Spitzenposition verteidigt

Mit Erfahrung und Frische zum Erfolg

Mit einem hochverdienten „Dreier“ kehrte die KSV Holstein von ihrem Auswärtsspiel am Hamburger Millerntor zurück. Dabei sahen die rund 1.400 Zuschauer eine über achtzig Minuten dominierende und hochkonzentrierte Störche-Elf, die nach zuletzt zwei Niederlagen mit einem Erfolg die Trendwende einleiten wollte. „Vor allem die Pleite gegen Lübeck schmerzt viele immer noch“, kündigte Holger Hasse schon vor dem Gang an die Hamburger Amüsiermeile „Trotzreaktionen“ an.

Dabei hatte es allerdings noch zu Wochenbeginn alles andere als gut ausgesehen im Storchennest. Die Einsätze von Jan Sandmann (Achillessehne), Sven Boy (Aufnahme des Mannschaftstrainings), Thorsten Rohwer (Fußverletzung), Dmitrijus Guscinas (Rückenprobleme) und auch Torhüter Simon Henzler (Schulterprellung) waren mehr als fraglich. Daher waren die rund 400 mitgereisten Fans beim Anblick der Kieler Startformation durchaus positiv überrascht, alle fünf Routiniers in der Startformation oder wie im Falle Rohwer zumindest auf der Reservebank wiederzufinden. Torhüter Henzler konnte die berechtigten Zweifel an seinem Einsatz erst kurz vor dem Anpfiff wegwischen und signalisierte zur Erleichterung von Torwarttrainer und St. Pauli-Legende Klaus Thomforde: „Es kann losgehen!“

Kapitän Sven Boy hingegen, der zuletzt vor 57 Tagen beim 4:2-Sieg in Wilhelmshaven auf der Spielfeld stand, hatte seinen Trainer schon Mitte der Woche signalisiert: „Wenn man mich braucht, dann bin ich bereit!“ Allerdings hatte Boy nach dem Ende seiner mehrwöchigen Reha-Maßnahmen erst drei Einheiten mit der Mannschaft absolviert. „Unser Coach hat sich heute für die Erfahrung entschieden und es hat sich ausgezahlt“, sah Boy nach dem Spiel das kalkulierbare und mit der medizinischen Abteilung abgesprochene Risiko, das mit dem Einsatz der angeschlagenen Routiniers eingegangen wurde, als Schlüssel für den vierten Auswärtssieg der Saison.

„Dass es am Ende doch noch einmal spannend wurde“, so Boy, „lag allerdings auch an meiner Unkonzentriertheit vor dem Gegentreffer. Ich bin nicht richtig zum Ball gegangen.“ Nach dem Anschlusstreffer durch Roman Prokoph wurde es noch einmal hektisch und aus Kieler Sicht unnötig spannend. Die Hamburger, die bis zum 1:2 nicht ein einziges Mal auf den Kasten des beschäftigungslosen KSV-Keepers Henzler geschossen hatten, bekamen sehr zum Ärger von Peter Vollmann noch einmal Oberwasser. Letztlich überstanden die Störche aber auch die Schlussphase und konnten sich zusammen mit ihren Fans über die verteidigte Tabellenführung freuen.

Eine wichtige Komponente des Kieler Erfolges war neben der geglückten taktischen Ausrichtung des Trainers aber auch die Frische und der Elan der jungen Spieler wie Mariusz Zmijak und Tim Siedschlag, die sich endlich wieder, abgesichert durch die routinierte Abwehrreihe um Sandmann, Boy, Schyrba und Hasse, mehr Spielwitz und Vorwärtsdrang zutrauen konnten. „Aufgrund der Personalmisere der letzten Wochen war diese Sicherheit nicht immer gewährleistet“, freute sich auch Jan Sandmann über die Einsatzfreude der Kieler Youngster. Und schon vor dem Spiel am Millerntor hatte Trainer Vollmann prognostiziert, „dass wir wieder die souveräne Stabilität erreichen werden, wenn sich unser Lazarett lichtet“, fehlten doch gegen Oldenburg und Lübeck zuletzt fünf Akteure, mit denen man vor der Saison fest in der ersten Elf gerechnet hätte.

3 Punkte im Sack, einen hartnäckigen Verfolger in die Schranken gewiesen, das gelungenes Comeback von Kapitän Sven Boy, ein wichtiger Schritt zur Versöhnung mit den nach der Derbyniederlage schwer angefressenen Holstein-Fans sowie ein immens wichtiger Erfolg für das zuletzt etwas brüchige Nervenkostüm. Da konnte man sogar trotz der Tatsache, dass die Partie aufgrund des Staus, der die Ankunft der KSV in Hamburg und somit den Anpfiff um 30 Minuten hinauszögerte, am Ende sagen: Alles richtig gemacht, Holstein! (Patrick Nawe)

Foto: Ein gelungenes Comeback feierte Holstein-Kapitän Sven Boy.

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