Steven Skrzybski: Viel Erfahrung für die Störche

Steven Skrzybski wechselte vom FC Schalke 04 an die Förde

Steven Skrzybski kennt sich sowohl in der Champions League als auch in der 1. Bundesliga aus. Nun will der gebürtige Berliner mit der KSV Holstein in der 2. Bundesliga für Furore sorgen. Der 28-jährige Neuzugang stellt sich anhand der Buchstaben seines Namens einmal etwas genauer vor.

S wie Störche: Es ging alles relativ schnell vom ersten Gespräch mit Ole Werner bis zur Unterschrift. Da lagen nur drei oder vier Tage dazwischen. Ein wesentlicher Punkt war dabei sicherlich meine gute Verbindung zu Patrick Kohlmann, den ich aus Union-Zeiten schon lange kenne und schätze. Wir haben dort vier Jahre lang zusammen gespielt. Der sportliche Weg, den Kiel in den letzten Jahren gegangen ist, hat mir imponiert. Damit meine ich nicht nur die beiden Teilnahmen an der Relegation, sondern vor allem auch die Art und Weise, wie hier Fußball gespielt wird. Das hat für Aufsehen gesorgt, darüber haben wir auch in der 1. Bundesliga gesprochen.

T wie Tore: Ich glaube für einen Offensivspieler gehören Tore einfach dazu, es gibt für mich nichts Schöneres im Fußball. Zu sehen, welche Emotionen ein Treffer bei den Fans auslösen kann, das ist einfach grandios und das kann ich manchmal kaum in Worte fassen. Was direkt nach einem Torerfolg abläuft, das ist schon fast ein kleiner Film. Bis man realisiert hat, was passiert ist, dauert es einige Momente. Da sind die Fans schon längst am ausrasten. Das setzt enorm viel Energie frei. Mein schönstes Tor war tatsächlich mit Union Berlin Anfang der Saison 2017/18 gegen Holstein Kiel mein Dropkick-Treff er aus der Drehung zum 4:3-Sieg. Oder auch mein Treffer im DFB-Pokal mit Union gegen Borussia Dortmund. Aber auch mein Doppelpack gegen Nürnberg bei meinem Bundesliga- Debüt auf Schalke am 24. November 2018 bleibt unvergesslich. Die Sprechchöre danach mit meinem Namen – das war einfach Gänsehaut pur.

E wie Europa: Meine Einsätze in der Champions League gegen Galatasaray Istanbul, FC Porto und Manchester City waren echte Highlights für mich. Auch wenn ich natürlich auf das 0:7 im Rückspiel bei Manchester City gern verzichtet hätte. Das Gefühl zu haben, in der Champions League aufzulaufen und die Hymne zu hören – einfach toll. Der schwierigste Gegenspieler war rückblickend für mich der brasilianische Nationalspieler Éder Militão vom FC Porto. In der gleichen Saison hat er mit Brasilien auch noch die Copa America gewonnen. Und dann im Achtelfinale gegen Manchester City standen eigentlich nur noch Weltstars auf der anderen Seite. Die Art und Weise wie ein Pep Guardiola mit seiner Mannschaft umgeht, das war beeindruckend und inspirierend. Vor allem auch im Hinspiel, als es ja bei unserer 2:3-Niederlage auf Schalke bis zum Ende sehr, sehr eng war.

V wie Vereine: Ich war schon von frühester Kindheit an Schalke-Fan, das war der Grund für mich, mit dem Fußball anzufangen. Ich war glühender Verehrer von Ebbe Sand und Olaf Thon, denen wollte ich nacheifern, das waren meine Idole. Daher war es für mich auch immer ein Lebenstraum, einmal für Schalke spielen zu dürfen. Die Verbindung zu Union Berlin kam relativ frühzeitig zustande, dort bin ich schon im Alter von acht Jahren hin gewechselt. Sowohl Union als auch Schalke habe ich als unglaublich coole Clubs empfunden. Und ich freue mich sehr, dass ich mit Kiel für einen weiteren herausragenden Verein spielen darf.

E wie Eltern und Ehe: Meine Eltern waren und sind sehr wichtig für mich, auch wenn ich ihre Rolle erst viel später so richtig zu schätzen wusste, als ich selber Vater geworden bin. Ich bin sehr dankbar, wie alles gelaufen ist für mich. Auch meine Eltern haben auf vieles verzichtet, um mich zu fördern. Und heute in meiner Ehe habe ich eine Frau, die mir brutal den Rücken freihält. Ich muss mich eigentlich nur auf den Fußball konzentrieren und sie steht 100 % hinter mir. Wenn man sich darauf verlassen kann, dann hat man als Fußballer enorme Vorteile. Und ich glaube schon, dass Fußballer-Frauen es nicht immer einfach haben. Häufige Ortswechsel, zeitlich meist die Hauptverantwortung für die Kindererziehung und das Zurückstellen eigener privater und beruflicher Wünsche – das alles ist absolut nicht selbstverständlich. Aber meine Frau wollte mich unbedingt überall hin begleiten, vor allem beim Wechsel von Berlin zu Schalke 04 war das eine enorm wichtige Entscheidung für uns, weil es für uns beide bedeutete, aus unserer Heimat wegzuziehen.

N wie Nachspiel: Wenn das Spiel abends ist, dann fällt es mir danach immer extrem schwer, abzuschalten. Das Adrenalin zeigt da immer noch lange seine Wirkung. Wenn meine Frau dann schon im Bett ist, setze ich mich gern noch vor die Playstation zum Abschalten. Wenn das Spiel am Nachmittag ist, dann fällt mir das Abschalten deutlich leichter, denn unsere beiden kleinen Kinder sind dann noch wach und das reicht zur Ablenkung vom Fußball völlig aus. Die beiden bringen mich schnell auf andere Gedanken. Bei uns Fußballern hängt stimmungsmäßig natürlich vieles vom Ergebnis ab. Nach Siegen geht alles lockerer von der Hand. Niederlagen nagen hingegen schon sehr an mir. Ich muss immer noch lernen, dass die Welt nach Niederlagen nicht untergeht. Meinen Kindern ist das sowieso egal. Manchmal ist das schon ein emotionaler Spagat.

S wie Schalke: Ich habe als Fünfjähriger mit dem Traum, einmal für Schalke spielen zu können, mit dem Fußball begonnen. Je älter ich wurde, desto besser konnte ich die Sachlage einschätzen. Damals war es natürlich meilenweit entfernt. Als dann die Anfrage aus Gelsenkirchen kam, da war mir klar, dass ich für kaum einen anderen Club außer für Schalke meine Heimat und Union verlassen würde. Für mich war die Entscheidung daher nicht schwer. Vor allem hat mir der Wechsel Selbständigkeit gelehrt, nicht mehr alles auf die Goldwaage zu legen und mal rauszukommen aus der heimischen Komfortzone. Und nicht zuletzt auch der Wunsch, mit meiner Partnerin eine eigene Familie zu gründen.

K wie Kaulsdorf: Ich habe bei der SG Stern Kaulsdorf mit dem Fußball angefangen. Das ist ein kleiner Ost-Berliner Ortsteil im Bezirk Marzahn-Hellersdorf, etwa 20 Autominuten vom Alexanderplatz entfernt. Meine Eltern und viele alte Bekannte leben noch immer dort. Die Verbindung ist dadurch nie abgerissen. Ab und zu schaue ich auch noch dort am Sportplatz mit Kumpels vorbei, obwohl das natürlich seit meinem Wechsel nach Schalke weniger geworden ist. Es ist dort aber auch einfach zu schön, als dass die Verbindung komplett abreißen würde. Das Kleine und Familiäre ist sehr schön, einige meiner Jungs kicken immer noch dort. Zuletzt hat der Verein sogar zwei neue Plätze bekommen.

R wie Reisen: Als wir noch keine Kinder hatten, sind wir sehr gerne auf die Malediven geflogen. Dort haben wir auch unsere Hochzeitsreise verbracht. Dubai haben wir auch als sehr schön für uns empfunden. Mit Kindern sind diese Ziele etwas komplizierter zu bereisen, inzwischen geht es eher in Richtung Spanien oder Griechenland. Im Urlaub ist es mir wichtig, dass ich eine Privatperson sein kann. Klar bin ich off en für Fotos mit Fans, aber es ist abseits der laufenden Saison eben auch mal schön, wenn man nicht erkannt wird.

Z wie Zuhause: Heimat, Rückzugsgebiet, Ruheoase – das steht für mich für den Begriff Zuhause. Aus dem Fußball-Business ausbrechen zu können, ist mitunter auch sehr wichtig. Für mich ist es nach Spielen und Trainingseinheiten sehr wichtig, abzuschalten und den Kopf wieder frei zu bekommen. Es wird ja auch noch ein Leben nach dem Fußball geben und meine Familie wird mich definitiv noch länger begleiten als der Ball. Ich kann mir sehr gut vorstellen, nach meiner Karriere nach Berlin zurückzukehren. Unsere Eltern kommen von dort und wir sind eben noch recht verwurzelt in der Stadt.

Y wie Yacht: Statussymbole besitzen bei mir sicher keiner Priorität. Ich bin eher auf Sicherheit bedacht und wünsche mir für später ein Haus für meine Familie. Ich möchte gern nach meiner Laufbahn als Fußballer in aller Ruhe entscheiden können, wie es für mich weitergeht. Klar steht es außer Frage, dass man sich als Fußballer auch mal etwas gönnt. Aber über die Stränge schlage ich sicherlich nicht. In bunten, teuren Klamotten oder mit einem Goldsteak auf dem Teller gibt es mich sicherlich nicht. Ich habe da aufgrund meiner ostdeutschen Herkunft sicherlich eine gewisse Erdung mitbekommen.

B wie Berühmtheit: Ich muss sagen, dass ich tatsächlich nicht an jeder Straßenecke erkannt werde. Aber selbst wenn es so wäre, fände ich es nicht so schlimm. Ich habe mit dem Kicken begonnen, weil  ich es mit meinem Hobby sportlich nach ganz oben schaffen wollte und schon immer viel Spaß daran hatte. Es gibt aber sicherlich im Fußballerleben auch Phasen, in denen man lieber seine Ruhe haben möchte, weil man genug mit sich selber zu tun hat. In der heutigen Zeit ist es sehr einfach, über die sozialen Medien entdeckt zu werden, das kann sehr schnell mal ausarten wie man während der EM beim spanischen Stürmer Alvaro Morata gesehen hat, der von Fans bedroht und beschimpft wurde. Ich muss sagen, dass ich froh bin, ein relativ entspanntes Leben zu haben.

S wie Stadt: Ich bin zwar noch nicht lange in Kiel, aber ich kann schon verstehen, warum in dieser Gegend an der Ostsee so viele Menschen Urlaub machen. Wenn man länge hier lebt ist es vielleicht normal, wenn man täglich das Meer sieht. Aber ich bin ein Mensch, der nichts für selbstverständlich nimmt. Und ich glaube, dass sich meine Familie hier wohl fühlen wird. Und in Kiel kann man sicherlich auch seinen Spaß haben kann und tolle Restaurants und Cafés finden. Da ich nie ein großer Partygänger war, ist das Nachtleben tatsächlich nicht so wichtig für mich.

K wie Kumpels: Als Fußballer hatte ich in jedem Verein immer so ein oder zwei Spieler, mit denen man auch später noch engeren Kontakt hält. Für mich ist es aber auch sehr wichtig, andere Menschen außerhalb des Fußballs zu haben, mit denen andere Themen im Mittelpunkt stehen. Diese Kontakte pflege ich sehr und diesen Kreis möchte ich nicht missen. In gewisser Weise leben meine Freunde von früher ein normaleres Leben als ich. Und ich schätze das sehr, wie sie ihren Weg gegangen sind – privat und beruflich. Solche Menschen können echte Anker im Leben sein. Und das wird gewiss eine Herausforderung für mich werden, wenn es mit dem Fußball irgendwann einmal vorbei sein wird. Aber den Sprung werde ich zusammen mit meiner Frau sicherlich auch meistern.

I wie Interessen: Abgesehen vom Fußball mag ich mich sehr gern mit Freunden treffen, um in Cafés oder beim Essen zusammen zu sitzen. Durch die Kinder hat sich das in den letzten Jahren allerdings etwas verlagert und die Freizeit ist begrenzter geworden. Die Familie steht jetzt im Mittelpunkt. Trotzdem gibt es noch ausreichend Zeit für eigene Dinge.

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