Kronholm: „Es war eine brutal erfolgreiche Zeit!“

Holsteins ehemaliger Torhüter Kenneth Kronholm an seiner alten Wirkungsstätte, dem Holstein-Stadion

Zu einem Pressetermin in Kiel wählte Ex-Störche-Torhüter Kenneth Kronholm kurz vor dem Jahreswechsel sein altes Wohnzimmer Holstein-Stadion aus. „Ich habe fünf Jahre hier gespielt und es war eine brutal erfolgreiche Zeit. Deswegen habe ich viele tolle Erinnerungen an Kiel. Ich bin sehr froh, dass ich das erleben durfte“, meinte der inzwischen 35-Jährige durchaus etwas emotional angefasst. 2015 stand Kronholm vor 57.000 Zuschauern in der Relegation in der Münchner Allianz Arena gegen den TSV 1860 München zwischen dem Pfosten, 2017 hütete er das Tor beim Zweitliga-Aufstieg der Störche und nur ein Jahr später war er in der 2. Bundesliga der große Rückhalt beim Höhenflug des Kieler Traditionsclubs, der mit der Relegation gegen den VfL Wolfsburg beinahe in der 1. Bundesliga geendet hätte.

Seit seinem Wechsel von der KSV Holstein in die Major League Soccer (MLS) in den USA im Sommer 2019 war Kenneth Kronholm die unumstrittene Nummer 1 beim US-Meister von 1998. Anfang August erlitt Kronholm im Training einen Riss des vorderen Kreuzbandes und musste monatelang pausieren. Seit Mitte Dezember bereitete sich Kronholm, dessen Vertrag in Chicago noch bis zum 31. Dezember 2021 läuft, an der Kieler Förde auf sein Comeback vor.

Kenneth Kronholm zu Besuch im Holstein-Stadion
Kenneth Kronholm zu Besuch im Holstein-Stadion

„Das ist hier definitiv kein Urlaub für mich, denn ich nehme privat so viele Reha-Termine wie nur möglich wahr“, berichtet Kenneth, der sich zusammen mit seiner Freundin in einer Ferienwohnung am Rande von Kiel einquartiert hat, über die ersten Tage in der alten Heimat. „Ich möchte natürlich so schnell wie möglich wieder mit meiner Mannschaft auf dem Rasen stehen, daher versuche ich auch im Winterurlaub unter professionellen Bedingungen zu arbeiten“, so der 35-Jährige, der im Laufe des Monats wieder in die USA zurückkehren wird.

Eigentlich hatte das Fußball-Jahr in Chicago richtig gut angefangen für den Kieler Zweitliga-Aufstiegshelden von 2017, denn nach seinem starken ersten Jahr gehörte er für die neue Saison bei Chicago Fire zu den Team-Kapitänen. „Doch dann kam Corona und im Herbst meine Verletzung. Das waren natürlich herbe Rückschläge“, berichtet Kronholm über die Schattenseiten.

Für 2021 wurde der Startschuss der neuen MLS-Saison bereits verschoben und soll nun im April erfolgen. „Das ist mir diesmal gar nicht so unrecht, denn ein wenig Zeit benötige ich noch. Spätestens im Mai will ich unbedingt wieder voll im Saft stehen“, sagt der gebürtige US-Amerikaner, der schon wieder längere Strecken laufen kann und zuletzt in Chicago auch schon wieder einen Ball am Fuß hatte.

Der ehemalige Kieler vor der Skyline Chicagos

Wenn Kenneth Kronholm sich in diesem Jahr in der Major League Soccer zurückmeldet, kann sein großer Traum endlich weitergehen. „Es war und ist nach wie vor ein Traum, ich würde es sogar mein ganz persönliches Abenteuer nennen. Vor allem das erste halbe Jahr in den USA war atemberaubend. Jeden Tag gab es etwas Neues zu entdecken. Und das Gefühl, wenn man in nagelneuen Football-Stadien vor bis zu 70.000 Zuschauern aufläuft, ist einfach unbeschreiblich. Ich habe das alles wie ein Schwamm aufgesogen“, schwärmt Kronholm, der aber schon frühzeitig feststellen konnte, dass „die Fans in den USA nicht ganz so laut und verrückt sind wie hier in Deutschland“.

Verrückt findet Kenneth Kronholm auch den momentanen Höhenflug „seiner“ Störche: „Natürlich verfolge ich das Geschehen bei Holstein mit sehr viel Freude und habe mir zuletzt auch die Spiele gegen Nürnberg und Sandhausen im TV angeschaut – ich bin also immer up to date. Es macht unheimlich viel Spaß, den Jungs zuzuschauen. Die KSV hat ein sehr klares Konzept und ich freue mich für Ioannis Gelios, dass alles so gut klappt und er zuletzt so viele Punkte festgehalten hat. Wir Torhüter müssen zusammen halten.“ Kronholm, der 2018 mit den Störchen in der Relegation am Erstligisten VfL Wolfsburg scheiterte, traut Holstein diesmal sogar den ganz großen Wurf zu: „Die momentane Tabellensituation nach dem ersten Saisondrittel ist sehr beachtlich. Und auch wenn es noch ein sehr langer Weg werden dürfte, traue ich der Mannschaft alles zu.“

In der Relegation zur Bundesliga scheiterte Kronholm 2018 mit der KSV am VfL Wolfsburg

Kronholm hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sein Herz an Kiel verloren hat: „Mich wird nach all den tollen Erlebnissen immer etwas mit der Stadt verbinden und außerdem kommt meine Freundin hierher. Ich bin irgendwie im Norden heimisch geworden.“ Ob er seine Profikarriere irgendwann in Deutschland fortsetzen wird, lässt Kronholm offen. „Wenn das Abenteuer in den USA vorbei ist, dann würde ich am liebsten nach Kiel zurückkehren. Aber ich habe keine Ahnung, ob ich dann noch weiterspiele. Ich weiß aber auch, dass es im Fußball manchmal ganz schnell gehen kann“, blickt der Sohn einer Deutschen und eines US-Amerikaners gelassen in die Zukunft. „Das nächste Spiel ist das wichtigste und erst einmal möchte ich wieder mit Chicago Gas geben“, verabschiedet sich „Kenny“ am Ende des Gespräches mit einem vielsagenden Lächeln.

Zur Person

Kenneth Kronholm (geb. 14. Oktober 1985 in Fort Belvoir/USA) absolvierte in der Zeit von 2014 bis 2019 für die KSV Holstein 139 Punktspiel-Einsätze. Seine größten Erfolge mit den Störchen waren die Relegation zur 2. Bundesliga gegen den TSV 1860 München (0:0/1:2) im Sommer 2015, der Zweitliga-Aufstieg 2017 sowie die Relegation zur 1. Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg (1:3/0:1) im Sommer 2018. Seit Mai 2019 steht Kronholm in der Major League Soccer (MLS) bei Chicago Fire unter Vertrag.

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