Interview des Tages mit Stefan Böger

‚Jeden morgen Daumen drücken!‘

Nur noch einen Tag, dann wartet auf die KSV Holstein der nächste schwere Brocken im Kampf um den Klassenerhalt. Am Sonntag um 14.00 Uhr gastiert mit Rot Weiß Erfurt die Mannschaft des ehemaligen Kieler Verteidigers Pavel Dotchev an der Förde. Wir sprachen vor dem wichtigen Spiel mit Holstein-Coach Stefan Böger über die aktuelle Situation im Storchennest.

Herr Böger, vor der Winterpause stehen noch zwei schwere Spiele auf dem Programm ihrer Mannschaft. Wie sind ihre Erwartungen hinsichtlich der Gastspiele der beiden starken Ost-Clubs aus Erfurt und Dresden?

Ich kenne Trainer Pavel Dotchev ja noch sehr gut von der gemeinsamen Fußballlehrer-Ausbildung. Die Mannschaft von Rot Weiß Erfurt trägt ganz klar seine Handschrift. Mit durchschnittlichen finanziellen Möglichkeiten und einem schwachen Saisonstart ist die Truppe jetzt doch noch sehr gut in Tritt gekommen. Der Stamm konnte gehalten werden und ist punktuell verstärkt worden. Das Ergebnis kann man an der Tabelle ablesen. Und ich vermute, dass Erfurt in Zukunft noch einen Tick stärker werden wird, denn dort wird konstruktiver Fußball geboten. Wir können sicherlich mit unseren derzeitigen Mitteln keinen Hurra-Fußball spielen. Es wird eine sehr offene Partie aber wir werden uns richtig reinknien und eines ist sicher, das Ergebnis darf am Ende nur für uns sprechen. In unserer Lage helfen nur noch Siege. Damit wollen wir gegen Erfurt beginnen, um dann gegen Dresden noch weiter nach oben klettern zu können.

Die angespannte Personalsituation gibt aber momentan wenig Anlass zum Optimismus…

Wir haben uns in den letzten Tagen darum bemüht, die Belastung in den Trainingseinheiten nicht zu hoch anzusetzen. Ich stehe jeden Morgen auf und drücke fest die Daumen, dass meine verbliebenen Jungs den Tag ohne Verletzung überstehen. Die noch verbliebenen 11 oder 12 Spieler sind momentan alles, worauf wir bauen können.

Da kommt die Verpflichtung von Stefan Schnoor ja sehr gelegen…

Zum jetzigen Zeitpunkt konnten wir gar nicht anders handeln, das war eine runde Sache mit Stefan. Ich hatte schon länger Kontakt zu ihm und angesichts unserer Personalnot ist das der richtige Schritt. Er hat in den zwei Wochen gezeigt, dass mit ihm nach einer entsprechenden Vorbereitung im Januar wieder zu rechnen sein wird. Er ist ein Führungsspieler, der uns in der harten Rückrunde Stabilität verleihen wird und uns weiterhelfen kann. Die Verpflichtung war sicherlich kein Schnellschuss, denn wir beobachten ganz intensiv den Spielermarkt und verfallen nicht in Aktionismus. Aber Stefan wäre auch für andere Vereine eine Alternative gewesen.

Haben sie Hoffnung, dass sich die angespannte Personalsituation bis zum Trainingsstart am 4. Januar deutlich entspannen wird?

Wir werden auch dann noch auf zahlreiche Langzeitverletzte verzichten müssen, das ist uns bewusst. Und selbst wenn einige von ihnen Anfang 2007 wieder zu uns stoßen würden, es wäre vermessen von ihnen zu verlangen, dass sie uns sofort nach vorne bringen. Wir haben jetzt in der kurzen Weihnachtspause endlich Zeit, ganz genau zu analysieren, warum meine Spieler derzeit mit so ernsten Problemen zu kämpfen haben. Wir haben auch schon unsere Trainingsintensität hinterfragt, aber in Absprache mit den Physiotherapeuten sind wir da auf keine gravierende Dinge gestoßen. Nur eines ist sicher, so darf es in der Rückrunde nicht weitergehen. Diese ständig auftretenden Verletzungen kann man nur schwer kompensieren.

Zum Glück gibt es auch Lichtblicke wie einen Matthias Hummel…

Solche Typen stehen uns momentan sehr gut zu Gesicht, darüber bin ich sehr froh. Matthias hat in den letzten drei Spielen gezeigt, dass sein Platz auch dauerhaft im Regionalliga-Kader sein könnte. Man muss die jungen Spieler aber auch manchmal ein wenig bremsen, denn ein Kräfteverschleiß ist bei dem Sprung aus der Oberliga nach oben unvermeidbar. Die müssen noch lernen, mit ihren Kräften hauszuhalten. Das gilt auch für einen Christian Jürgensen, der gegen Osnabrück und Düsseldorf einen guten Eindruck hinterlassen hat. Ich freue mich ganz gewiss über die beiden, aber auf Dauer kann man einfach nicht immer Powerfußball spielen.

Kann der zuletzt in die zweite Mannschaft versetzte Christian Mikolajczak weiterhelfen?

Ich hatte unter der Woche ein sehr konstruktives Gespräch mit ihm und hatte das Gefühl, dass er sich die Auszeit zu Herzen genommen hat und einsichtig ist. Darüber hinaus hat er im Training mit der Oberliga-Mannschaft die Eigenschaften an den Tag gelegt, die ich von meinen Spielern einfach verlange: Leistung und gutes Benehmen. Aussetzer wie zuletzt darf es nicht mehr geben. Er muss mit anpacken und den Karren aus dem Dreck ziehen. Daher wird er ab Montag wieder mit der Liga trainieren und hat dort die Chance, sich für das Dresden-Spiel zu empfehlen. Ich habe immer gesagt, dass die Tür zur Regionalliga immer offen steht, wenn man sich entsprechend engagiert.

Das Interview mit Stefan Böger führte Patrick Nawe

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