KSV verliert in Unterzahl beim VfL Osnabrück

Ein Kieler Lichtblick: Eigengewächs Jonas Sterner feierte bei der 1:4-Niederlage in Osnabrück sein Zweitliga-Debüt

Die KSV hat am Sonntagnachmittag ihr letztes Auswärtsspiel in der Saison 2019/20 verloren. Beim VfL Osnabrück unterlagen die Störche am 33. Spieltag an der Bremer Brücke mit 1:4 (0:2). Moritz Heyer brachte den VfL früh in Führung, die Bashkim Ajdini vor der Pause ausbaute. Kurz nach dem zweiten Gegentreffer sah Phil Neumann wegen einer Notbremse die Rote Karte, sodass Kiel 64 Minuten in Unterzahl spielte. Nach Wiederanpfiff erhöhte Lukas Gugganig per Elfmeter, verkürze dann unfreiwillig per Eigentor für die KSV, ehe Etienne Amenyido kurz vor Schluss den 4:1-Endstand erzielte.

Die Partie war kaum angepfiffen, da lagen die Gastgeber bereits vorne. Aleksandar Ignjovski verlängerte eine Osnabrücker Ecke unfreiwillig auf den zweiten Pfosten, wo der aufgerückte VfL-Verteidiger Moritz Heyer aus kurzer Distanz einnicken konnte (3.). Die Störche brauchten einige Minuten, intensivierten dann aber ihre Offensivbemühungen. Doch Finn Poraths Schuss aus elf Metern wurde noch abgeblockt (10.) und Philipp Sanders Distanzschuss geriet zu hoch (12.). Auf der Gegenseite brachte Sebastian Klaas einen Abpraller aufs Tor, der jedoch noch entscheidend von Phil Neumann abgefälscht wurde, sodass KSV-Keeper Ioannis Gelios sicher zupacken konnte (16.). Die Kieler hatten nun deutlich mehr Ballbesitz, während die Hausherren auf Konter lauerten. Während sich die KSV mühte, eine Lücke in der tiefstehenden VfL-Defensive zu finden, reichte Osnabrück ein weiterer Angriff, um nachzulegen: Bashkim Ajdini führte den Ball durchs Mittelfeld, konnte nicht entscheidend gestört werden und ließ dann Gelios mit seinem Flachschuss aus 16 Metern ins rechte Eck keine Chance (24.). Es kam nun knüppeldick für die Gäste: Keine 120 Sekunden nach dem zweiten Gegentreffer schubste Neumann den sich auf dem Weg zum Kieler Tor befindenden Marc Heider. Der Ex-Kieler ging zu Boden und Schiedsrichter Tobias Stieler entschied auf Notbremse, sodass die Kieler die restliche Spielzeit bei knapp 26 Grad zu zehnt bewältigen mussten (26.). In Unterzahl zog sich Holstein in der Folge etwas zurück – und hätte dennoch fast den dritten Gegentreffer kassiert: Klaas tauchte frei vor Gelios auf und hob den Ball am Kieler Schlussmann, aber auch hauchzart am linken Pfosten vorbei (37.). Ein Kieler Vorstoß über Porath landete klar rechts neben dem VfL-Gehäuse (40.), kurz darauf verpasste erneut Klaas eine mögliche Vorentscheidung, als er den Fuß in Assan Ceesays scharfe Hereingabe hielt und der Ball an den linken Pfosten klatschte (43.).

Gugganig trifft auf beiden Seiten – Eberwein und Sterner debütieren

Auch nach dem Seitenwechsel waren die Hausherren dem nächsten Treffer näher als die KSV. So parierte Gelios den Schuss aus der zweiten Reihe von Heyer (46.) und blieb auch im Eins gegen Eins gegen Klaas Sieger (47.).  Kurze Zeit später musste der Kieler Torwart dennoch den Ball erneut aus seinem Netz holen. Nachdem Dominik Schmidt Gegenspieler Heider im Strafraum geschubst hatte, verwandelte Lukas Gugganig den fälligen Strafstoß sicher ins linke untere Eck (51.). Die Begegnung verlor anschließend deutlich an Tempo, ehe der VfL binnen 60 Sekunden drei gute Chancen verbuchte: Zunächst konnte Ignjovski den Schuss von Ceesay gerade noch blocken (63.), dann scheiterte dieser frei vor dem KSV-Gehäuse am erneut starken Gelios (63.), ehe der Kieler Torhüter auch beim Distanzschuss von Bryan Henning sicher zupackte (63.). Vier Minuten später zielte Heyer aus aussichtsreicher Position zu hoch (67.). Als die Partie zunehmend dahinplätscherte, verkürzte Holstein etwas überraschend: Nach einem langen Ball umkurvte Lion Lauberbach den herauseilenden VfL-Torwart Phillip Kühn und wollte ins verwaiste Tor einschieben, aber Gugganig kam ihm zuvor und traf ins eigene Netz (78.). Die Störche kamen in der Folge noch einmal kurz auf, kamen aber nicht mehr über einen Dropkick von Zweitliga-Debütant Michael Eberwein, den Kühn im Nachfassen parierte, hinaus (82.). Stattdessen stellten die Osnabrücker den alten Abstand wieder her, als Etienne Amenyido einen Konter erfolgreich zum 4:1-Endstand abschloss (86.). Durch den Heimsieg feierte der Aufsteiger den vorzeitigen Klassenerhalt, während die KSV nach dem vorletzten Spieltag Rang elf belegt.

Statistik:

Osnabrück: Kühn – Heyer, Gugganig, Trapp – Ajdini, Henning (79. Susac), Köhler (79. Blacha), Agu (88. Alvarez), Klaas (67. Farrona Pulido) – Heider, Ceesay (67. Amenyido). Trainer: Thioune.

KSV: Gelios – Neumann, Wahl, Schmidt (56. Thesker), van den Bergh (56. Seo) – Porath, Ignjovski (79. Sterner), Sander – Iyoha (69. Eberwein), Lauberbach, Baku (56. Dehm). Trainer: Boll/Kohlmann.

Schiedsrichter: Stieler (Hamburg) – Tore: 1:0 Heyer (3.), 2:0 Ajdini (24.), 3:0 Gugganig (51./FE), 3:1 Gugganig (78./ET), 4:1 Amenyido (86.) – Rote Karte: Neumann (26./Notbremse) – Zuschauer: keine.

Stimmen zum Spiel:

Fabian Boll, Co-Trainer der KSV: Wir haben anfangs kontaktlos Fußball gespielt. Das ist nicht damit zu erklären, dass uns einige wichtige Spieler heute verletzungsbedingt gefehlt haben. Es war natürlich bitter für uns, dass wir gleich mit dem ersten Standard in Rückstand geraten, spätestens nach dem Platzverweis war klar, dass es heute sehr schwer werden würde, hier etwas zu holen. Am Ende haben wir noch einmal versucht, einen zweiten Treffer nachzulegen, bekommen dann aber gleich das vierte Gegentor. Das Ergebnis geht so völlig in Ordnung, es hätte sogar deutlich höher ausfallen können.

Daniel Thioune, VfL-Trainer: Wir hatten eine Idee, wie wir gegen Holstein Kiel spielen wollten. Und wir hatten von Beginn an die Momente, die wir brauchen. Bei Standards waren wir zuvor das ungefährlichste Team der Liga, und dann machen wir nach einer Ecke das 1:0. Der einzige Vorwurf, den ich meiner Mannschaft machen kann, ist der, dass wir angesichts der Vielzahl unserer Chancen nicht schon viel früher einen Haken hinter dieses Spiel gemacht haben. Aber tatsächlich ist das an einem Tag wie heute völlig nebensächlich. Ich bin unfassbar glücklich darüber, dass wir auch in der nächsten Saison ein Teil der 2. Liga sein dürfen.

Hauke Wahl: Die Niederlage ist verdient. Wir sind nicht gut ins Spiel gekommen und waren nicht richtig wach. Der Platzverweis hat uns natürlich nicht in die Karten gespielt. Ab dem Moment war es ein anderes Spiel, weil wir nicht mehr so viel Druck ausüben konnten. Es haben uns sehr wichtige Spieler gefehlt, aber wir hatten dennoch Jungs auf dem Platz, die diese Rolle ausfüllen können. Wir haben in dieser Konstellation noch nicht zusammengespielt und waren nicht eingespielt. Dennoch darf uns solch ein Spiel nicht passieren. Wir werden am kommenden Wochenende auf jeden Fall ein anderes Gesicht zeigen, damit die Saison einen versöhnlichen Abschied hat.

Impressionen vom Spiel in Osnabrück:

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