Duell Werder gegen Holstein. Und an diesem Wochenende steigt das Traditionsduell erneut – diesmal im Holstein-Stadion.

  1. Das erste Duell nach dem 2. Weltkrieg:

Am 14. Dezember 1947 strömten 18.000 Zuschauer ins Bremer Weserstadion, um dem ersten Duell zwischen dem SV Werder und der KSV Holstein in der neu gegründeten Oberliga Nord beizuwohnen. Beide Teams waren enttäuschend in die erste Saison nach Wiederaufnahme des Liga-Spielbetriebs im Norden gestartet. Während Werder sich im Tabellenmittelfeld tummelte, fand sich Holstein zum Ende der Hinserie sogar auf dem vorletzten Platz wieder. Enttäuschend für den Verein, der noch vier Jahre zuvor mit Platz 3 in der Deutschen Meisterschaft einen der größten Erfolge der Clubgeschichte feiern durfte. Und auch in Bremen gab es diesmal für die Störche nichts zu holen. Werder siegte durch den Treffer von Otto Mohrmann (65.). Auch das Rückspiel entschied Werder vor 10.000 Zuschauern auf dem Holsteinplatz mit 2:1 (1:0 Schmidt, 1:1 Heinrich, 1:2 Klinge) für sich und konnte sich bis zum Ende der Saison immerhin noch bis auf Platz 5 vorarbeiten. Für Holstein blieb am Ende nur der vorletzte Platz.

  1. 102 Tore – Vereinsrekord:

Die Saison 1962/63 war die letzte gemeinsame in der erstklassigen Oberliga Nord. Unter Trainer Georg „Schorsch“ Knöpfle hatten die Werderaner seit 1958 einen enormen Aufschwung genommen. Der DFB-Pokal-Sieg 1961 war der erste nationale Titelgewinn für Werder und die beiden Oberliga-Vizemeisterschaften 1962 und 1963 waren gleichbedeutend mit dem Einzug in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft – und mit der Qualifikation für die 1963 neu eingeführte Bundesliga. Holstein Kiel verpasste den Sprung in die neue Spielklasse. Im letzten Oberliga-Jahr reichte es für die Störche nur zu Platz 5. Die beiden Partien gegen die Bremer gingen mit 2:3 in Kiel und mit 3:5 im Weserstadion verloren. Am Ende der Saison durften der Hamburger SV, Eintracht Braunschweig und Werder Bremen den Einzug in die Bundesliga feiern. In der letzten Oberliga-Saison erzielte Werder stolze 102 Tore – ein immer noch bestehender Vereinsrekord. Traditionsvereine wie Holstein, Osnabrück, Hannover und auch der FC St. Pauli schauten in die Röhre.

  1. Meister zum 1000-jährigen Stadtjubiläum:

Werder Bremen konnte sich in der neuen Bundesliga auf Anhieb etablieren und erlangte bereits in der allerersten Bundesliga-Spielminute bundesweite Bekanntheit. Denn im Stadion Rote Erde kassierte SVW-Torwart Klaus Lambertz in der ersten Spielminute durch den Dortmunder Timo Konietzka das erste Gegentor. Die Bundesliga war ein spannendes Pflaster für Werder, auch wenn es immer wieder ein Auf und Ab gab an der Weser. Doch pünktlich zum 1000-jährigen Stadtjubiläum gelang mit dem erstmaligen Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1965 der große Wurf – drei weitere sollten 1988, 1993 und 2004 folgen. Holstein Kiel kämpfte derweil um die Rückkehr in die Erstklassigkeit. Herausragende Trainerpersönlichkeiten wie Hans Tauchert (1952-54), Helmuth Johannsen (1954-61 und 1965) oder auch Erich „Ede“ Wolf (1961-64) und Helmut Ullmann (1964/65) formten in Kiel immer wieder Mannschaften, die sich berechtigte Hoffnungen auf die Bundesliga machen durften. Der große Durchbruch indes gelang nicht. 1965 endeten die Kieler Erstliga-Träume beim 0:1 am Gladbacher Bökelberg, 1966 und 1967 verpassten die Störche unter Trainer Rudi Fassnacht nur aufgrund des schlechteren Torquotienten die Aufstiegsrunde zur Bundesliga. Danach begann der Niedergang der KSV Holstein, die 1974 sogar die „Quali“ zur neuen, zweigeteilten 2. Liga verpasste und damit erstmals in der Drittklassigkeit spielen musste.

  1. Auf- und Abstiege:

Mitte der 70er Jahre begann in Kiel, bedingt durch erhebliche, wirtschaftliche Schwierigkeiten und gestützt auf eine hervorragende Jugendarbeit ein sportlicher Aufschwung, der 1978 unter Trainer und Holstein-Rekordtorschütze Gerd Koll im Aufstieg in die 2. Liga Nord mündete. Die Störche waren in den drei Jahren im Bundesliga-Unterhaus stets Außenseiter, bestachen aber vor allem in der Anfangszeit durch Kampfgeist und ein begeisterungsfähiges Publikum. Spiele gegen Hannover 96, Rot-Weiss Essen oder auch den FC St. Pauli waren echte Höhepunkte vor bis zu 15.000 Zuschauern. Und in der Saison 1980/81 standen auch endlich wieder Spiele gegen Werder Bremen auf dem Programm. Die Bremer hatten sich in den Jahren zuvor so langsam aber sicher zu so etwas wie einer grauen Maus entwickelt und gehörten immer wieder zu den Abstiegskandidaten. In dieser Periode der ausbleibenden Erfolge kam es bei Werder von 1971 bis 1980 zu neun Trainerwechseln. Einige Cheftrainer waren nur wenige Wochen oder Monate tätig. 1975 schaffte Werder mit einem Punkt Vorsprung so gerade eben den Klassenerhalt. 1980 folgte dann aber doch der bittere Gang in die Zweitklassigkeit. Dort setzten sich die Bremer unter Trainer Kuno Klötzer schnell nach oben ab, am 10. Spieltag siegte Werder vor 8.500 Zuschauern im Weserstadion gegen Holstein Kiel. Zur Winterpause zeichnete sich der sofortige Wiederaufstieg bereits ab. Im März 1981 musste Trainer Klötzer aus gesundheitlichen Gründen seinen Trainerposten aufgeben und wurde durch den jungen Otto Rehhagel ersetzt. Am Saisonende stand mit 30 Siegen, acht Unentschieden und nur vier Niederlagen ein Rekord nach absoluten Punkten in der Zweitligageschichte. Zudem wurde der bereits 35-jährige Neuzugang Erwin Kostedde mit 29 Toren Torschützenkönig.

  1. Das letzte Duell:

Und die Kieler Störche? Im Sommer 1981 wurden die beiden zweiten Ligen Nord und Süd zur eingleisigen 2. Bundesliga zusammengelegt, Holstein hatte die Qualifikation um Längen verpasst und musste in der Amateuroberliga Nord einen neuen Anlauf nehmen. Immerhin, das letzte Duell gegen den überlegenen Meister aus Bremen endete im Holstein-Stadion mit einem 1:1. Den letzten Kieler Treffer gegen die Werderaner, die damals in Kiel vor 9.000 Zuschauern mit Spielern wie Dieter Burdenski, Klaus Fichtel, Thomas Schaaf, Norbert Meier, Benno Möhlmann oder auch Uwe Reinders aufgelaufen waren, erzielte Bernd Brexendorf. Und wer wird der nächste Kieler Torschütze gegen den SV Werder?

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