Im Gegnercheck: SV Waldhof Mannheim

Ein fast vergessenes Aufeinandertreffen

Holstein Kiel gegen Waldhof Mannheim? Gab es noch nie? Wissen wir nicht? Stopp! Zwar trafen beide Traditionsvereine noch nie zuvor in einem Pflichtspiel aufeinander, doch im März 1948 fand ein äußerst bemerkenswertes Aufeinandertreffen beider Vereine auf dem altehrwürdigen Holsteinplatz statt.

Rekordbesuch beim Freundschaftsspiel

17.000 Zuschauer sorgten damals für einen stimmungsvollen Rahmen an der Förde, denn mit dem SV Waldhof gastierte nicht nur zum ersten Mal nach dem 2. Weltkrieg ein süddeutscher Club auf dem Holsteinplatz, sondern mit den Waldhof Buben sogar die Mannschaft, die ein Jahr zuvor als Süd-Vize sogar für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft qualifiziert gewesen wäre – doch die „Deutsche“ wurde 1946/47 ebenso wie in der Vorsaison aufgrund der Schäden des Krieges nicht ausgespielt. So war die stattliche Freundschaftsspiel-Kulisse in Kiel also keine Überraschung. Ebenso wenig wie der 6:3-Erfolg der Kurpfälzer, bei dem der legendäre Mittelstürmer Paul Lipponer vier Treffer erzielte. Dem Zeitgeist entsprechend „feierte“ die Lokalpresse damals den Kieler Führungstreffer zum 1:0 wie folgt: „Eine Bombe von Franz Linken“.

Zeitungsbericht vom Freundschaftsspiel aus dem März 1948

Seit diesem Spiel konnten wir kein weiteres Aufeinandertreffen zwischen Störchen und Waldhof Buben in den Archiven des deutschen Fußballs mehr finden, so dass es nun im Carl-Benz-Stadion wohl erstmals seit 74 Jahren wieder heißt: SV Waldhof Mannheim gegen Holstein Kiel. Und die Störche sollten gewarnt sein. In der 1. DFB-Pokal Runde der abgelaufenen Saison warfen die Blau-Schwarzen Europe League-Sieger Eintracht Frankfurt mit 2:0 aus dem Wettbewerb. Kapitän und Führungstorschütze Marcel Seegert peilt mit den Kurpfälzern auch am Sonntag gegen Holstein eine Überraschung an. Für Waldhofs Trainer Christian Neidhart ist Holstein kein unbeschriebenes „Pokal-Blatt“. Am 3. März 2021 unterlag der Ex-Profi, der Mitte der 90er Jahre die Fußballschuhe auch für Flensburg 08 schnürte, als Trainer von Rot-Weiss Essen den Störchen im Viertelfinale an der Hafenstraße mit 0:3.

Bildnachricht (März 1948)
Niklas „Willy“ Sommer ist u.a. auf Twitch und Instagram aktiv

Ein Social Media-Star

Der momentan bekannteste Spieler beim Sportverein Waldhof ist ohne Zweifel Niklas „Willy“ Sommer. Der Rechtsverteidiger weiß als Gamer und Influencer auf Social Media-Plattformen eine riesige Fangemeinde mit fast 550.000 Followern hinter sich. Bereits der Instagram-Post zu seiner Vertragsunterzeichnung im Sommer 2021 bekam über 55.000 Likes und erzielte rund 10.000 neue Abonnenten binnen 24 Stunden für den SVW. Zwar verkaufen sich auch die Trikots von Kapitän Seegert und Routinier Marc Schnatterer gut, aber das Sommer-Trikot geht definitiv am häufigsten über die Fanshop-Theke. Beim 3:1-Erfolg zum Saisonstart gegen Viktoria Köln wurde Sommer übrigens in der 67. Spielminute für Julian Riedel eingewechselt und darf somit auch gegen die Störche auf einen Einsatz hoffen.

Zurück in die 2. Bundesliga?

Die Blau-Schwarzen aus dem Mannheimer Stadtteil Waldhof, die mit ihrer erfolgreichen Jugendarbeit bekannte Größen wie die Förster-Brüder Bernd und Karl-Heinz, Jürgen Kohler oder auch Maurizio Gaudino hervorbrachten, hoffen in der 20. Saison nach dem Abstieg aus der Zweitklassigkeit auf die lang ersehnte Rückkehr in die 2. Bundesliga, in deren Ewigen Tabelle sie immer noch auf einem bemerkenswerten 14. Platz rangieren. Nur zu gern würde das Team von Trainer Christian Neidhart im Mai 2023 jubeln. Wie schon damals, in den großen Jahren nach dem 2. Weltkrieg, heißt einer der direkten Konkurrenten der Waldhof Buben auf dem Weg nach oben auch diesmal wieder 1860 München.

Waldhofs Trainer Christian Neidhart I Foto: Markus Endberg

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