Sa. 14 Uhr: Rot-Weiß Erfurt – Holstein Kiel

Noch Tickets für Busfahrt nach Erfurt / Radio-Liveübertragung im Holsteiner

Showdown in der Fußball-Regionalliga Nord. Am letzten Spieltag am Samstag ab 14.00 Uhr will die abstiegsbedrohte Mannschaft von Holstein Kiel im Erfurter Steigerwaldstadion ihre letzte Chance im Kampf um den Klassenerhalt nutzen. Durch einen Erfolg bei der Elf von Ex-Storch Pavel Dotchev soll bei einem zeitgleichen Ausrutscher des direkten Konkurrenten Borussia Dortmund II (gegen Bayer Leverkusen II) der Sprung an das rettende Ufer doch noch realisiert werden und ein versöhnlicher Abschluss der von vielen Tiefpunkten geprägten Saison 2006/07 gefunden werden.

Für Holstein Fan-Urgestein Helmut Diederichsen ist der Klassenerhalt der Störche bereits beschlossene Sache. Schon 1946 trainierte Diederichsen in der Holstein-Jugend unter den ehemaligen Kieler Nationalspielern Hannes Ludwig und Seppl Esser. Inzwischen hat der 1977 mit dem SHFV-Ehrenabzeichen dekorierte Diederichsen ein Faible für das Kartenlegen entwickelt und seine abschließende Prognose vor dem schweren Gang der Vollmann-Elf nach Erfurt lautet kurz und bündig: „Wir schaffen es noch!“ Nicht minder optimistisch zeigte sich unter der Woche der Gymnasiallehrer Eckhart Junge, der vor dem Heimspiel gegen Ahlen extra einen Wandertag mit seiner 8. Klasse in das Holstein-Stadion verlegt hatte und die Schülerinnen und Schüler geschlossen hinter der KSV weiß. „Wir glauben bis zur letzten Sekunde fest an den Klassenerhalt“, so der Stammgast bei den Heimspielen der Störche. Kiel steht hinter der KSV Holstein und die Anhänger des Traditionsvereins werden sich per Bus, Bahn und Pkw zu hunderten auf die Reise nach Thüringen begeben.

Einen Sonderweg beschreitet am Samstag KSV-Fan Frank Schwarze. Der Hobby-Fotograf und Mitarbeiter des Holstein Magazins, der Stadionzeitung der Störche, ist so sehr von einem Kieler Sieg im Steigerwaldstadion überzeugt, dass er lieber den Weg in die 80.000 Zuschauer fassende Signal Iduna Arena in Dortmund sucht, um der Mannschaft von Ulf Kirsten die Daumen zu drücken. „Leverkusen wird sich nicht hängen lassen und Holstein mit einem Erfolg helfen“, so der 38-jährige. Damit schlägt Schwarze in die gleiche Kerbe wie Cheftrainer Peter Vollmann, der Dortmund ebenfalls unter erheblichem Druck sieht und auf die Fairness der Leverkusener setzt. „Ulf Kirsten ist ein echter Sportsmann, der auch am letzten Spieltag sein Team gewinnen sehen will“, so der KSV-Trainer. „Ich glaube fest an den Klassenerhalt, denn der Fußball hat stets seine eigenen Kuriositäten parat“, so der Zweitliga erfahrene Fußballlehrer. Vor allem aber setzt „Hobby-Psychologe“ Vollmann in Erfurt auf „Willenskraft, Motivation, Disziplin und Fanunterstützung“, um den Karren doch noch aus dem Dreck zu ziehen. Kämpferisch gibt sich auch Goalgetter und Hoffnungsträger Dmitrijus Guscinas, der sich vor dem Reiseantritt gen Osten nur zwei Worte entlocken ließ: „Siegen, drinbleiben!“

Während Holstein in Erfurt mit der Siegerelf der Düsseldorf-Partie ins Rennen gehen kann, werden die Rot-Weißen beim Saisonfinish von erheblichen Personalsorgen geplagt. Neben den Langzeitverletzten Albert Bunjaku (Leistenbruch), Lukasz Sosnowski (Innenbandriss), Matthias Holst (Schulterverletzung) und Björn Brunnemann (Bänderriss) sowie dem suspendierten Ex-Kaiserslauterer Sturmtank Domi Kumbela müssen Daniel Brückner (5. Gelbe Karte) und Danny Cornelius (Rote Karte gegen den HSV II) gegen Kiel passen. Und seitdem der Klassenerhalt durch den 3:2-Erfolg gegen Leverkusen bereits am 34. Spieltag unter Dach und Fach gebracht worden war, ist der Motor der Thüringer ins Stocken geraten. Nur ein Zähler aus den letzten drei Partien gegen Emden, St. Pauli und den HSV sprechen eher dafür, dass nach bestandenem Abstiegskampf Ruhe und Beschaulichkeit eingekehrt ist im Steigerwaldstadion. Doch davon will RWE-Coach Pavel Dotchev überhaupt nichts wissen. Die Dotchev-Elf will sich nach dem Remis am vergangenen Wochenende beim Hamburger SV II nun auch vom eigenen Publikum mit einer gelungenen Vorstellung in die Sommerpause verabschieden. „Wir werden die Saison sauber beenden und im Gegensatz zu den vergangenen Spielen vor heimischer Kulisse auch wieder engagierter auftreten“, hofft der Ex-Bundesliga-Profi Pavel Dotchev, der in der Saison 1994/95 selbst in 27 Partien (5 Tore) das Trikot der Störche trug, auf einen Sieg im Saisonfinish.

Die ungünstige Ausgangsposition der Störche vor dem Showdown ist das unmittelbare Resultat der beiden Spiele in Gladbach und dem „Schock“ von Osnabrück. Holstein verspielte vor allem beim katastrophalen 1:6 gegen die Fohlen-Elf am 6. Mai das beruhigende Punktekonto von vier Zählern und durch die Höhe der Niederlage hatte die KSV auch endgültig das einigermaßen passable Torverhältnis in den Sand gesetzt. Und gerade dieser Umstand könnte den Kielern in der Endabrechnung nun zum Verhängnis werden und letztlich über Gedeih und Verderben entscheiden. Satte vier Tore beträgt der Vorsprung der punktgleichen Borussia. Eine Hypothek, mit der Holstein in die Partie im Steigerwaldstadion gehen muss. „Wir haben zu Saisonbeginn gegen Dortmund und Magdeburg gezeigt, dass wir Kantersiege landen können“, zeigte sich Kiels Christian Mikolajczak nach dem 2:0-Erfolg gegen Düsseldorf kämpferisch und kündigte an: „Wir werden Erfurt überrennen und wenn nötig eben auch 4:0 oder 5:0 gewinnen!“

Ob die zur Verfügung stehende Holstein-Mannschaft allerdings dazu in der Lage ist, ein Team wie Rot-Weiß Erfurt mit einem wahren Sturmlauf in die Knie zu zwingen, das bleibt abzuwarten. Schon gegen Rot-Weiß Ahlen und Fortuna Düsseldorf wurde die Chance verpasst, das Torekonto aufzubessern und mit Borussia Dortmund gleich zu ziehen. Und das, obwohl das Sturmduo Pavel Dobry und Dmitrijus Guscinas derzeit äußerst zuverlässig agiert. Bei einem Kantersieg der KSV müsste allerdings sogar auch noch einmal Zweitligaabsteiger Rot-Weiß Ahlen zittern. Die um acht Tore und drei Punkte bessere Bonan-Elf gastiert am letzten Spieltag bei den ambitionierten Osnabrückern, die vor sicherlich ausverkauftem Haus den Aufstieg doch noch packen wollen. Realistisch erscheint da allerdings eher ein Patzer der Borussia. „Wenn wir unsere Hausaufgaben machen, dann muss Dortmund erst einmal nachziehen“, so der optimistische KSV-Kapitän Andrè Breitenreiter. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, glaubt auch er an ein glückliches Saisonfinish.

Die Unterstützung der Fans wird dem Anlass entsprechend groß sein. Die KSV Holstein hat für das letzte Saisonspiel mehrere Fanbusse zum „Endspiel“ in Erfurt organisiert. Zum Preis von nur 25 Euro inkl. Eintrittskarte können die Holstein-Anhänger live dabei sein und die KSV lautstark unterstützen. Die Abfahrt erfolgt am kommenden Sonnabend um 6 Uhr auf dem Parkplatz des Holstein-Stadions. Fans werden gebeten, schon rechtzeitig um 5.30 Uhr vor Ort zu sein, damit alle Fans auf die Busse verteilt werden können. Karten sind am Freitag von 12 bis 18 Uhr im Stadion-Fanshop der KSV erhältlich. Und wer es nicht bis nach Thüringen schafft, der kann die Radio-Konferenzschaltung vom letzten Spieltag der Fußball-Regionalliga Nord am Samstag ab 13.30 Uhr auf der Internetseite www.fangeist.de oder im Holsteiner live verfolgen.

(Patrick Nawe)

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