Bayer 04 Leverkusen – Holstein Kiel 0:1 (0:1)

Kieler „Störche“ weiter auf Kurs –

Neubarth-Elf landet zweiten Auswärtssieg

Holstein Kiel ist in der Fußball Regionalliga Nord weiter auf Kurs. Auch im zweiten Auswärtsspiel der Saison sicherten sich die Störche drei wichtige Zähler und blieben dabei erneut ohne Gegentreffer. Matchwinner war wieder einmal Torhüter Simon Henzler, der im ersten Durchgang mit einer fulminanten Leistung binnen zwei Minuten die Foulelfmeter von Timo Röttger (12.) und Marcel Reichwein (13.) entschärfen konnte. Den Siegtreffer erzielte Holstein-Routinier Michael Molata nach Vorarbeit von Kapitän Andre Breitenreiter in der 33. Minute.

Die KSV musste im Ulrich-Haberland-Stadion erneut auf Sven Boy, Thorsten Rohwer und Henning Grieneisen verzichten. Der US-Amerikaner Ryan Coiner saß nach überstandenen Rückenproblemen wieder auf der Bank. Die Gastgeber begannen druckvoll und ließen die Kieler kaum zur Entfaltung kommen. Immer wieder sorgten die Leverkusener über die Flügel für Gefahr und brachten die Kieler Deckung in Verlegenheit. Bereits in der 7. Minute eine prächtige Möglichkeit für die Elf von Ex-Nationalspieler Ulf Kirsten. Reichwein hatte sich gegen Frank Paulus und Michael Molata durchgesetzt und setzte das Leder aus 12 Metern nur knapp am rechten Torpfosten vorbei. Und weiter ging es Richtung Kieler Tor. In einer etwas unbeholfen wirkenden Aktion rempelte KSV-Stürmer Dobry den Leverkusener De Wit im Strafraum um und Schiedsrichter Mark Borsch deutete unmissverständlich auf den Elfmeterpunkt (12.). Doch gegen den Kieler Keeper Simon Henzler, in den letzten beiden Wochen vom Kicker Sportmagazin jeweils zum Torhüter des Tages gewählt, war kein Kraut gewachsen. Henzler tauchte ins linke untere Eck ab und konnte den Ball von Timo Röttger sogar festhalten. Die Freude und Erleichterung bei den Holstein-Verantwortlichen sollte jedoch nicht lange währen. Nur eine Minute später war es der zuvor unglückliche Schütze Röttger, der im Duell mit dem Russen Alexej Spasskov im Kieler Strafraum zu Fall kam. Unmissverständlich deutete Borsch abermals auf den ominösen Punkt. Diesmal zu Unrecht, hatte sich Röttger doch ohne Behinderung fallengelassen. Und wieder zeigte KSV-Keeper Henzler seine große Klasse. Mit einer Glanzparade lenkte der Kieler Schlussmann das Leder über die Querlatte. Von diesem Schock sollten sich die Schwarz-Roten nicht mehr erholen. Für Holstein jedoch war es endgültig der dringend notwendige Weckruf. Nun standen die Störche endlich kompakt in der Defensive, setzten spielerische Akzente und sorgten für mächtig Wirbel in des Gegners Strafraum. Die oftmals überforderten Bayer-Youngster standen nun immer wieder erheblich unter Druck. Molata per Kopfball (20.) und Sandmann mit einem Flachschuss (22.) eröffneten die Offensive der KSV. In der 33. Minute war es dann endlich soweit. Per Direktabnahme verwertete Molata eine feine Breitenreiter Hereingabe aus 10 Metern zur Kieler Führung. Auch vom nun einsetzenden Sturzregen ließ sich die Neubarth-Elf nicht mehr beirren. Mit dem Halbzeitpfiff hätte der formverbesserte, wenn auch glücklose Pavel Dobry die Führung noch ausbauen können, doch am Boden liegend scheiterte er mit seinem Flachschuss aus 10 Metern am 04-Keeper Renè Adler.

Holstein drückte im zweiten Durchgang weiter, spielte souverän auf und wollte unbedingt die frühzeitige Entscheidung. Doch die Chancenverwertung der Störche war wieder einmal indiskutabel. Würll köpfte völlig freistehend aus 3 Metern am Bayer-Gehäuse vorbei (51.), Spasskov scheiterte nach einem Solo an Torhüter Adler (56.), Dobry zu eigensinnig und mit schwachem Abschluss aus spitzem Winkel (60.) sowie Lindemann mit einem missglückten Zuspiel in der 73. Minute – Holstein musste bis zum Abpfiff auf die Erlösung warten. Dennoch, die Leistungskurve der KSV zeigte vor allem im zweiten Durchgang deutlich nach oben. Auch die zuletzt kritisierten Neuzugänge Michael Niedrig und vor allem auch Frank Paulus brachten das Leder mit ihrer Ruhe und Abgeklärtheit in brenzligen Situationen immer wieder geschickt unter Kontrolle.

Doch der gefeierte Mann war ohne Zweifel KSV-Schlussmann und „Elfmeter-Killer“ Simon Henzler, der am Ende überglücklich konstatierte: „So etwas habe ich wirklich noch nie erlebt, aber ein Sonderlob für meine Mannschaft, die im zweiten Durchgang nicht eine Torchance zugelassen hat.“

Nach den zuletzt schwächeren Vorstellungen gegen Oberhausen und Wuppertal war die Darbietung der Störche der erhoffte Fortschritt. Der Kontakt zur Spitzengruppe der Regionalliga ist hergestellt und soll im nächsten Heimpiel gegen Hertha BSC Berlin (Sa. 14.00 Uhr) weiter intensiviert werden.

Bayer Leverkusen II – Holstein Kiel 0:1 (0:1)

Bayer Leverkusen II: R. Adler – C. Cozza, Schultens, Hübener, Hergesell – Fritz, Bendowski (65. Heber), Lazarevic (58. Lartey), De Wit – Reichwein (65. Döpper), Röttger -Trainer: Kirsten

Holstein Kiel: Henzler – Paulus, Sandmann, Molata, Spasskov – Lindemann (89. Piorunek), Breitenreiter, Niedrig, Heithölter – Dobry, Würll (87. Coiner) – Trainer: Neubarth

Tore: 0:1 Molata (33.)

Schiedsrichter: Borsch

Zuschauer: 600

STIMMEN ZUM SPIEL:

Ulf Kirsten (Trainer Bayer Leverkusen): Das ist natürlich heute für uns sehr ärgerlich gelaufen. Wir hatten einen sehr guten Start, haben Holstein kaum ins Spiel kommen lassen und machen uns dann durch die vergebenen Elfmeter alles wieder kaputt. So etwas habe ich selbst noch nicht erlebt. Ich kann meinen jungen Spielern dennoch keinen Vorwurf machen, die sind alle erst 19 oder 20 Jahre alt, das passiert. Aber dennoch haben uns die beiden Negativerlebnisse aus dem Rhythmus gebracht. Eigentlich waren wir von der Spielanlage her die bessere Mannschaft.

Frank Neubarth (Trainer Holstein Kiel): Das waren wieder ganz wichtige Punkte für uns heute. Die Erfolge machen es natürlich für uns einfacher unseren Rhythmus zu finden.

Die Anfangsphase haben wir total verschlafen. Simon Henzler hat uns da mit seinen Glanzparaden den Kopf gerettet. Danach lief es bei uns im Defensivverhalten ausgezeichnet. Die taktischen Vorgaben wurden sehr zufrieden stellend umgesetzt.

Michael Molata (Holstein Torschütze): Vor allem unsere Vorstellung in der zweiten Halbzeit war ein guter und wichtiger Schritt nach vorn.

Simon Henzler (Holstein-Torwart): Ich bin überglücklich. So ein Spiel habe ich auch noch nicht erlebt. Zwei Elfmeter zu parieren innerhalb von zwei Minuten, das gibt es doch normal gar nicht. Aber ein riesiges Kompliment an meine Mannschaft. Nach dem zweiten Strafstoß haben die nicht eine einzige Chance des Gegners mehr zugelassen.

Andre Breitenreiter (Holstein-Kapitän): Hätte mir jemand vor der Saison gesagt, dass wir nach drei Spieltagen 7 Punkte auf dem Konto haben würden, dann hätte ich das sofort gekauft. Mit zwei Treffern haben wir die maximale Ausbeute erreicht, das ist klasse. Und heute haben wir endlich auch in der Leistung eine deutliche Steigerung gesehen. So kann es weiter gehen. Gegen Hertha wollen wir nachlegen und uns weiter in der Spitze festbeißen.

Daniel Jurgeleit (Sportlicher Leiter Holstein Kiel): Mann sieht, dass die Konkurrenz nicht schläft, alle haben gepunktet. Da war unser Erfolg beim Aufsteiger in Leverkusen natürlich doppelt wichtig, um oben dran zu bleiben. Wir gehen weiter unseren Weg.

Aus Leverkusen berichtet Patrick Nawe

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