Abschied von der Holstein-Legende Hans-Detlef „Dedel“ Moers

Hans-Detlef Moers (li.) hier beim 1:1 in der Oberliga Nord gegen den SV Werder Bremen.

Am 23. Oktober verstarb die Holstein-„Legende“ Hans-Detlef „Dedel“ Moers im Alter von 84 Jahren. Moers spielte sechs Jahre lang in der erstklassigen Oberliga Nord für die Störche. Moers gehörte auch zur Mannschaft, die 1957 letztmalig um die Deutsche Meisterschaft spielte. Die KSV verliert einen der letzten, großen Holsteiner!

In der Saison 1956/57 stand Holstein Kiel wieder einmal im Rampenlicht des deutschen Fußballgeschehens. Als überraschender Herbstmeister beendete man vor dem Hamburger SV die Vorrunde der Oberliga Nord. Die guten Leistungen der KSV lockten auch Bundestrainer Sepp Herberger, sonst nördlich der Elbe eher ein seltener Gast, ins Holstein-Stadion. Am Ende der Saison erreichte Holstein den 2. Tabellenplatz. Im vorentscheidenden Heimspiel um die Meisterschaft unterlag man dem HSV vor 27.000 Zuschauern knapp mit 1:2. Pech für die Kieler, dass ausgerechnet in jenem Jahr noch ein Ausscheidungsspiel der direkten Endrundenteilnahme um die Deutsche Meisterschaft im Wege stand. Trainer Helmuth Johannsen hatte Holstein endlich zurück an die Spitze geführt. Kameradschaft, Energie, Ausdauer und Fleiß zeichneten die Störche aus.

An einem grauen Maimorgen setzte sich ein roter Bus mit der Aufschrift Holstein Kiel in Bewegung. An Bord der Oberliga-Vizemeister auf dem Weg nach Hennef. In der dortigen Sportschule des Fußball-Verbandes Mittelrhein wollte sich der Holstein-Tross gewissenhaft auf das „Spiel der Spiele“ gegen Kickers Offenbach vorbereiten. Die Stimmung war gelöst, als sich der Bus am Spieltag, es war der 25. Mai 1957, dem Düsseldorfer Rheinstadion näherte. Über 30.000 Zuschauer gaben dem Ausscheidungsspiel einen würdigen Rahmen.

Knapp 40 Minuten waren gespielt, als Stürmer Atze Bornemann Holstein mit einem Doppelschlag mit 2:0 in Führung brachte (40./41.). Die Störche lieferten eine hervorragende Vorstellung ab. Ein zweifelhafter Elfmeter und ein unglückliches Eigentor von Schmuck machten eine Verlängerung nötig. In der 118. Minute dann das unerwartete Aus für Holstein. Der Termin für das Wiederholungsspiel wurde gerade durchgegeben, als ein umstrittener Freistoß der Hessen im Kieler Tor einschlug, 3:2 für Offenbach. Nach dem verlorenen  Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1930 (4:5 gegen Hertha BSC Berlin) hatte erneut eine Holstein-Mannschaft im Rheinstadion unglücklich das Nachsehen. Pech, schwer nachzuvollziehende Schiedsrichterentscheidungen, aber auch das Unvermögen, den sicheren Vorsprung zu halten waren die Hauptgründe für das Scheitern. Nie wieder rückten die Störche so nah an die Spitzenklasse des deutschen Fußballs heran. Trotz der Niederlage wurden die Kieler Spieler nach dem Schlusspfiff und auch bei ihrer Rückkehr in die Landeshauptstadt begeistert gefeiert. Einer von ihnen war Hans-Detlef „Dedel“ Moers (geb. am 3. Mai 1935 in Hamburg), der zu den absoluten Stützen der Johannsen-Elf gehörte.

„Dedel“ Moers wurde bei Schwarz-Weiß Elmschenhagen groß und schaffte aufgrund seiner Torgefahr frühzeitig den Sprung in die Stadt- und Landesauswahl. Mit 19 Jahren unterschrieb er seinen ersten Vertrag bei Holstein Kiel und trug dort von 1954 bis 1962 in der Oberliga Nord das Erstliga-Trikot der Störche. Moers erzielte in 114 Punktspielen 11 Treffer. „Holstein hatte damals bundesweit einen guten Klang und gehörte zu den Spitzenteams in Deutschland. Egal wo wir hinkamen, die Hütte war voll“, erinnerte sich „Dedel“ immer gern an die großen Tage seiner KSV, der er stets treu blieb. Erst mit 50 Jahren verabschiedete Moers sich als Aktiver von der Traditions-Elf der Störche. Als Fan indes begleitete er Holstein bis zum Aufstieg in die 2. Bundesliga 2017. Dann wurden die Treffen mit seinen ehemaligen Wegbegleitern immer seltener, gesundheitlich wurde es zunehmend schwieriger für den einst so robusten Offensivmann. Am 23. Oktober verstarb die Holstein-„Legende“ und sein langjähriger Freund Dieter Schmiedel erinnert sich gern an die gemeinsame Zeit: „Dedel ließ im Spiel all seine Emotionen raus und ging mit seiner enormen Leidenschaft immer richtig zur Sache. Jeder Gegner musste niedergerungen werden, und das um jeden Preis. Er war ein Dribbelkünstler, Familienvater und dufter Kumpel. Auf Dedel konnte man sich blind verlassen. Wir verlieren mit Dedel einen der letzten, echten, alten Holsteiner!“

Die KSV Holstein wird Dich nie vergessen, Dedel!

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