Polizei und Fans beim U23-Spiel in Lübeck

Erklärung des für Fanfragen zuständigen Mitglieds des Aufsichtsrats der KSV Holstein Jürgen Weber:

Die KSV Holstein lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass sie für ein konsequentes Eintreten gegen Gewalttäter im Umfeld von Fußballspielen eintritt. Die Vorfälle in Hamburg aus Anlass des Spiels FC St.Pauli gegen den FC Hansa Rostock können in keiner Weise toleriert werden.

Umso wichtiger ist es, in Schleswig-Holstein alle Anstrengungen zu unternehmen, Eskalationen zwischen Fans, Polizei und Ordnungskräften im Ansatz zu begegnen. Wir erwarten von unseren Fans, auch bei Auswärtsspielen, sich an die Regeln unseres Rechtsstaats zu halten. Notfalls reagiert der Verein auch mit Stadionverboten, um die Sicherheit in den Stadien zu verbessern.

Wir erwarten aber auch von den Polizeikräften, dass sie bei ihren Einsätzen in den Stadien unseres Landes die Verhältnismäßigkeit der Mittel wahren. Es bestehen erhebliche Zweifel, dass dieses beim gestrigen Spiel unserer U23-Mannschaft in Lübeck der Fall war. Eine Aufklärung zu den Vorwürfen der Fans scheint uns dringend geboten.

Wir gehen davon aus, dass die die Kompetenzen und Kenntnisse der sog.

Szenekundigen Beamten wie bisher eigentlich üblich Berücksichtigung bei den

polizeilichen Maßnahmen finden. Gerade im Hinblick auf die Kieler Fanszene ist es notwendig, Eskalationsritualen zu begegnen und dem „Feindbild Polizei“ entgegenzuwirken.

Die Entwicklung der Fanszene in Kiel verdeutlicht zudem, dass wir ein

unabhängiges Fanprojekt brauchen. Wir hoffen, dass die Stadt Kiel die

Kofinanzierung für ein Fanprojekt baldmöglichst sicherstellt, wie es die

Hansestadt Lübeck bereits getan hat.

Wir wollen alles tun, um eine kreative, lautstarke und gewaltfreie Fanszene

zu unterstützen.“

Erklärung des Kieler Fanrates (unabhängiger Zusammenschluss Kieler Fangruppen):

Der Abend des 11. 03. 2009 hätte für die mitgereisten Anhänger der KSV Holstein so schön werden können. Unsere U23 bot kein überragendes Spiel, gewann aber mit einer kämpferischen Leistung, einem von Nico Beyer gehaltenen Elfmeter in der ersten und einem Kopfballtor von Tim Wulff in der zweiten Halbzeit. Es war 19:46 und der Schiedsrichter hatte gerade das kleine Derby zwischen Holsteins U23 und der 2. Mannschaft des Dauerrivalen VfB Lübeck auf der Lohmühle abgepfiffen.

Die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit, kurz BFE, Eutin hatte sich bereits 20 Minuten vor Spielende an einer Seite des Auswärtsblocks aufgebaut und mit unfreundlichem Ton einige unten am Zaun stehende Fans vertrieben. Was die Spezialisten aus der ostholsteinischen Kreishauptstadt allerdings nach dem Schlusspfiff für Arbeit ablieferten, war aus der Sicht des KSV-Fanrats unüberlegt und alles andere als deeskalierend. Anstatt der Mannschaft gratulieren zu können und sich gebührend von ihr zu verabschieden, wurden die Kieler Fans unter Einsatz von Schlagstöcken aus dem Block getrieben. Auch die am Zaun stehenden Spieler zeigten sich betroffen ob der Polizeigewalt. Grund dafür war, dass der Zug mit dem die Polizei die Mitgereisten gerne in Richtung Heimat hätte fahren sehen wollen, schon gegen kurz nach 20:00 aus Lübeck abfahren sollte. Durch das unnötig aggressive Verhalten der BFE kam es nun zu Tumulten im Stadion und am Kieler Shuttlebus. Sogar Frauen wurden niedergeknüppelt und ein Zivilpolizist bekam Schläge von seinen ”Kollegen” ab.

Auch auf Lübecker Seite wird von unnötigen Übergriffen der BFE Eutin gesprochen. Einige Beamte hatten anscheinend noch ihren Einsatz beim Zweitligaspiel zwischen dem FC St. Pauli und Hansa Rostock im Hinterkopf und man sprach von einer ”guten Übung” für größere Einsätze in der Zukunft. Aus Sicht des Fanrats sind solche Übungen am lebenden Objekt nach einem Spiel in der Schleswig-Holstein-Liga, bei dem es weder vor Anpfiff, noch während der laufenden Partie zu Verfehlungen der Fans beider Lager kam, eine bodenlose Frechheit.

Hätte man die Fans kurz mit der Mannschaft feiern lassen, wäre die

Rückfahrt zum Bahnhof so problemlos wie die komplette Hintour und der

Aufenthalt im Stadion während des Spiels verlaufen. Auch ist nicht

nachvollziehbar, warum die Polizei die Lübecker Anhänger nicht aus ihrem

Block gelassen hat, obwohl sich das ”Gefahrenszenario” bereits durch die

Abfahrt der KSV-Fans entschärft hatte.

Nach den Vorkommnissen stellt sich die Frage, warum der Einsatzleiter der Polizei während des Spiels nicht enger mit den szenekundigen Beamten und den Fanbeauftragten beider Vereine zusammengearbeitet hat. Es wäre wünschenswert, wenn sich dies in Zukunft, nicht zuletzt für die Sicherheit aller Stadionbesucher, ändern würde. Jedoch ist die Hoffnung darauf, aufgrund solch überzogener und ungerechtfertigter Einsätze, verschwindend gering.

Foto: Kieler U23-Fans am Mittwoch auf der Lübecker Lohmühle.

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