SV Wilhelmshaven – Holstein Kiel 0:2 (0:1)

Regionalliga Nord

Holstein Kiel geht als Spitzenreiter der Regionalliga Nord in die Winterpause. Der Herbstmeister sicherte sich durch einen nie gefährdeten 2:0-Auswärtssieg beim Verfolger SV Wilhelmshaven drei wertvolle Zähler im Aufstiegsrennen. Die Tore für die hochmotivierten und von Interimstrainer Michael Bauer sowie seinem Assistenten Klaus Thomforde betreute KSV erzielten Tim Wulff (8.) und Stephan Vujcic (71.).

Die Holstein-Verantwortlichen durften nach dem Erfolg an der Jade aufatmen. Auch wenn Interimscoach Michael Bauer der Mannschaft unter der Woche eine vorbildliche Einstellung bescheinigte, war nur schwer einzuschätzen, welche Reaktion die Störche – zumal stark Ersatz geschwächt – im ersten Spiel nach Peter Vollmann zeigen würde. Aufsichtsrat-Chef Stefan Tholund betonte jedoch schon vor dem Anpfiff: „Auch bei einer Niederlage hätten wir kein Problem, dem öffentlichen Druck standzuhalten. Wir haben klare Vorstellungen von unserem weiteren sportlichen Weg.“

Während die Platzherren einzig auf Verteidiger Peter Suchy (5. Gelbe Karte) verzichten mussten, stellte sich die Mannschaft der Kieler Störche quasi von selbst auf. Neben Hendrik Großöhmichen, Jan Hoffmann, Dmitrijus Guscinas, Peter Schyrba (5. Gelbe Karte) und dem unter der Woche an der Leiste operierten Thorsten Rohwer musste auch Kapitän Sven Boy (Prellung) im Jadestadion passen.

Holstein zeigte sich trotzdem von der ersten Minute an konzentriert, engagiert und mit dem absoluten Siegeswillen. Dem hatten die Platzherren nur selten etwas entgegenzusetzen. Bereits nach acht Minuten klingelte es im Kasten von SV-Keeper Amir Halilovic. Der bärenstarke Florian Meyer hatte sich auf der rechten Seite gekonnt gegen seinen Bewacher Daniel Beyer durchgesetzt, zirkelte das Leder in das Strafraumzentrum, bediente damit den völlig frei am Elfmeterpunkt lauernden Mohammed Lartey und dessen Schuss fälschte der am 5-Meter-Raum postierte Tim Wulff mit seinem siebten Treffer unhaltbar zur Gästeführung ins Tor. Holstein machte weiter Dampf, zeigte sich über die gesamte Spielzeit in blendender Form und ließ im ersten Durchgang nicht eine einzige Chance der Ekmescic-Elf zu. Und wenn es der SVW einmal mit Fernschüssen versuchte, dann war der umsichtige KSV-Schlussmann Michael Frech stets Herr der Lage. So auch bei dem Freistoß von Waldemar Kowalczyk (16.) und einem von Jürgensen abgefälschten Bourgault-Schuss (26.). Holstein besaß durch den Fernschuss von Holger Hasse (34.) und einen Steilpass von Siedschlag vor das Wilhelmshavener Gehäuse (35.) die besten Möglichkeiten, die Führung auszubauen.

Nach der Pause setzte Wilhelmshaven verstärkt auf die Offensive, ermöglichte den Gästen dadurch allerdings zahlreiche Kontermöglichkeiten. Scheiterten Tim Wulff (47.) und Tim Siedschlag (67.) noch völlig freistehend vor Halilovic, so machte es Stephan Vujcic in der 73. Minute besser. Nach toller Vorarbeit von Siedschlag, der sich an der Außenlinie gegen seine beiden Bewacher Nimptsch und Zinke durchgesetzt und den Ball quer in den Strafraum gepasst hatte, drückte Vujcic die Kugel aus zwölf Metern flach ins rechte untere Toreck. Damit war die Messe für die streckenweise uninspiriert wirkenden Wilhelmshavener endgültig gelesen. Abgesehen von einem wuchtigen Schuss von Maksut Azizi aus neun Metern spitzen Winkels (74.), den Michael Frech im Holstein-Tor erstklassig abwehrte, brachte der Tabellenfünfte nur wenig Zwingendes auf den Weg. Pech für die Kieler dann in der Schlussphase, als der eingewechselte Stephen Famewo eine sichere Einschussmöglichkeit gegen Halilovic vertändelte (79.).

Unschöne Situation dann wenige Sekunden vor dem Abpfiff. Der frustrierte SVW-Stürmer Marcus-Lorenzo Storey trat dem Kieler Hauke Brückner ungestüm in die Beine und kassierte für das Foul an dem verletzt ausscheidenden Ex-St. Paulianer zu Recht die Rote Karte.

Am verdienten Erfolg der Gäste aus der Landeshauptstadt, bei denen sich Florian Meyer und der überragende Jan Sandmann Bestnoten verdienten, gab es aufgrund der spielerischen Überlegenheit und der eindeutig besseren Torchancen keinerlei Zweifel. Während die dezimierten Kieler mit stolzgeschwellter Brust und der fulminanten Bilanz von 40 Punkten auf dem Konto die Heimreise antreten konnten, hat sich die Ekmescic-Elf endgültig aus dem Rennen um die Spitzenposition verabschiedet. (Patrick Nawe)

Stimmen zum Spiel –>

Michael Bauer (Interimstrainer Holstein Kiel): Ich bin sehr zufrieden, gerade nach den aufregenden Ereignissen der vergangenen Woche. In der Defensive haben wir nur eine echte Torchance zugelassen. Somit wurden Peter Schyrba und Sven Boy prima ersetzt. Aufgrund der Qualität unserer Tormöglichkeiten war der Sieg absolut verdient.

Jan Sandmann (Holstein Kiel): Wir sind gut ins Spiel gekommen und das Führungstor hat uns natürlich in die Karten gespielt. Nach der Pause haben die Gastgeber im Mittelfeld umgestellt. Daran mussten wir uns erst einmal gewöhnen. Ich bin total stolz auf die Mannschaft, dass wir in dieser Formation und nach der turbulenten Woche so an einem Strang gezogen haben.

Tim Siedschlag: Wir haben das erhoffte Ergebnis erzielt. Jetzt geht für uns in der Rückrunde alles. Die anderen Teams machen sich doch jetzt schon alle in die Hose.

Sven Boy: Wir wollten als Tabellenführer in die Winterpause gehen, das haben wir auch schon in der vergangenen Woche gesagt. Die Turbulenzen sind nicht gänzlich an uns vorbei gegangen, aber die Mannschaft hat heute wieder einmal Charakter gezeigt.

Boris Ekmescic (Trainer SV Wilhelmshaven): Ich bin insgesamt zufrieden, dass wir mit dem 5. Tabellenplatz in die Winterpause gehen. Meine Mannschaft hat heute zu viel Respekt gezeigt. Das hat uns die 3 Punkte gekostet.

Statistik –>

SV Wilhelmshaven: Halilovic – Kappler (46. Azizi), Gaebler, Conrad, Nimptsch – Beyer, Zinke, Bourgault, Kowalczyk – Pollok, Storey

Holstein Kiel: Frech – Hummel, Sandmann, Hasse – Brückner (89. Nouri), Meyer (83. Petersen) – Lartey, Vujcic, Jürgensen – Wulff (75. Famewo), Siedschlag

Tore: 0:1 Wulff (8.), 0:2 Vujcic (71.)

Schiedsrichter: Seemann (Essen)

Zuschauer: 558

Foto: Freude bei Abwehrchef Jan Sandmann und Holger Hasse.

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