VfL Osnabrück – Holstein Kiel 2:3 (0:1)

Fußball total –

„Störche“ beeindrucken beim 3:2 in Osnabrück –

Rietpietsch, Boy und Dobry treffen

Holstein Kiel hat seine Ansprüche auf einen Spitzenplatz in der Fußball-Regionalliga Nord eindrucksvoll untermauert. Durch einen begeisternden 3:2-Erfolg bei dem bis dahin daheim noch ungeschlagenen VfL Osnabrück festigte die Neubarth-Elf vor 5.200 Zuschauern in der osnatel-Arena ihren Aufstiegsplatz. Und das Spiel war nichts für schwache Nerven. Erst vier Minuten vor dem Abpfiff sorgte Pavel Dobry mit seinem zehnten Saisontor für den vielumjubelten „Dreier“.

„Die Partie besaß alles, was das Fußball-Herz begehrt“, zeigte sich auch Frank Neubarth nach dem Spielende begeistert und feierte mit den rund 350 mitgereisten Kieler Schlachtenbummlern ausgiebig den wichtigen Sieg an der Bremer Brücke.

Osnabrück begann druckvoll und hatte schon frühzeitig gute Einschussmöglichkeiten.

Erst hämmerte VfL-Kapitän Marcus Feldhoff das Leder aus 18 Metern an die Unterkante der Latte (10.), dann rettete „Störche“-Schlussmann Simon Henzler, der erstmalig seit August 2005 für den an einer Schleimbeutel-Entzündung laborierenden Stammtorhüter Henrik Preuß im Holstein-Tor stand, gegen den freistehenden Andreas Schäfer (11.) prächtig.

Aber Holstein ließ sich nicht beirren, beeindruckte über die vollen 90 Minuten durch beherztes Engagement, Kampfgeist und vor allem spieltechnische Überlegenheit. Folgerichtig tauchte die KSV immer wieder gefährlich vor dem von Torhüter Tobias Langemeyer gehüteten VfL-Tor auf. Doch sowohl Michael Molata aus kurzer Distanz nach Freistoß Breitenreiter (14.), Björn Lindemann per 17-m-Distanzschuss (16.), Pavel Dobry per Flachschuss (17.), Michael Niedrig mit einem satten Schuss von der Strafraumgrenze (19.) als auch erneut Lindemann (23.) aus 25 Metern – Langemeyer erst im Nachfassen zur Stelle – scheiterten in aussichtsreicher Position. Die Kieler Führung lag förmlich in der Luft, aber es war last-minute-Neuzugang Mike Rietpietsch vorbehalten, mit seinem ersten Treffer im Trikot der KSV Holstein die Überlegenheit der Gäste auch in Zählbares umzumünzen. Unnachahmlich hatte sich der Ex-Duisburger auf der linken Angriffsseite durchgetankt und schob den Ball am herausstürmenden Langemeyer vorbei aus 13 Metern in die Maschen (39.).

Die Minuten nach dem Wiederanpfiff sollten es dann in sich haben. Erst ließ sich Ex-Bundesliga-Profi Reichenberger geschickt im Strafraum der KSV fallen, Minuten später zeigte auch Teamgefährte Kügler seine „Flugqualitäten“ im 16-m-Raum. Völlig unbedrängt ließ er sich fallen und täuschte den völlig indisponierten Schiedsrichter Sahler eindrucksvoll. Leidtragender war vor allem KSV-Keeper Henzler, der mit einer gelb-roten Karte für seine „Vergehen“ hart bestraft wurde. Für ihn kam erstmalig Holsteins Nummer 3 Adrian Horn zum Einsatz, Feldspieler Lindemann musste weichen. VfL-Kapitän Marcus Feldhoff nutzte die beiden Elfmeter-Geschenke (47./59.), um die Lila-Weißen in Führung zu bringen und den Spielverlauf auf den Kopf zu stellen.

Doch jetzt zeigte Holstein die Moral einer echten Klassemannschaft. Mit schier unbändigem Siegeswillen setzte die Neubarth-Elf in Unterzahl noch einmal alles auf eine Karte. Nur zehn Minuten nach dem Rückstand wuchtete der nimmermüde und wild entschlossene Sven Boy einen Breitenreiter-Freistoß aus zehn Metern unbarmherzig in die Maschen des VfL Osnabrück. Acht Minuten später die Chance zur Führung, doch Boy setzte einen an Dobry verursachten ebenfalls schmeichelhaften Foulelfmeter links neben das Tor.

Doch der Holstein-Express war nicht mehr aufzuhalten. Vier Minuten vor dem Ende die vom mitgereisten Anhang frenetisch gefeierte Entscheidung. Mit einem Pass in die Tiefe schickte der an diesem Tag überragende Holstein-Kapitän Andre Breitenreiter seinen Mitspieler Pavel Dobry auf der linken Seite auf Reisen. Unter dem herauseilenden VfL-Torhüter Langemeyer hindurch spitzelte Dobry den Ball zum letztlich hochverdienten Kieler 3:2-Erfolg ins VfL-Tor.

„In Unterzahl nach einem so unglücklichen Rückstand noch einmal zurück zu kommen, das verdient Anerkennung.“, zeigte sich Erfolgstrainer Frank Neubarth nach dem Spiel hochzufrieden und konnte der Einschätzung seines Osnabrücker Trainer Kollegen Claus-Dieter „Pele“ Wollitz („Holstein war heute Selbstvertrauen pur!“) vollends zustimmen.

Osnabrück: Langemeyer – M. Koch, Schanda, Heidenreich, A. Schäfer (74. Menga) – Schütte (88. Biran), Enochs, Joppe, Kügler – Reichenberger, Feldhoff (77. Flottmann) – Trainer: Wollitz

Kiel: Henzler – Sandmann, Molata, Boy, Spasskov – Niedrig, Breitenreiter – Bartels (75. Grieneisen), Rietpietsch (64. Paulus), B. Lindemann (59. Horn) – Dobry – Trainer: Neubarth

Tore: 0:1 Rietpietsch (39.), 1:1 Feldhoff (47., FE.), 2:1 Feldhoff (59., FE.), 2:2 Boy (67.), 2:3 Dobry (86.)

Schiedsrichter: Sahler (Mutterstadt)

Zuschauer: 5200

Gelb-Rote Karten: Henzler (57.)

Bes. Vorkommnisse: Boy schießt Foulelfmeter am Tor vorbei (75.)

Foto: Pavel Dobry erzielt in der 86. Minute den 3:2-Siegtreffer für die KSV Holstein

(Von der Bremer Brücke berichtet Patrick Nawe)

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