Gegnercheck: Arminia Bielefeld

Gefürchtet, gehasst und nur selten verlacht – die Bielefelder Alm, seit 1926 Heimstätte des Deutschen Sportclubs Arminia, war und ist ein heißes Pflaster, auf dem nicht nur der „weiße Brasilianer“ Ansgar Brinkmann kickte, mit Rekordspieler Wolfgang Kneib „Bielefelds bekannteste Bahnschranke“ das Tor hütete oder mit Ewald Lienen der Spieler mit der „berühmtesten Verletzung der Bundesliga-Geschichte“ für Furore sorgte. Heute sind es Profis wie die ehemaligen Holsteiner Masaya Okugawa und Janni Serra, die der Arminia zu neuem Ruhm verhelfen sollen. Am Sonnabend gastiert die KSV Holstein zum sechsten Mal in Ihrer Zweitliga-Geschichte im ost-westfälischen Fußballtempel. Und noch nie gelang den Störchen bislang ein Sieg auf der Alm.

Eine schwere Saison?

Der kommende Gegner aus Bielefeld steht, glaubt man den DSC-Fans, vor einer schweren Saison. Dieser Satz kursiert seit der vergangenen Woche auf jeden Fall durch Arminias Anhängerschaft. Zu viel liegt nach Meinung der treuen Anhänger beim Erstliga-Absteiger im Argen. Bielefeld rangiert mit fünf mageren Punkten auf Platz 16. „Ich kann den Frust der Fans voll nachvollziehen, uns geht es ähnlich“, äußerte sich Kapitän Oliver Hüsing nach der 0:1-Niederlage am vergangenen Wochenende in Nürnberg. Nun müssen gegen die Kieler Störche drei Punkte her, will man nicht auf einen direkten Abstiegsplatz rutschen. Druck im Kessel also beim Bundesliga-Absteiger, der seinen bislang 17 Bundesliga-Spielzeiten möglichst schnell weitere hinzufügen möchte. Holsteins Sportchef Uwe Stöver schenkt dem momentanen Tabellenplatz der Bielefelder wenig Aufmerksamkeit. „Die Arminia ist immer schwer zu bespielen, die werden gegen uns alles abrufen“, so der Ex-Bundesliga-Profi, der sich selbst noch rege an „heiße“ Fußballschlachten auf der Alm erinnert.

Legendäre Niederlagen

Ach ja, genau 117 Jahre ist es her, dass ein germanischer Feldherr ein paar Fußballverrückte zur Gründung des 1. Bielefelder FC „Arminia“ inspirierte. Der Vereinsname leitet sich vom Cheruskerfürsten Arminius ab, der den Römern im Jahre 9 n. Chr. in der Varusschlacht mit der Vernichtung von drei Legionen eine ihrer verheerendsten Niederlagen beibrachte. Von Niederlagen (und Siegen) können die Fußballer der Arminia ebenfalls ein Lied singen. Insgesamt 22 Mal auf- oder abzusteigen in den 58 Jahren seit Gründung der Bundesliga ist Rekord, mehr „Fahrstuhl“ geht nicht! Die „legendärste“ Pleite ereignete sich übrigens vor genau 40 Jahren im 110 Kilometer entfernten Dortmunder Westfalenstadion. Denn dort unterlag die Arminia nach einer frühen Führung durch Frank Pagelsdorf und einem durchaus passablen Halbzeitstand von 1:1 am Ende mit sage und schreibe 1:11. Doch es geht immer noch schlimmer. 1972 erlebte Bielefeld das schwärzeste Kapitel seiner Historie. Der DFB verurteilte die Arminia wegen erwiesener Bestechung in fünf Fällen zum Zwangsabstieg in die damals zweitklassige Regionalliga West. Die Bundesligasaison 1971/72 durfte die Mannschaft zwar noch zu Ende spielen, jedoch wurden alle Spiele nur für die Gegner gewertet. Ähnliches ereilte übrigens auch die KSV Holstein, wenn auch schon 25 Jahre früher. Aufgrund einer ungültigen Spielberechtigung des Kielers Willi Hamann wurden in der Saison 1948/49 nach dem Ausschluss am 10. Spieltag alle Partien des damaligen Erstligisten annulliert – und bis zum Saisonende durfte Holstein nur noch Freundschaftsspiele austragen.

Auf zur Alm!

Der Skandal vor 50 Jahren scheint der Arminia, außer in den Fußball-Geschichtsbüchern, heute nicht mehr nachzuhängen. Für die Fußballfans zwischen Förde und Isar gehört die Alm seit jeher zu den beliebtesten Auswärtszielen – auch wenn es auf der Alm, die seit 2004 Schüco-Arena heißt, tatsächlich nur selten etwas zu holen gibt. Daran hat sich bis heute nie so wirklich etwas geändert.

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