Women-Sportchef Bernd Begunk: „Es tut sich was“

Bernd Begunk (li.) freut sich über die Zusammenarbeit mit Lucas Hein, der die Women seit dem 1. November im Marketingbereich unterstützt.

Wer an die Holstein Women denkt, der landet schnell bei Bernd Begunk. Von 2005 bis 2009 baute er das U17-Team der Fußballfrauen auf, seit der Saison 2016/17 ist er der Verantwortliche im sportlichen Bereich für alle drei Teams und Trainer der 1. Mannschaft, die in der Regionalliga Nord erfolgreich mitmischt und zuletzt das Nord-Derby gegen den Hamburger SV mit 3:1 gewann. Mehr als 150 Zuschauer waren am Reformationstag auf die Waldwiese gekommen, der Spielstätte der Women an der Hamburger Chaussee. Bernd Begunk im Interview über Gegenwart und Zukunft der Women.

Bernd, gegen den HSV eine dreistellige Zuschauerzahl, im Pokalspiel gegen den 1. FC Köln waren auch einige hundert Fans da. Wächst das Interesse an den Holstein Women?
Die Partie gegen den 1. FC Köln in der zweiten Runde des DFB-Pokals hat für viel Rückenwind gesorgt. Wir haben bei der knappen 1:3-Niederlage gegen den Bundesligisten lange sehr gut mitgehalten, das haben die Zuschauer ganz offensichtlich nicht vergessen. Und die erste Halbzeit gegen den Hamburger SV war auch richtig gut. Es tut sich was. Auf und neben dem Platz. Gegen den HSV gab es eine regelrechte Fankurve, das hatten wir noch nie.

Auch für Sponsoren scheinen die Women zunehmend interessant zu werden, oder?
Ja, wir haben langjährige Partner wie Cellagon oder das Autohaus Lass, das uns schon im Jahr 2005 gesponsert hat, als ich zum ersten Mal in dieser Abteilung gearbeitet habe. Die MVK, die Stadtwerke, die KiWi und der Seehafen Kiel sind bei uns an Bord gegangen. Inzwischen werden wir auch von Puma ausgestattet, unsere Ligamannschaft trägt das gleiche Dress wie das Zweitliga-Team der Herren. Die Firma Graf, die als Trikotsponsor eingestiegen ist, hat uns noch einmal kräftigen Rückenwind gegeben. Es macht uns sehr stolz, dass wir nun einen eigenen Hauptsponsor besitzen, der in der Person seines Geschäftsführers Martin Graf diese Partnerschaft auf beeindruckende Art und Weise lebt. Der Verein hat sich zu seiner Verantwortung für die Women bekannt und unter anderem seine Marketingabteilung um Lucas Hein erweitert. Er soll uns dabei helfen, uns in diesem Bereich weiter zu professionalisieren. Wir sind auf einem guten Weg.  

Als Du zur KSV zurückkehrt bist, standen die Holstein Women vor einem Scherbenhaufen…
…das stimmt. Ich bin in der Spielzeit 2015/16 als Co-Trainer bei der 1. Mannschaft eingestiegen, am Ende der Saison stiegen alle drei Teams ab. Die Erste in die Regionalliga, die U23 in die Landesliga, in der sie nach einer zwischenzeitlichen Rückkehr in die Oberliga auch derzeit wieder spielt und die U17 aus der Bundesliga. Es standen allen Mannschaft schlicht zu wenig Spielerinnen zur Verfügung, das führte zu Doppelbelastungen, weil sie zwischen den Teams rotieren mussten. Am Ende war es für alle zu viel.

Welche Spielklassen wären denn für die Women wünschenswert?
Mit unserer U17 muss das Ziel sein, wieder in die Bundesliga zurückzukehren. Mit Marcello Semanello haben wir einen Trainer, der in diesem Bereich schon viel bewegt hat. Wir haben unter anderem wieder damit begonnen, gegen männliche Jugendteams zu spielen, um unseren Spielerinnen eine bessere Wettkampfpraxis anbieten zu können. Das Niveau in der Oberliga ist leider nicht hoch genug, um die Mannschaft für die Relegationsspiele um den Aufstieg in die Bundesliga am Saisonende richtig vorzubereiten. Unsere U23 sollte perspektivisch in die Oberliga zurückkehren, damit wir Spielerinnen, die bei uns noch nicht zum Zug kommen, hier einsetzen können.

Gegen den Walddörfer SV hast Du schon zwei U17-Spielerinnen eingesetzt…
…das ist der Plan. Wir wollen sie frühzeitig an dieses Niveau heranführen, deshalb trainieren sie auch schon bei der Ligamannschaft und der U23, die bei Dorit Evers in sehr guten Händen ist, mit. Eine gute U17 ist die Grundlage für eine starke Ligamannschaft. Ich traue ihr einen Aufstieg in die Bundesliga zu. Sollte uns das gelingen, erwartet uns in dieser Spielklasse aber auch eine große wirtschaftliche Herausforderung. Wir verstehen uns als Ausbildungsverein, mit Sandra Krohn hat beispielsweise eine Spielerin aus der Kreisliga den Sprung in unsere 1. Mannschaft geschafft, Lisann Evert aus der U23 hat in der Regionalliga in dieser Spielzeit bereits neun Tore geschossen.  

Hälst Du es für denkbar, dass auch die 1. Mannschaft eines Tages in die 2. Liga zurückkehren kann?
Ausgeschlossen ist das nicht. Das Team hat in dieser Saison, nicht zuletzt beim Erfolg gegen den Hamburger SV, gezeigt, dass sie jeden Gegner schlagen kann. Aber um einen solchen Aufstieg zu realisieren, müssen alle vom ersten bis zum letzten Spieltag hundertprozentig mitziehen. An der Bereitschaft fehlt es dabei nicht, wir haben beispielsweise Spielerinnen aus Flensburg und Brunsbüttel, die viermal in der Woche zum Training anreisen. Aber wir müssten wirtschaftlich in die Lage kommen, beispielsweise Sieg- oder Punktprämien zu bezahlen, so dass Studentinnen auf den Nebenjob am Wochenende verzichten können. Das Niveau in den oberen Klassen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich angenähert, früher trennten Regional- und Bundesligisten noch Welten, die Zeiten sind inzwischen vorn. Das zeigen auch die jüngsten Ergebnisse im DFB-Pokal. Allerdings ist auch ein Startplatz in der Regionalliga keine Selbstverständlichkeit für die KSV, die Konkurrenz schläft nicht. 

Ihr habt eine Kooperation mit dem TuS Felde geschlossen. Welche Beweggründe gab es dafür?
Beide Vereine helfen sich so gegenseitig. Der TuS hat mehr als 80 Spielerinnen im Nachwuchsbereich und möchte eine Frauenmannschaft aufbauen, die er im Moment noch nicht hat. Und wir haben vor einiger Zeit unsere U15 aufgelöst, um uns ganz auf die drei Mannschaften zu konzentrieren, die das Lizenzverfahren vorschreibt. Wir bieten Leistungssport, der TuS Breitensport – in der Kombination können wir den Talenten so ein richtig gutes Angebot machen. 

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