Nach viralem Video: Das war KSV-Legende Franz Esser

Franz „Seppl“ Esser (re.) blieb der KSV auch nach seinem Karriereende treu. Hier ist er mit der Kieler Regionalliga-Meistermannschaft 1965 beim Kartenspielen zu sehen

Nachdem die WDR-Fernsehsendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ am Montag auf ihrer Facebook-Seite ein kurzes Video über den ehemaligen Holstein-Spieler und -Funktionär Franz „Seppl“ Esser geposted hatte, ging der Clip anschließend viral. Doch wer war der Mann, der im Video über seine ganz eigene Spielvorbereitung berichtet? Bei ausführlicherer Betrachtung entpuppt sich Esser als echte KSV-Legende, die sogar in der Nationalelf zum Einsatz kam.

Kontrolliertes Trinken vor dem Fußballspiel I ZwWdF

Franz Esser hat früher für Holstein Kiel gespielt und erklärt hier dem Reporter, wie das damals mit dem kontrollierten Trinken vor den Spielen funktioniert hat. 😅🍸

Gepostet von Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs am Montag, 17. Mai 2021

Der am 20. Januar 1900 in Kiel geborene Esser debütierte drei Jahre nach Holsteins Gewinn der Deutschen Meisterschaft als 15-Jähriger in der 1. Mannschaft der Störche. Ursprünglich als Linksaußen vorgesehen, entwickelte sich Esser mit der Zeit zum gefürchteten Mittelstürmer. Abgesehen von einem einjährigen Intermezzo bei ABTS Bremen trug „Seppl“ Esser bis 1932, also insgesamt 16 Jahre lang, das Ligatrikot der KSV Holstein. 1926, 1927 und 1930 holte Esser mit Holstein die Norddeutsche Meisterschaft und zog von 1926 bis 1932 jedes Jahr in die Endrunde um die „Deutsche“ ein. Beim torlosen Länderspiel in Bochum gegen Ungarn feierte Esser seinen einzigen Länderspieleinsatz. Trotz guter Kritiken wurde er danach aber nie wieder für ein Spiel der Nationalmannschaft berücksichtigt.

Seinen größten Tag mit Holstein Kiel erlebte Franz „Seppl“ Esser am 22. Juni 1930 mit dem Gewinn der Deutschen Vizemeisterschaft. In dem wohl spannendsten Endspiel um die Deutsche  Meisterschaft aller Zeiten unterlag der Mannschaftskapitän mit seinen Störchen Hertha BSC vor 40.000 Zuschauern im Düsseldorfer Rheinstadion mit 4:5. Auch nach seinem eigentlichen Karriereende 1932 kehrte Esser sporadisch als Aushilfsspieler der Ligamannschaft auf den grünen Rasen zurück.

Nach dem Krieg stand „Seppl“ Esser weiter seinen Mann für die KSV Holstein. Als Spielausschuss-Obmann, Trainer, Betreuer und Mitglied des Ehrenrates gehörte Esser zu den großen Stützen des Vereins. Über Jahrzehnte stand er dem Vorstand der KSV mit Rat und Tat zur Seite. Bis zum seinem Tod am 21. September 1982 lebte Franz „Seppl“ Esser in unmittelbarer Stadionnähe und gehörte bis dahin zum festen Inventar der legendären Stadiongastronomie „Bei Heini“. Zudem war Esser der einzige Träger der Goldenen Ehrennadel mit Brillanten in der Vereinsgeschichte der KSV.

Im 2018 uraufgeführten Holstein Kiel-Kinofilm „Holstein-Herz“ rückte Ehrenmitglied Esser erneut in den Fokus der Öffentlichkeit. Nun erfährt die Holstein-Legende durch die kurze Filmsequenz im Internet erneut einen bundesweiten Bekanntheitsgrad.

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