Sa. 14.00 Uhr: Holstein Kiel – Bayer Leverkusen II

Der „Schwatte“ kommt nach Kiel –

Kirsten-Elf zu Gast beim Regionalliga-Tabellenführer

Die Fans an der Kieler Förde können aufatmen. Der Tabellenführer der Fußball-Regionalliga Nord, Holstein Kiel, beendet am kommenden Samstag um 14.00 Uhr mit der Partie gegen Bayer Leverkusen II die wie immer viel zu lange Winterpause. Für Holstein geht es im ersten von 16 Aufstiegsendspielen um wichtige drei Zähler, während die Elf des Ex-Nationalspielers Ulf Kirsten dringend die Punkte im Kampf gegen den Abstieg benötigt.

Bei der Neubarth-Elf herrscht großer Optimismus. „Alle Mann an Bord“, lautet die frohe Kunde aus dem „Storchennest“, denn abgesehen von Henning Grieneisen sind alle Stammspieler fit für den Rückrundenauftakt. Und seit der last-minute Verpflichtung des ehemaligen Duisburgers Mike Rietpietsch ist man zuversichtlich, auch die in der Vorrunde oftmals vakante Position auf der rechten Außenbahn optimal besetzt zu haben. Holstein geht als klarer Favorit in die Begegnung gegen die Bayer-Elf, aber gerade gegen so genannte „Kleine“ steht ein hartes Stück Arbeit bevor.

Auch wenn die Mannschaft von Trainer Ulf Kirsten kurz vor der Winterpause einen echten Jahres-Endspurt hinlegen konnte, mit den Siegen auswärts in Münster (3:1) und daheim gegen Mitaufsteiger Jena (2:1) pünktlich zum Weihnachtsfest den Sprung aus den Abstiegsrängen bewerkstelligte, für die Perspektiv-Elf von Bayer 04 Leverkusen geht es in der Saison 2005/2006 weiterhin nur um den Klassenerhalt.

Der größte Paukenschlag gelang den Schwarz-Roten in einer bisher turbulenten Saison am 15. Oktober, denn da fügte man dem bis dahin unangefochtenen und ungeschlagenen Tabellenführer VfB Lübeck eine herbe 6:2-Niederlage bei. Doch Highlights wie der Erfolg gegen die Hanseaten blieben Mangelware.

Der Regionalliga-Aufsteiger erlebte im Sommer einen gezielten Umbruch, das Abenteuer Regionalliga sollte möglichst länger dauern als nur eine Spielzeit. Zahlreiche Neuzugänge heuerten am Ulrich-Haberland-Stadion an. Von den beiden einzigen Neuen, die von außerhalb kamen, hat sich einer bereits wieder verabschiedet. Stürmer René Schnitzler fand sich bei Bayer nie sonderlich zurecht, er kehrte in der Winterpause zu seinem alten Klub Borussia Mönchengladbach II zurück. Von dort kam auch Ali Camdali nach Leverkusen und entwickelte sich sogleich zum Führungsspieler, der im defensiven Bereich den Takt vorgibt und dessen Bierruhe am Ball Bayers jungen Wilden wertvolle Hilfen bietet. Von den A-Junioren der Leverkusener hat sich zumindest Pierre De Wit als absolutes Schwungrad erwiesen.

Besagter De Wit, gerade mal 18 Jahre alt geworden, ist die positivste Überraschung. Sechs Tore und eine Menge pfiffiger Ideen sprechen für den schmächtigen Regisseur. Bayers bester Schütze ist Timo Röttger mit seinen acht Treffern, seine Leistungskurve indes blieb eher instabil. Fabian Hergesell erwies sich in der Defensive als zuverlässiger Allrounder, wirkte in der Innenverteidigung ebenso sicher wie im linken Außendienst. Cataldo Cozza und Camdali bilden ein starkes Tandem im zentralen defensiven Mittelfeld. Als Stoßstürmer schafften weder Schnitzler noch Reichwein und Döpper den erhofften Durchbruch.

Bayer steht derzeit mit 22 Zählern auf dem 12. Tabellenplatz, drei Punkte beträgt der Vorsprung zu den Abstiegsplätzen. Fußballerisch ist die Kirsten Truppe allerdings mit den meisten Gegnern absolut auf Augenhöhe. Und wenn es in der Elf mal richtig läuft, kann auch – wie berichtet – ein Spitzenteam wie Lübeck schon einmal ganz alt aussehen. In der ersten Saisonhälfte wurde den Leverkusenern zwar häufig ihre Naivität bei Standards zum Verhängnis. Da greift mittlerweile allerdings ein Lernprozess, die Mannschaft ist zwar immer noch körperlich klein besetzt, weiß sich mit mehr Cleverness nun aber durchaus zu helfen.

Ex-Nationalspieler Ulf Kirsten macht sich gut in seiner ersten Station als Cheftrainer. Seine Ansprache findet Gehör, das Team hat im Vergleich zu den ersten Saisonspielen eine ordentliche Entwicklung genommen. Dabei war Bayer II, was die Hilfe von ”oben” angeht, weitgehend auf sich allein gestellt. Lediglich Clemens Fritz aus dem Profikader kam nach seiner Verletzung in der Vorrunde häufiger zum Einsatz.

Was mit der Heimniederlage gegen Chemnitz böse begann, endete mit sieben Punkten aus den letzten drei Begegnungen in Chemnitz, Münster und gegen Jena. In dieser Form hat Bayer II Leverkusen gewiss das Zeug, die Klasse zu erhalten. Der Vorsprung allerdings ist gering, es wird ein harter, langer Kampf gegen den Abstieg. Doch die zuletzt gezeigte Entwicklung macht den Bayer-Verantwortlichen Hoffnung. Auch in Kiel will man am Ende nicht mit leeren Händen dastehen.

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