„Für alle eine Bereicherung“: Inklusionstraining der Holstein Women

Die Holstein Women absolvierten ein Inklusionstraining mit der schleswig-holsteinischen Landesauswahl der Werkstätten für Menschen mit geistigen und psychischen Beeinträchtigungen

Deutlich voller als gewohnt war der Trainingsplatz der Holstein Women an der Eckernförder Straße am vergangenen Donnerstag. Denn neben der Mannschaft von Trainer Bernd Begunk standen noch 15 weitere Spielerinnen auf dem Feld. Sie gehören zur schleswig-holsteinischen Landesauswahl der Werkstätten für Menschen mit geistigen und psychischen Beeinträchtigungen, die von den in der Frauen-Regionalliga Nord spielenden Holstein Women zu einem Inklusionstraining eingeladen wurde.

„Jetzt einmal zum Hütchen laufen, dort den Staffelstab nehmen und ihn bei der Rückkehr an die nächste hinter euch übergeben – jede so schnell sie kann“, erklärt Begunk lautstark die Übung, die die Holstein Women an diesem Tag zu Beginn des Inklusionstrainings gemeinsam mit den Spielerinnen der Landesauswahl absolvieren. Auch wenn es nur eine Aufwärmübung zu sein scheint, so steht sie doch sinnbildlich für diese besondere Trainingseinheit, die erstmals in diesem Rahmen stattfindet. Schließlich geht es darum, in Kontakt zu treten, gemeinsam Sport zu betreiben, ein Miteinander zu schaffen und als Team an einem Strang zu ziehen – völlig unabhängig von den Stärken und Schwächen einer jeden Einzelnen. „Als wir die Fußballmannschaften in den Werkstätten ins Leben gerufen haben, ging es nicht um den Leistungsgedanken, der so oft im Fußball herrscht,  sondern darum, den Menschen aus unseren Einrichtungen den Spaß am Sport und der Bewegung zu vermitteln“, berichtet Frank Schwenck, der beim Lebenshilfewerk Neumünster als Arbeitsgruppenleiter tätig ist, dort auch die Frauenfußballmannschaft trainiert und gemeinsam mit Erwin Scherpf von der Stiftung Drachensee Kiel und Sönke Wollentin von der Vorwerker Diakonie Lübeck im Jahr 2018 die schleswig-holsteinische Landesauswahl der Werkstätten für Menschen mit geistigen und psychischen Beeinträchtigungen ins Leben rief.

Seitdem nahm die Auswahl zwei Mal an der deutschen Fußball-Meisterschaft der Werkstätten für behinderte Menschen teil. Zwar wurde man zwischenzeitlich durch die Corona-Pandemie ausgebremst, in diesem Jahr steht jedoch die Teilnahme an den Special Olympics in Berlin auf dem Programm, auf die nun eifrig hintrainiert wird – unter anderem eben auch bei dem Inklusionstraining mit den Holstein Women. Der Kontakt kam zustande, als mit Jennifer Adam eine Spielerin der Werkstätten-Auswahl im Oktober 2021 beim Frauen- und Mädchenfußballkongress des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV) Holstein-Trainer Begunk kennenlernte. Zusammen mit Auswahl-Coach Schwenck entstand die Idee, ein gemeinsames Training zu initiieren, was nun in die Tat umgesetzt wurde. „Für unsere Mädels ist das ein echtes Highlight. Die Vorfreude war vor dem heutigen Training bereits riesig“, berichtet Erwin Scherpf, der viele Jahre in der Stiftung Drachensee als Sportlehrer tätig war und sich nun als Pensionär weiterhin ehrenamtlich dort sowie in der Landesauswahl als Trainer engagiert.

Darüber, dass es keineswegs eine leere Phrase ist, dass der Fußball Brücken schlägt, sind sich alle Beteiligten im Anschluss an die Trainingseinheit einig. „Als ich meinen Mädels erstmals von der Idee berichtet habe, habe ich durchweg positive Rückmeldungen erhalten und offene Türen eingerannt“, erinnert sich Begunk, der die Aktion als „wirklich optimal für das Gemeinschaftsgefühl“ bezeichnet. „Weil der Fußball einfach verbindet“, ergänzt der Holstein-Coach und erntet daraufhin kollektive Zustimmung seiner Trainerkollegen. „So etwas wie die heutige Trainingseinheit trägt natürlich enorm dazu bei, mögliche Vorbehalte abzubauen und voneinander zu lernen“, bilanziert auch Sönke Wollentin. Und was sagen die Spielerinnen? „Es hat wirklich großen Spaß gemacht. Innerhalb unserer Auswahl bewegt sich jede Spielerin auf einem unterschiedlichen Niveau, aber wichtig ist, dass alle heute mit viel Freude mitgemacht haben und eine gute Zeit hatten“, findet Auswahl-Spielerin Jennifer Adam, die darüber hinaus auch in der Frauenmannschaft des SV Bönebüttel-Husberg aktiv ist. Auch Holstein-Spielerin Madita Thien ist angetan von der gemeinsamen Einheit: „Es war sehr offen. Wir waren schnell eine Einheit“, so Thien, die auch direkt vorausblickt: „Ich kann mir durchaus vorstellen, das Ganze regelmäßig zu wiederholen. Das wäre für alle eine Bereicherung.“

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