Allen Kielern, die am kommenden Freitag zum Spiel unserer Störche in Düsseldorf anreisen werden, dürfte vor der Merkur Spiel-Arena ein Kunstwerk auffallen, das in dieser Größe im deutschen Fußball seinesgleichen sucht. Geschaffen wurde die monumentale Figur des „Blitzeschleuderers“ 1926 für das damals neu eröffnete Rheinstadion von Hubert Netzer, der zwei Jahrzehnte als Bildhauer an der Düsseldorfer Kunstakademie gelehrt und viele Jahre an der Umsetzung seines Großprojektes gearbeitet hatte. Die Skulptur stellt den altgermanischen Gewittergott Donar dar, der mit seiner rechten Hand Blitze in das Land schleudert.
Der Traum von der zweiten Meisterschaft
Schaut man sich Fotos des Endspiels um die Deutsche Meisterschaft am 22. Juni 1930 zwischen Hertha BSC und der KSV Holstein an, das damals bei über 35 Grad in dem mit über 40.000 Zuschauern prall gefüllten Rheinstadion ausgetragen wurde, dann sieht man im Hintergrund auf der Zuschauertribüne eben jenen Blitzeschleuderer thronen. So kam er in den Genuss, eines der spannendsten Spiele der deutschen Fußballgeschichte live miterlebt zu haben. Zweimal ging Holstein damals mit 2:0 und 3:2 in Führung, konnte dann acht Minuten vor dem Spielende den 4:4-Ausgleich gegen die alte Dame erzielen, um dann in Unterzahl letztlich zwei Minuten vor dem Abpfiff das bittere 4:5 hinzunehmen. Der Traum von der 2. Kieler Meisterschaft nach 1912 war damit geplatzt.


Die Rückkehr 2004
Bis zum Beginn der Umbauarbeiten für die Fußball-Weltmeisterschaft 1974 hatte die Skulptur ihren Platz in der Südkurve des Stadions. Sie musste dann der großen Anzeigetafel weichen. Ein neuer Standort wurde nur wenige Meter entfernt an den Stufen des benachbarten Freibades gefunden. Aber auch dort war bald kein Platz mehr für den „Blitzschleuderer“. 2003/2004 wurde die 1.900 Kilogramm schwere Bronzefigur, die inzwischen unter Denkmalschutz gestellt worden war, in einer Düsseldorfer Kunstgießerei fachgerecht restauriert und kehrte im September 2004 mit der Eröffnung der neuen Arena in die Nähe ihres alten Standortes zurück.
Im Vordergrund der Arena
An seinem neuen Platz – im Kreisverkehr in unmittelbarer Nähe der Merkur Spiel-Arena –weist der Blitzeschleuderer auf einem 3,60 Meter hohen Sockel nun sowohl den Besuchern der Arena wie auch der Messe den Weg. Auch Spaziergänger am Rheinufer sehen die Figur unweigerlich beim Blick auf die Arena im Vordergrund. So wird es auch den zahlreichen Holstein-Fans am Freitag ergehen. Und vielleicht denkt dann ja so mancher Kieler: „Der Junge hat unser Endspiel gesehen!“

Fotos: Holstein Archiv, Jürgen Wolf, Stadt Düsseldorf