Leipzig – Holstein Woman 4:5 (3:1)

2. Frauen-Bundesliga Nord

Das Wunder von Leipzig! Die Bundesliga-Frauen von Holstein Kiel machten das (fast) Unmögliche noch wahr. Nach einem 1:4-Rückstand kurz nach Wiederanpfiff drehte die Mannschaft von Guido Gehrke die Partie bei Lok Leipzig. Mit vier Toren in Folge im Bruno-Plache-Stadion avancierte Kiels Stürmerin Christina Krause zur Matchwinnerin.

Wer nach zwei Minuten Spielzeit in der zweiten Halbzeit auf Holstein gewettet hätte, wäre nur müde belächelt worden. Zu diesem Zeitpunkt – genau nach 95 Sekunden Spielzeit – hatte Anne Heller mit einem Schuss von der linken Strafraumkante ins rechte Toreck das 4:1 für den Favoriten aus Leipzig erzielt. Beim vierten Gegentreffer – wie des öfteren in der ersten Halbzeit – offenbarte der Defensivverbund der Kielerinnen grosse Lücken.

Dabei zeigte sich Holstein sich im Vergleich zur Vorwoche im ersten Abschnitt formverbessert. Doch zunächst stand die Elf von der Ostseeküste nach Anpfiff von Schiedsrichterin Mattig einer Lok-Mannschaft gegenüber, die gleich mit Volldampf aufs gegnerische Tor zurollte. Die halbherzigen Aktionen der Gehrke-Frauen in der Abwehr waren dem immer wieder von Trainer Sven Thoß lautstark unterstützten Sturm und Drang der Sächsinnen nicht gewachsen. Zu viele (individuelle) Fehler in den Holstein-Reihen und die Klasse von Lok Leipzig sorgten für viel Wirbel in der Gäste-Hälfte. So war Tschechiens Nationalstürmerin Michaela Markova kaum zu stoppen und gewann viele Zweikämpfe.

Erst als Trainer Gehrke die Positionen von Innenverteidigerin Wölki, die später aufgrund einer Erkältung ausgewechselt wurde, und der defensiven Mittelfeldspielerin Schrum wechselte, kam etwas Ruhe ins Holstein-Spiel. Schrum fühlte sich in der Innenverteidigung wohler, Wölki sorgte im Mittelfeld für mehr Ordnung. Zuvor hatte die bessere Mannschaft, die mit vielen gefährlichen Flanken und Eckbällen agierte, das verdiente 2:0 vorgelegt. Nyembo traf mit einem Kopfball zum 1:0. In der 18. Minute tankte sich Thieme auf der rechten Seite durch und legte quer ab auf Heller, die aus zehn Metern ins fast leere Tor traf. Die erste Chance für die Gäste durch Krohn, die sich mit einem Doppelpass mit Krause gut durchgespielt hatte, landete an der Torlatte (26.). Mit der zweiten traf „Iza“ Kranz mit der Pike aus 18 Metern in den rechten Torwinkel praktisch mit dem Pausenpfiff zum 1:3. Mit diesem Ergebnis waren die Schleswig-Holsteinerinnen noch gut bedient. Besass das Thoß-Team doch noch weitere gute Möglichkeiten.

Mit dem Anschlusstreffer kam noch einmal Hoffnung auf bei Holstein Kiel. Eigentlich zerstört mit dem 4:1 für Leipzig. Das war es auch dachte sich nicht nur Lok-Coach Thoß nach dem bisherigen Verlauf und verlangte von seinem Mittelfeldzentrum Thieme/Heller mehr Arbeit in Richtung eigenes Gehäuse gegen einen sehr angeschlagenen Gegner. Sind solche nicht sehr gefährlich? 4:2 nach knapp einer Stunde, da sollte auch nichts anbrennen. Oder? Stürmerin Krause bewies nach einem Lattentreffer aus 22 Metern von der linken Aussenverteidigerin Rinast, die nach dem Seitenwechsel für mehr Spiel nach Vorne auf ihrer Seite sorgte, ihren Torriecher. Mit dem Mute der Verzweiflung kämpften sich die Kielerinnen wieder ins hoffnungslos verlorene Match zurück. Zunächst traf Loks Wutzler nach Zuspiel von links den Ball in der Mitte nicht (63.). Mit dem 3:4-Anschlusstreffer eine Minute später war die Partie dabei, sich auf den Kopf zu stellen. Nach einer Flanke von rechts von Kranz auf den zweiten Pfosten liess Bannas den Ball in die Mitte abtropfen. Dort stand Krause goldrichtig und traf aus fünf Metern zum 3:4.

Zwei gelbe Karten für Leipzigs Nauesse innerhalb weniger Minuten bescherten anschließend den Gästen neben der optischen auch eine numerische Überlegenheit. Ausgenutzt durch den Hattrick-Treffer von Krause. Die Nummer 13 von Holstein umkurvte nach einem flachen Zuspiel von Schildt in die Spitze auch Lok-Keeperin Schumann und schob zum umjubelten 4:4 ein. Wer hätte das gedacht? Keiner! Es kam noch besser nachdem Bendt ihren Fehler – in der 40. Minute rutschte ihr ein Freistoß von Möttig aus 40 Metern von der halbrechten Position über die Hände ins eigene Tor – wett machte, als sie gegen die durchgelaufene Markova einen Schuss abwehrte und Sekunden später auch gegen Schneider. Einen Freistoß aus 18 Metern schoss Krause in die sieben Meter entfernt stehende Mauer. Den abprallenden Ball drosch der Linksfuss aus 18 Metern flach ins rechte Toreck. 5:4 für Holstein! Aua Leipzig! Holstein Kiel hatte mit starkem Willen, Moral, viel Einsatz – hier ging Kiels rechte Läuferin Justine Pank mit gutem Vorbild voran – und gutem Spiel in die Spitze nach dem 1:4 das kleine Wunder vollbracht. Der Lattentreffer von Möttig nach Freistoß aus ähnlicher Position wie beim 3:0 in der 89. Minute bestätigte auch das Glück, welches die Nordlichter zum Erfolg benötigten.

„Wir hatten heute Suppe. Aber das gehört dazu. Die Mannschaft hat super gespielt“, freute sich Guido Gehrke über den Segen von oben und von Christina Krause. Nächste Woche erwartet Holstein den souveränen Tabellenführer Herforder SV – der bisher alle seine sechs Punktspiele gewonnen hat – auf dem Kilia-Platz in Kiel. Wunder sind immer möglich!

1. FC Lok Leipzig: Sandra Schumann – Christina Nauesse, Karoline Aulrich, Josefine Krengel, Franziska Möttig – Lysann Schneider (78. Katja Greulich), Franziska Thieme, Anne Heller, Safi Nyembo – Michaela Markova (74. Zdenka Skupinova), Yvonne Wutzler (67. Yvonne Rademacher)

Holstein Kiel: Victoria Bendt – Rachel Rinast, Svenja Wölki (28. Marialiiza Kranz), Tessa Schildt, Martina Pulkis – Kati Krohn, Rachel Pashley, Lena Schrum, Justine Pank – Sandra Bannas, Christina Krause

Schiedsrichter: Mattig (Frankfurt/Oder)

Zuschauer: 300

Gelbe Karte: Pank, Krohn

Gelb-Rot: Nauesse (65. wiederholtes Foulspiel)

Tore: 1:0 Nyembo (3.), 2:0 Heller (18.), 3:0 Möttig (40.), 3:1 Kranz (45.), 4:1 Heller (47.), 4:2 Krause (59.), 4:3 Krause (64.), 4:4 Krause (68.), 4:5 Krause (85.)

Foto: Christina Krause (re.) mit einem Hattrick und vier Toren..

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