Holstein-Konkurrenten straucheln

Regionalliga Nord

Das abgelaufene Wochenende war ganz nach dem Geschmack der Kieler Fußball-Fangemeinde. Bereits am Freitag ließ Verfolger Babelsberg 03 durch das 1:1-Unentschieden gegen den FC Energie Cottbus II wichtige Zähler liegen und am gestrigen Sonntag erwischte der Hallesche FC Titelaspirant 1. FC Magdeburg vor der Rekordkulisse von über 10000 Zuschauern im Kurt-Wabbel-Stadion eiskalt. 1:0 hieß es am Ende im Sachsen-Anhalt Derby und erneut musste die Linz-Elf gegen ein Spitzenteam die Segel streichen. Wie schon in Kiel und gegen Babelsberg, so hatte Magdeburg auch in Halle Pech in der Schlussphase. Quasi in letzter Sekunde landete ein Freistoß der Linz-Elf am Hallenser Innenpfosten. Verwunderlich: aus den sechs Spielen gegen die direkten Konkurrenten im Aufstiegsrennen holte der selbsternannte Saisonfavorit von der Börde nur zwei Zähler. Auf Platz 2 hat sich die kampfstarke Mannschaft aus Halle um Ex-Holstein-Stürmer Thomas Neubert festgebissen.

Aufgrund der Tatsache, dass die Kieler Störche gegen Altona 93 souverän ihrer Pflichtaufgabe erfüllten, herrschte im Holstein-Stadion nach dem Schlusspfiff große Zufriedenheit. Die äußerste sich auch in der Kieler Innenstadt, in der noch lange nach Spielende mehrere mit Holstein-Fahnen geschmückte, hupende Autos gesichtet wurden. Erste Signale für eine neue Fußball-Euphorie in der Landeshauptstadt? Immerhin konnte gegen die abstiegsbedrohten Hamburger die 3000er Besucher-Marke durchbrochen werden. Mehr Fans kamen bis dato in dieser Saison nur zu den Spitzenspielen gegen Magdeburg (8250) und Babelsberg (3358). Halten die sehenswerten Heimvorstellungen der Götz-Elf auch in den kommenden Wochen an, dann dürfte das Zuschauer-Interesse in Kiel weiter wachsen. Und mit den Partien gegen Halle (2. Mai) und Lübeck (7. Juni) stehen bis zum Saisonende noch zwei echte Kassenschlager auf dem Flugplan der KSV.

Hatte Holstein während der Vorrunde zumeist auf des Gegners Platz geglänzt, so sprühen die Störche inzwischen auch vor heimischer Kulisse vor Spielfreude und Angriffslust. Ein gutes Beispiel für die Begeisterung der Kieler Fans war der frenetische Beifall, den Sturmtank Velimir Grgic bei seiner Auswechslung in der 63. Minute erhielt. Zwar war der Kroate zweimal in aussichtsreicher Position knapp am Torerfolg vorbei geschrammt, doch die Art und Weise, wie der wuchtige Angreifer den Offensivfußball interpretiert, genießt schon jetzt beim Kieler Publikum höchste Anerkennung.

Selbige gilt für Publikumsliebling Dmitrijus Guscinas schon länger. Der litauische Ex-Nationalspieler mit „Kultstatus“ in Kiel setzte wie schon gegen Magdeburg den Schlusspunkt und ließ sich nach seinem Treffer zu Recht ausgiebig feiern. „Immer wieder schön, wenn es klappt“, freute sich Guscinas über sein drittes „Jokertor“ in dieser Saison. Bislang bringt es der in der Vorrunde lange Zeit mit Verletzungssorgen kämpfende Guscinas auf drei Saisontreffer. Sowohl im Auswärtsspiel gegen Altona 93 (84. Minute), dem Schlagerspiel gegen Magdeburg (83.) und nun dem Rückspiel gegen den Hamburger Traditionsverein (89.) fielen „Dimis“ Tore jeweils im Schlussspurt. „Ich bin endlich richtig fit, dann kommen die Tore auch von ganz allein“, zeigte Guscinas schon in den letzten Wochen deutlich ansteigende Form und ein neues Selbstbewusstsein.

Das muss man ohne Zweifel auch Matchwinner Michael Holt attestieren. „Der Junge weiß wo das Tor steht“, waren die Qualitäten des Ex-Meppeners dem neuen Trainergespann Götz/Thom schon während der Vorbereitung nicht verborgen geblieben. Nach dem eminent wichtigen Siegtreffer in Cottbus durfte Holt gegen Altona von Beginn an ran, langte gleich dreimal hin und untermauerte damit eindrucksvoll seine Hoffnungen auf einen Stammplatz. „Ich hatte darauf gehofft, das Michael mit seinen spielerischen Mitteln gegen die robuste Abwehr der Gäste etwas ausrichten kann“, so Götz in der abschließenden Pressekonferenz. „Und meine Vorstellungen konnte er dann auch ausgezeichnet umsetzen“, freute sich Götz über die drei Treffer seines Schützlings. Die Macher des Stadionprogramms hatten es wohl schon vorher geahnt. Holt zierte gegen Altona das Cover des Holstein Magazins.

„Das frühe Tor hat uns beflügelt, danach lief es ausgezeichnet. Altona wirkte heute angeschlagen, das haben wir eiskalt ausgenutzt“, so Holt. „Für mich ist es natürlich ein tolles Gefühl heute. Ich war schon während der Woche sehr optimistisch. Am Mittwoch hatte mich Peter Schyrba zum Essen eingeladen und wir haben zusammen Leverkusen gegen Bayern gesehen. Das hat mich wohl zusätzlich inspiriert.“ (Patrick Nawe)

Foto: Michael Holt und die Kieler Fans freuen sich über den Heimsieg gegen Altona 93.

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