Gütersloh – Holstein Woman 1:3 (1:0)

2. Frauen-Bundesliga Nord

Die Holstein Woman haben sich am Freitagabend am eigenen Schopf aus dem Abstiegskeller gezogen. Beim unmittelbaren Konkurrenten FSV Gütersloh gewann das Team von Cheftrainer Guido Gehrke nach verschlafenen ersten 30 Minuten mit 3:1 und schickte den FSV auf den Relegationsplatz zehn.

Vielleicht lag das müde Auftreten am Buslag! Nach drei Staus kamen die Kielerinnen nach knapp sechseinhalb Stunden verspätet im Heidewald-Stadion an. Der Anpfiff erfolgte um 30 Minuten versetzt knapp vor 19 Uhr. Hatte die Begegnung trist angefangen für Holstein, endete das Match furios. Mit einem Treffer der Marke „Tor des Jahres“. „Der war so knapp von der Torauslinie entfernt“, beschrieb Torschützin Rachel Rinast mit ihren zwei Händen die 30 Zentimeter und ihr fünftes Saisontor in der dritten der vier Minuten Nachspielzeit. Von der linken Strafraumecke/Torausline drosch die 19jährige den Ball über Torhüterin Anja Berger hinweg unhaltbar oben in den langen Winkel. Wow! Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit aus dieser Position. Die Gründe für den wichtigen Erfolg sind in der taktischen Umstellung von Trainer Gehrke in der Halbzeit sowie der kämpferischen Moral der Holstein-Frauen zu finden.

Der FSV Gütersloh startete mit viel Elan in diese Begegnung. Mit viel Tempo, geballter Offensivstärke und viel Aggressivität wurde dem Holstein-Anhang angst und bange im ersten Drittel des Spiels. Die Führung für die Ostwestfalen nach einer Viertelstunde war hochverdient. Kristina Gessat marschierte auf der linken Seite ungehindert durch den Strafraum. Ihr Zuspiel verwertete Nina Claassen in Mittelstürmer-Position im Nachstochern gegen drei Holsterinnen zum 1:0. Zum Glück für Holstein Kiel konnte der Tabellenneunte seine Überlegenheit nicht zu einem aufgrund der Chancen möglichen 2:0 ausbauen. „Wir haben über den Kampf ins Spiel zurück gefunden“, sah Holsteins Mittelfeldstrategin Stephanie Güldenzoph nach einer halben Stunde einen positiven Akklimatisierungsprozess bei den Gästen, „am Ende haben wir glücklich, aber nicht unverdient gewonnen. Wir wollten unbedingt gewinnen“. Es war aber auch klar, dass Gütersloh sein höllisches Tempo nicht über die gesamte Distanz aufrecht erhalten kann und konnte. Gefährlich in der Offensive, anfällig in der Defensive lautete das Motto der Heimelf, die viel mit langen und hohen Bällen in Richtung gegnerischem Strafraum agierte. In der 29. Minute schnupperten die Gäste schon am FSV-Tor, als Vogt mit einem Schuss scheiterte. Fünf Minuten später hätte Marina Hermes mit einem Rückpass fast ihre eigene Torhüterin überwunden. Kurz vor dem Seitenwechsel deutete die Gehrke-Truppe ihren Offensivaufschwung an. Rinast scheiterte nach einem Doppelpass mit der laufstarken Marialiiza Kranz jedoch mit ihrem schwächeren rechten Fuss an Keeperin Berger.

Mit Svenja Wölki. die vorher schon eine gute Vorstellung als eine der zwei 6er neben Kranz im Mittelfeld bot, in der Innenverteidigung der Viererkette und Rachel Pashley von der Libera-Position ins Rautenmittelfeld vorgerückt, kam mit Wiederanpfiff mehr Ordnung ins Holstein-Spiel. In der Defensive standen die Störchinnen nun besser. Und im Angriff besann sich Rinast, die sich in der zweiten Halbzeit steigerte, ihrer Tempo-Qualitäten. Von Linksverteidigerin Jeska Danielsen, die wie Martina Pulkis auf der anderen Seite zu den besten Spielerinnen gehörte, bedient, überlief der Linksfuss FSV-Abwehspielerin Gebhard. Ihr Zuspiel parallel zur Torauslinie bugsierte die in den Zwekämpfen offensiv stark überzeugende Jana Leugers aus fünf Metern zum Ausgleich. Erst als Rinast zur Holstein-Führung traf, wachte der FSV Gütersloh wieder auf. Wölki trat einen Freistoß in Höhe des gegnerischen Mittelkreises hoch in den Strafraum des FSV. Sechs Metern vor ihrem Gehäuse liess Torhüterin Berger bedrängt von einer eigenen Mitspielerin und Güldenzoph den Ball fallen. Rinast staubte ab zum 2:1.

In der Folgezeit überstanden die Nordlichter das eine oder andere Mal mit Glück und Geschick brenzlige Situationen. Aber auf der anderen Seite auch bei einigen schön vorgetragenen Angriffen die endgültige Entscheidung. Wie beim Konter über Leugers und Danielsen, die links durchmarschiert war. In der Mitte freigespielt wurde Rinasts Schuss aus elf Metern zum Eckball abgewehrt. Ausgeführt von Leugers von der rechten Seite landete der Ball auf der linken Seite mit dem Resulat des „Tor des Jahres“.

FSV Gütersloh: Berger – Barwinsky (79. S. Bunte), Gebhard, Hermes, Widowski (87. Papendick) – Hackmann, Posdorfer, Gessat (70. Otte)- Claassen, Schmücker, Buller

Holstein Kiel: Bendt – Pashley – Pulkis, Schrum, Danielsen – Vogt, Wölki, Kranz, Rinast, Güldenzoph – Leugers

Schiedsrichter: Herrmann (Mönchengladbach)

Zuschauer: 250

gelbe Karten: keine

Tore: 1:0 Claassen (15.), 1:1 Leugers (57.), 1:2 Rinast (72.), 1:3 Rinast (90.+3.)

Foto: Stephanie Güldenzoph gewinnt das Kopfballduell.

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