„Otschi“ ist zurück im Norden

Im letzten Auswärtsspiel beim FC Erzgebirge Aue erzielte Kwasi „Otschi“ Wriedt den 3:2-Siegtreffer. Es war sein erstes Tor im KSV-Trikot

Kwasi Okyere Wriedt, den alle nur „Otschi“ nennen, kam im Winter aus der ersten niederländischen Liga von Willem II Tilburg ins Storchennest. Am vergangenen Spieltag erzielte der Stürmer beim 3:2-Sieg beim FC Erzgebirge Aue den Siegtreffer. Für den gebürtigen Hamburger war es das erste Tor im KSV-Trikot.

Einen besseren Zeitpunkt für den ersten Treffer für den neuen Klub hätte man sich wohl kaum aussuchen können. In der 69. Minute wurde Kwasi Wriedt für Benedikt Pichler eingewechselt und musste live auf dem Feld miterleben, wie die Störche trotz Überzahl nach der 2:0-Führung noch zwei Gegentreffer zum 2:2-Ausgleich hinnehmen mussten. Doch der Stürmer schnappte sich nach Aues Ausgleichstreffer den Ball und motivierte seine neuen Teamkollegen, dass die Partie trotz dieses Rückschlags noch nicht zu Ende sei. Und siehe da – „Otschi“ sollte Recht behalten. In der 90. Minute stand er goldrichtig, als eine Flanke bei Alexander Mühling landete, der den 1,88 Meter großen Angreifer bediente, welcher die Kugel in seinem dritten Spiel für die KSV aus kurzer Distanz zum 3:2-Endstand über die Linie bugsierte. „Besser hätte ich es mir nicht ausmalen können“, freute sich der Neuzugang, der froh ist, nach mehreren Stationen wieder zurück im Norden zu sein.

Denn nachdem er in der Jugend zunächst beim SC Hamm und bei Concordia Hamburg gespielt hat, ging es als 15-Jähriger in die Nachwuchsabteilung des FC St. Pauli. Nach sechs Jahren beim Kiezklub wechselte Wriedt 2015 mit 21 Jahren zum Regionalligisten Lüneburger SK Hansa, für den er in 35 Pflichtspielen 25 Tore erzielte und acht weitere vorbereitete. In der Folgesaison lief der Angreifer in der 3. Liga für den VfL Osnabrück auf, den er nach Saisonende verließ, um sich dem Ligakonkurrenten FC Bayern München II anzuschließen. Mit dem Bayern-Nachwuchs feierte der Linksfuß in der Spielzeit 2019/20 die Drittliga-Meisterschaft. Nach drei Jahren an der Säbener Straße, in denen Wriedt auch drei Pflichtspiele für die Profis bestritt und zum ghanaischen Nationalspieler wurde (drei Länderspiele), zog es ihn 2020 in die erste holländische Liga zu Willem II Tilburg, von wo er nun im Januar den Weg an die Kieler Förde fand. Im Folgenden spricht der Stürmer anhand der Buchstaben seines Spitz- sowie Nachnamens über Tanzen, Glauben, Heimat, Freunde und Träume.

O wie Optimismus: Ich bin ein Mensch, der immer optimistisch ist und versucht, gute Laune zu verbreiten. Egal, ob innerhalb der Mannschaft oder im Freundeskreis – ich bin eigentlich stets gut drauf. Früher in der Schulzeit war ich durchaus manchmal der Klassenclown, konnte mich aber in den richtigen Momenten auch zusammenreißen und aufpassen, sodass es am Ende auch mit dem Abitur geklappt hat. Aber generell bin ich immer für einen Lacher zu haben.

T wie Tanzen: Ich bin jemand, der gerne tanzt und auch einen ausgefallenen Jubel hat. Der Jubel, bei dem ich die Hand vors Gesicht halte, ist in der Saison 2019/20 entstanden, als ich mit dem FC Bayern München II in der 3. Liga gespielt habe. Ich habe mir vor den Spielen im Hotel immer ein Zimmer mit meinem Mitspieler Derrick Köhn geteilt. Vor einem Auswärtsspiel in Halle haben wir Musik gehört und irgendwie ist währenddessen diese Geste entstanden. Daraufhin haben wir abgemacht, dass wenn einer von uns in diesem Spiel trifft, wir diesen Jubel machen. Tatsächlich habe ich bereits nach wenigen Minuten getroffen und dementsprechend gejubelt. Ich habe das Ganze für ein gutes Omen gehalten und den Jubel daraufhin beibehalten. Auch als ich bei der Nationalmannschaft von Ghana war, wurde immer viel getanzt. Das strahlt einfach Freude und Optimismus aus. Was die Musikrichtung angeht, höre ich meistens HipHop, RnB, Afrobeats und durch meine letzte Station in den Niederlanden auch manchmal holländischen HipHop.

S wie Spitzname: Seit frühester Kindheit nennen mich eigentlich alle Otschi. Das hat sich abgeleitet von meinem zweiten Vornamen Okyere, weil der Name für die Erzieher im Kindergarten schwer auszusprechen war und dann irgendwie Otschi entstanden ist. Ich kann mit diesem Spitznamen gut leben. Nur meine Mutter nennt mich noch Kwasi.

C wie Christentum: Ich bin ein sehr gläubiger Mensch und versuche, so oft es geht in die Kirche zu gehen. Dadurch, dass ich jetzt wieder näher an Hamburg dran wohne, hoffe ich, es ab und zu dort auch einmal wieder sonntags zum Gottesdienst zu schaffen. Meine Familie hat ihre Wurzeln in Ghana, wo die Menschen ebenfalls sehr gläubig sind. Mir gibt der Glauben sehr viel Kraft.

H wie Hamburg: Hamburg ist meine Heimat. Es ist schön, wieder näher an der Heimat zu sein. Ich würde mich durchaus als stolzen Hamburger Jung bezeichnen. Ich mag die Stadt und fühle mich im Norden einfach sehr wohl. Ich bin im Stadtteil Hamm aufgewachsen, der mich zu dem gemacht hat, was ich bin. Ich habe früh gelernt, alles zu geben und mich voll reinzuhängen. Das hat mich geprägt. Meine Familie und Freunde wohnen übrigens immer noch in Hamburg.

I wie Idol: Ronaldinho war in meiner Kindheit mein großes Idol. Ich habe zu ihm aufgesehen und seine Spielweise beeindruckt mich bis heute. Früher habe ich immer YouTube-Videos geschaut und anschließend versucht, seine Tricks auf dem Bolzplatz nachzumachen. Ich kenne niemanden, der Ronaldinho nicht sympathisch findet. Er hat immer Spaß am Spiel gehabt. Dasselbe versuche ich auch. Natürlich wäre es ein Traum, ihn eines Tages einmal zu treffen und persönlich kennenlernen zu können.

W wie Wurzeln: Meine Familie hat wie bereits erwähnt ihre Wurzeln in Ghana und einige Verwandte leben auch dort. Meine Mutter fliegt regelmäßig nach Ghana, um sie zu besuchen. Ich finde es sehr schön, dort Wurzeln zu haben, weil es ein stolzes Land mit einer schönen Kultur ist, in der die Menschen viel Freude und Spaß am Leben haben. Das spiegelt sich auch in meinem Freundeskreis wider, weil ich viele Freunde mit ghanaischem Hintergrund habe. Das letzte Mal war ich in Ghana, als ich für die ghanaische Nationalmannschaft nominiert wurde. Aber mein Plan ist es, in der nächsten Sommer- oder Winterpause wieder dorthin zu reisen.

R wie Rechtsaußen: Im Nachwuchsbereich habe ich fast die gesamte Zeit als Rechtsaußen gespielt, was nicht so typisch für meine Größe und Spielart ist, weil ich aus meiner Sicht eher ins Zentrum passe, zumal ich mich dort wohler fühle. Seitdem ich 2015 nach Lüneburg gewechselt bin, habe ich dann auch durchgehend als Stürmer gespielt.

I wie Ibiza: Auf Ibiza habe ich meinen letzten Urlaub verbracht, übrigens gemeinsam mit Ahmet Arslan. Es war eine coole Zeit und es tat einfach sehr gut, endlich einmal wieder rauszukommen, auch wenn man Corona-bedingt nicht alles machen konnte. Für mich war es wichtig, neue Energie zu tanken, weil wir vorher mit meinem alten Verein Willem II Tilburg erst am letzten Spieltag den Klassenerhalt perfekt gemacht haben. Vorher war es eine mental sehr anstrengende Zeit, sodass der Urlaub genau richtig kam.

E wie Eredivisie: Bevor ich nach Kiel gewechselt bin, habe ich knapp eineinhalb in der ersten holländischen Liga, der Eredivisie, gespielt. Es war meine erste Auslandsstation und eine gute Erfahrung – auch für mich als Person, um noch mehr zu reifen und eine neue Kultur kennenzulernen. Ich habe dort auch die holländische Sprache gelernt. Der Fußball dort unterscheidet sich durchaus vom deutschen, weil in den Niederlanden mehr Wert auf die Offensive gelegt wird. Es geht oft rauf und runter. Auch das Land an sich hat mir sehr gut gefallen, weil die Menschen eine gewisse Lockerheit an den Tag legen.

D wie Derrick Köhn: Er ist einer meiner wichtigsten Weggefährten in meiner bisherigen Karriere. Wir haben knapp fünf Jahre zusammen gespielt, haben denselben Background und kennen uns schon sehr lange. Wir verstehen uns sehr gut auf und neben dem Platz. Wir kennen uns in- und auswendig. Er ist einer meiner besten Freunde auch außerhalb des Fußballs. Wir haben viel voneinander gelernt. Natürlich ist es traurig, jetzt nicht mehr in einer Mannschaft zu spielen, wobei ich mich hier in Kiel sehr wohlfühle. Wir telefonieren fast täglich und er sagt mir regelmäßig, dass er mich vermisst.

T wie Traum: Es ist ein Traum von mir, eines Tages noch einmal in einer der Top-5-Ligen Europas zu spielen und sich auf diesem Niveau beweisen zu können. Ein weiterer großer Traum ist es, mit der ghanaischen Nationalmannschaft an einem großen Turnier teilzunehmen – sei es der Afrika-Cup oder die Weltmeisterschaft. Dafür gebe ich im Training jeden Tag Gas, um diese Träume eines Tages verwirklichen zu können.

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