Der Kampf um die Tabellenspitze

Das große Landesderby an der Lübecker Lohmühle

Der Countdown läuft. Nur noch wenige Tage, dann steigt in der Fußball-Regionalliga Nord das mit Spannung erwartete 104. schleswig-holsteinische Landesderby auf der Lübecker Lohmühle. Mit 54 Holstein-Siegen, 18 Unentschieden und 31 Lübecker Erfolgen spricht die Bilanz für die „Störche“. Doch der Tabellenführer will mit aller Macht den Platz an der Sonne verteidigen. Problematisch für die Böger-Elf erscheint dabei jedoch die prekäre Personalsituation. Gleich sieben Lübecker Akteure fallen für das Duell mit der KSV aus.

„Jammern hilft jetzt nicht weiter“, richtete VfB-Coach Stefan Böger nach dem Remis in Jena den Blick Richtung Landesderby. Neben den verletzten Farai Mbidzo, Marco Laaser, Tobias Schweinsteiger, Timo Neumann und Jacob Thomas müssen nach ihrer jeweils 5. gelben Karte auch Spielmacher Christian Möckel und Stürmer Lars Kampf die Segel streichen. Die beiden in Jena verwarnten Leistungsträger werden nur schwer zu ersetzen sein. Immerhin kehrt Routinier Markus Kullig nach seiner abgesessenen Gelbsperre zurück ins Team und könnte dem VfB weiterhelfen. Doch auch Kullig war in den letzten Wochen weit von seiner gewohnten Leistung entfernt. Große Sorgenfalten also für Trainer Stefan Böger. Nichtsdestotrotz, VfB-Kapitän Rouven Schröder lässt sich vor dem Derby nicht beirren und setzt auf die mannschaftliche Geschlossenheit und die eigenen Fans: „Das wird ein ganz anderes Spiel als in Jena. Unsere Zuschauer werden uns nach vorne treiben und wir Spieler gehen in dem Spiel gegen Holstein noch einmal ganz anders zur Sache!“

Erhöhten Einsatz müssen die Grün-Weißen sicherlich an den Tag legen, denn abgesehen von der überzeugenden Defensivleistung im Spitzenspiel gegen Jena fehlte der Böger-Elf eindeutig der Wille nach vorne zu spielen. Das könnte gegen eine unberechenbare Mannschaft wie Holstein Kiel zur Falle werden, vor allem weil die „Störche“ trotz der Enttäuschung gegen Emden mit breiter Brust nach Lübeck reisen werden. Nach dem mehr als unglücklichen späten Gegentreffer gegen den Aufsteiger aus Ostfriesland und der damit verpassten Übernahme der Tabellenführung fährt das Team von Frank Neubarth mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch zur Lohmühle. „Das bekommt der VfB zu spüren, die hauen wir jetzt weg!“, gab Sven Boy, Ex-Lübecker in Diensten der KSV Holstein, nach dem Abpfiff des Emden-Spiels unmissverständlich die Marschroute seiner „Störche“ preis. Und auch für Coach Frank Neubarth ist sicher, dass sein Team sofort wieder aufstehen wird: „Meine Elf wird sich durch den Rückschlag gegen Emden und auch hinsichtlich des Auswärtsspiels in Lübeck keineswegs beeindrucken lassen!“

Für einen Erfolg im Landesderby müssen die Kieler jedoch ihre „Schlagzahl“ deutlich erhöhen, denn sowohl in punkto Durchsetzungsvermögen als auch Kreativität ließ Holstein zuletzt viele Wünsche offen. Immerhin kann Frank Neubarth im Gegensatz zu seinem Kollegen Stefan Böger auf seine Wunschformation hoffen, stehen doch abgesehen von den angeschlagenen Philipp Heithölter und Henning Grieneisen alle Akteure zur Verfügung. Auch der etatmäßige Stammtorhüter Simon Henzler nahm gegen Emden zum ersten Mal seit acht Wochen wieder auf der Bank der Kieler Platz. Darüber hinaus wird sich mit Sicherheit auch die Rückkehr von Abwehrchef Michael Molata auswirken, zuletzt gegen Kickers Emden fehlte der Ex-Berliner aufgrund seiner 5. gelben Karte.

Auf die Leistung beider Mannschaften wird sicherlich auch die große Kulisse Einfluss haben. VfB-Geschäftsführer Jürgen Springer rechnet mit mehr als 15.000 Zuschauern. „Da wird sich jeder mächtig reinhängen“, erwartet auch Holsteins-Allrounder Thorsten Rohwer einen heißen Tanz mit Zweitliga-Atmosphäre an der Lohmühle. Es ist also angerichtet für das „Spiel des Jahres“ im nördlichsten Bundesland. Gelingt es den „Störchen“ die Tabellenspitze zu erobern oder kann der VfB den Landesrivalen auf Distanz halten? Die 90 Minuten von Lübeck werden auf alle Fragen eine passende Antwort geben…

Derby-Info Quelle: Kicker Sportmagazin

Anstoß: Samstag, 19.11.2005 14:00

Stadion: Lohmühle (Lübeck)

Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen), Assistenten: Scheibel (Breitenhagen), Gorniak (Bremen)

Lübeck: Frech – Türkmen, R. Schröder, Hirsch, D. Dogan – Hesse, Rump, Kullig, C. Streit – Neitzel, Bärwolf – Trainer: Böger

Zum Spiel: Kullig kehrt nach Gelbsperre zurück, dafür fehlen Möckel und Kampf. Wie in allen bisherigen Heimspielen dürfte Böger zur Viererkette zurückkehren.

Kiel: H. Preuß – Spasskov, Boy, Molata, Rohwer – Paulus, Niedrig, Breitenreiter, B. Lindemann – Dobry, Würll – Trainer: Neubarth

Zum Spiel: Molata hat seine Gelbsperre verbüßt und dürfte Tutas wieder in der Viererkette ersetzen. Neben Dobry scheint Würll im Sturm erste Wahl.

(pn)

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