„Ganz besondere Atmosphäre“ – Störche fiebern Nordderby gegen den HSV entgegen

Beim letzten Heimspiel gegen den HSV im April dieses Jahres erzielte Kwasi Wriedt Holsteins 1:0-Siegtreffer. Foto: Paesler

Flutlicht, ein ausverkauftes Haus und den Hamburger SV zum Nordderby zu Gast – wenn die KSV am Freitag, 9. September, um 18.30 Uhr den HSV im Holstein-Stadion empfängt, sind viele Kriterien erfüllt, die das Fußballherz höher schlagen lassen. Kein Wunder, dass unsere Störche der Begegnung bereits entgegenfiebern und sich aktuell intensiv auf die Partie vorbereiten. Auch das eine oder andere Wiedersehen wird es am Freitagabend geben. Wir wollen deshalb noch einmal auf einige Nordderby-Highlights der vergangenen Jahre zurückblicken

In der 13. Minute passiert es. In der eigenen Hälfte läuft er los. Und läuft. Und läuft. Und trifft. Die Rede ist von dem Moment, als Kwasi Wriedt im letzten Heimspiel der Störche gegen den Hamburger SV am 10. April dieses Jahres den Ball von Marco Komenda in den Lauf gespitzelt bekam, zu einem 70-Meter-Sprint ansetzte und am Ende HSV-Torhüter Daniel Heuer Fernandes tunnelte. Es war der 1:0-Siegtreffer für die KSV, die dadurch auch im achten Zweitliga-Duell gegen die Rothosen ungeschlagen bleiben sollte.

Rückblick: Bis zum Beginn der 1960er-Jahre zählten die Duelle Holstein gegen HSV immer zu den Highlights des Fußballkalenders. Doch die Einführung der 1. Bundesliga im Jahre 1963 wurde die Punktspielgeschichte zwischen Holstein Kiel und dem Hamburger SV für sage und schreibe 55 Jahre – genauer gesagt 20.278 Tage – unterbrochen. Es dauerte bis zum Zweitliga-Abstieg des langjährigen Bundesliga-Dinos im Sommer 2018 bis zu einem Wiedersehen in einem Punktspiel – und auch das sollte es in sich haben. 

HIGHLIGHT ZUM AUFTAKT DER SAISON 2018/19

Für viele Holstein-Anhänger unvergessen bleibt vor allem dieses erste Duell zwischen beiden Clubs in der zweiten Bundesliga, das für die Hamburger die Premiere in dieser Spielklasse war. 57.000 Fans waren dabei und sahen, wie sich die Kieler nach einem 0:0 zur Pause in einen wahren Fußball-Rausch spielten und durch Tore von Jonas Meffert, David Kinsombi und Mathias Honsak mit 3:0 einen historischen Auswärtssieg einfuhren. „Für mich persönlich war das ein ganz besonderes Spiel. Zum einen habe ich als gebürtiger Hamburger von jeher viel rund um den HSV mitbekommen, zum anderen war es mein erstes Pflichtspiel für Holstein nach meiner Rückkehr“, erinnert sich Hauke Wahl noch gut an das Auftaktspiel der Saison 2018/19. „Wir wussten damals vorher nicht, wo wir genau stehen. In Hamburg herrschte trotz des vorherigen Abstiegs damals eine enorme Euphorie. Im Spiel selbst haben wir dann mit enormer Wucht einen tollen Sieg gefeiert. Es ist ein Spiel, das ich nie vergessen werde“, so der KSV-Kapitän in der Retroperspektive. Auch das Rückspiel gewann Holstein einen Tag vor Heiligabend nicht weniger sensationell mit 3:1 – übrigens auch dank zwei Treffern von David Kinsombi, der nach der Saison zum HSV wechselte, von wo er im Sommer dieses Jahres zum SV Sandhausen weiterzog. „Ich war selten so glücklich nach einem Spiel wie nach dem Auftaktsieg in Hamburg“, verrät auch Alexander Mühling und hat auch noch gute Erinnerungen an das Rückspiel jener Saison: „Durch diesen 3:1-Sieg sind wir damals mit einem super Gefühl in die Winterpause gegangen.“

WIEDERSEHEN MIT EINEM TRIO

Kieler Trainer war damals Tim Walter, der seit Sommer 2021 Chef-Coach bei den Hamburgern ist und am Freitag mit dem HSV zum zweiten Mal an seine alte Wirkungsstätte Holstein-Stadion zurückkehrt. „Tim hat die Entwicklung des Vereins in der Zeit, in der er hier gewirkt hat, mitgeprägt. Seine Herangehensweise an Spiele und seine Mentalität sind schon etwas Besonderes“, hält Captain Wahl auch heute noch große Stücke auf den aktuellen HSV-Trainer. Gleiches gilt übrigens für den damaligen Kieler Torschützen Meffert, der sich ebenfalls zur Saison 2021/22 den Hamburgern anschloss und seine zweite Saison für den Verein mit der Raute im Wappen spielt. „Mit Meffo habe ich drei sehr intensive Jahre hier in Kiel erlebt. Er ist ein Spieler, mit dem ich sehr gerne zusammengespielt habe und mit dem ich auch heute noch in regelmäßigem Kontakt stehe“, findet Wahl auch für Ex-Mitspieler Meffert nur lobende Worte – genauso übrigens wie Alex Mühling: „Meffo ist für mich einer der besten Sechser der Liga, weil er technisch stark ist, über ein präzises Passspiel verfügt und ein gutes Gefühl für die Räume besitzt.“ Und dann wäre da auch noch László Bénes, der in der Rückrunde der Saison 2018/19 von Borussia Mönchengladbach an die KSV ausgeliehen war und zur aktuellen Saison zum HSV gewechselt ist. „Laci ist ein sehr sympathischer Typ, der einen extrem starken linken Fuß hat und dementsprechend gefährliche Standards treten kann, was er auch schon in seiner Zeit bei uns gemacht hat“, erinnert sich Mühling an die Qualitäten des Slowaken.

AM FREITAG STEIGT DAS NEUNTE ZWEITLIGA-DUELL

Seitdem Hamburg in der zweiten Liga spielt, traf Holstein acht Mal auf den HSV – und kein einziges Mal konnte der ehemalige Bundesliga-Dino unsere Störche besiegen. Selbst Ehrenspielführer Uwe Seeler, der am 21. Juli dieses Jahres verstarb, wunderte sich noch zu Lebzeiten über die stolze Serie der Kieler. Denn beim letzten Punktspielerfolg des HSV, am 25. November 1962 (3:2), stand „Uns Uwe“, der für immer eine Legende des deutschen Fußballs bleiben wird, selber noch auf dem Rasen. Vor der neunten Zweitliga-Begegnung beider Klubs ist die Vorfreude in der ganzen Region bereits spürbar, wie Hauke Wahl berichtet: „Man hat bereits in den letzten Tagen gemerkt, dass dieses Spiel ansteht. Vor diesem Nordderby herrscht immer eine ganz besondere Atmosphäre.“ Dafür, dass auch im Holstein-Stadion eine grandiose Stimmung herrschen wird, werden mit Sicherheit erneut beide Fanlager sorgen. „Es wird intensiv, es wird brisant – und am Ende steht hoffentlich wieder ein positives Ergebnis für uns auf der Anzeigetafel“, sagt mit Lewis Holtby einer, der in diesem traditionsreichen Nordderby schon für beide Seiten auf dem Feld stand – in der Saison 2018/19 für den HSV und in der vergangenen Spielzeit für die Störche. „Natürlich würde ich auch am Freitag gerne selbst auf dem Platz stehen. Unabhängig vom Gegner vermisse ich die tägliche Arbeit mit der Mannschaft – vor allem die Matchdays. Aber ich arbeite gerade tagtäglich hart, um endlich wieder dabei zu sein“, so Holtby, der am Freitagabend gegen seinen Ex-Klub verletzungsbedingt passen muss. „Ich bin quasi aufgewachsen beim HSV, sodass es auch für mich natürlich immer besondere Spiele sind“, ergänzt Finn Porath, der im NLZ der Hamburger ausgebildet wurde und insgesamt sieben Jahre lang im Nachwuchs- und Herrenbereich das HSV-Trikot trug. Am Freitag ruhen jedoch für 90 Minuten alle alten Freundschaften, schließlich lautet das Ziel: Erneut eine gute Leistung abrufen und die positive Bilanz gegen den Nordrivalen ausbauen. „Wir wollen erneut über uns hinauswachsen und alles in die Waagschale werfen. Wenn uns das gelingt, können wir den HSV auch erneut schlagen“, geht Capitano Wahl positiv gestimmt in das anstehende Flutlicht-Highlight.

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