Fritz Walter – Ein Idol wird 100 Jahre

Ehrenspielführer Fritz Walter und die Roten Teufel spielten gegen Holstein um die Deutsche Meisterschaft. Hier ist Walter 1966 bei einer Autogrammstunde in Kiel zu sehen.

Gestern vor 100 Jahren erblickte Fritz Walter in Kaiserslautern das Licht der Welt. Das wohl größte Idol, das der deutsche Fußball jemals hervorgebracht hat, war eine der herausragenden Persönlichkeiten im Nachkriegs-Deutschland und führte die Nationalmannschaft 1954 zum Weltmeister-Titel. Zweimal holte er mit den Roten Teufeln, denen er 30 Jahre lang die Treue hielt, die Deutsche Meisterschaft an den Betzenberg. 1953 kam es in der Endrunde zu zwei geschichtsträchtigen Begegnungen mit der KSV Holstein.

Am 3. Mai 1953 erlebten 50.000 Zuschauer im Ludwigshafener Südweststadion in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft das packende Auftaktduell zwischen Südwest-Meister 1. FC Kaiserslautern und Nord-Vizemeister Holstein Kiel. Die Roten Teufel vom Betzenberg legten im ersten Durchgang mit 2:0 vor, doch nach der Pause kämpften sich die Nordlichter mit ihrem überragenden Torwart Henry Peper und dem Treffer durch Bruno Wagner (75.) wieder heran und hielten die Partie bis zum Schlusspfiff spannend. Holstein hatte zwar mit Peper den besten Mann auf dem Platz, doch der Sieg ging an den FCK.

Auch das Rückspiel auf dem Holsteinplatz konnte Kaiserslautern vor knapp 18.000 Zuschauern mit 4:2 für sich entscheiden, Fritz Walter erzielte den Führungstreffer für die Roten Teufel und war auch bei den Kieler Anhängern der gefeierte Mann. Im Berliner Olympiastadion holte sich der 1. FC Kaiserslautern am Ende der Endrunde vor 80.000 Fans durch ein 4:1 gegen den VfB Stuttgart die Deutsche Meisterschaft. In beiden Endrunden-Spielen gegen die Störche und im Finale lief der FCK mit den späteren Weltmeistern Fritz Walter, Ottmar Walter, Werner Liebrich, Horst Eckel und Werner Kohlmeyer auf.

Walters Spielweise und Wesen waren einzigartig. Ein genialer Spielmacher, hochgradig sensibel, mit Charisma und Autorität ausgestattet sowie mit der Fähigkeit, ein Spiel „lesen“ zu können. Sein Aktionsradius reichte vom eigenen Strafraum bis vor des Gegners Tor. Er half in der eigenen Abwehr aus und war zudem torgefährlich, ein begnadeter Techniker und ein großer Stratege. Fritz Walter gehört zu den vier Spielern, die mehr als 15 Jahre in der Nationalmannschaft gespielt haben, übertroffen wurde er dabei nur von Lothar Matthäus. Mit 33 Toren in 61 Länderspielen (davon 30 als Kapitän) war Walter bis zum 23. Juni 1966 Rekordtorschütze der Nationalmannschaft, bis er von Uwe Seeler abgelöst wurde.

Mit der Deutschen Nationalmannschaft absolvierte Walter zahlreiche Trainingslager in der Sportschule Malente und auch die Landeshauptstadt war immer wieder Ziel des Idols – nicht nur für seine Autogrammstunden, die wahre Menschenmengen anlockten. Auch sein Bruder Ottmar, ebenfalls 54er-Weltmeister und 1943 Mitglied der legendären Holstein-Elf, die den damals schier unbesiegbaren FC Schalke 04 im Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft mit 4:1 vom Holsteinplatz fegte, war bis zuletzt gern gesehener Gast an der Förde.

Für den Historiker Joachim Fest gab es drei Gründungsväter der Bundesrepublik Deutschland: politisch war es Konrad Adenauer, wirtschaftlich war es Ludwig Erhard und mental Fritz Walter. Eigentlich sei der 4. Juli 1954, der Tag des Endspiels in Bern, das Gründungsdatum der Bundesrepublik gewesen. Halbstürmer Fritz Walter wurde für seine fußballerischen und sozialen Verdienste  vielfach geehrt und als damals erster Spieler zum Ehrenspielführer ernannt. Am 17. Juni 2020 verstarb Walter in seinem Haus in Alsenborn-Enkenbach, das noch heute eine Gedenkstätte des deutschen Fußballs ist. Auch Holstein Kiel gedenkt der Fußball-Legende Fritz Walter anlässlich des 100. Geburtstages!

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