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Geschichte und Geschichten: „Wir war´n mal Erste Liga!“

Am kommenden Sonntag um 14 Uhr gastiert Oberliga-Spitzenreiter Holstein Kiel U23 im Stadion an der Geerdtsstraße beim Tabellenzweiten VfR Neumünster. Das Spitzenspiel dürfte eine stattliche Kulisse in die traditionsreiche Arena locken. Die glorreichen Zeiten des VfR Neumünster liegen zwar schon länger zurück, gleichwohl blühten die in der Szene ob ihrer lila-weißen Spieltracht gerne als Veilchen bezeichneten Fußballer auch im neuen Jahrtausend mehr als einmal auf. Wer tief in die Historie des Traditionsvereins VfR Neumünster eintauchen möchte, wird u.a. auch in der kürzlich erschienenen VfR-Chronik mit dem Untertitel „Zwei Farben, eine Liebe“ fündig.

So richtig ging der Stern des VfR Neumünster in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg auf. Als Geburtsstunde einer Jahrzehnte währenden Erfolgsgeschichte gilt der Aufstieg in die Landesliga im Jahr 1951, die der VfR zwölf Monate zuvor noch knapp verfehlt. Die Landesliga war damals nicht nur die höchste Spielklasse in Schleswig-Holstein, sondern die zweithöchste Ebene des deutschen Fußballs zugleich. Die Lila-Weißen mischten gleich von Beginn an richtig gut mit, sicherten sich 1953 den Meistertitel, scheiterten aber knapp in der Aufstiegsrunde zur erstklassigen Oberliga Nord. Zwei Jahre später holten sie dann Versäumtes nach. In einem Entscheidungsspiel zweier punktgleicher Teams besiegten die Veilchen den VfV Hildesheim vor 10.000 Zuschauern auf dem Victoria-Sportplatz in Hamburg. Der VfR war damit erstklassig und spielte künftig gegen die Crème de la Crème des norddeutschen Fußballs.

Goldene Jahre

Acht Jahre lang – von 1955 bis 1963 – nahmen die Neumünsteraner in der Oberliga eine tragende Rolle ein, erst die Einführung der eingleisigen Bundesliga im Jahr 1963 stoppte die Zugehörigkeit der Rasensportler zur Erstklassigkeit. In diese Zeit fielen – natürlich – diverse Höhepunkte der mittlerweile knapp 117-jährigen Vereinsgeschichte. So besiegten die Lila-Weißen am 25. März 1956 den Oberliga-Abonnementsmeister Hamburger SV vor 18.000 Zuschauern, der bis heute größten Heimkulisse in der VfR-Historie, mit 2:0. Die Saison 1958/59 beendeten die Veilchen hinter dem HSV und Werder Bremen sensationell auf Platz 3, im Jahr der Bundesliga-Einführung wurden die Schwalestädter im Windschatten der Topteams Hamburger SV, Werder Bremen und Eintracht Braunschweig Oberliga-Vierter.

1955 gelang dem VfR Neumünster der Aufstieg in die erstklassige Oberliga Nord
im Stadion an der Geerdtsstraße in Neumünster. Im Bild Holsteins Gerd Koll (links) verwandelt einen Strafstoß gegen Neumünsters Torwart Lipp.

„Europapokal“

Bis heute ist der VfR der einzige schleswig-holsteinische Verein, der jemals Pflichtspiele auf europäischer Ebene bestritten hat. Im Rappan-Cup, der Intertoto-Runde, trafen die Rasensportler 1963 in ihrer Staffel auf drei Clubs, die noch heute regelmäßig im Europapokal vertreten sind: Rapid Wien, PSV Eindhoven und Djurgardens IF aus Stockholm. Mit 4:8 Punkten werden die Lila-Weißen Gruppendritter.

Rekordkulisse in Dresden

Ihre Nachfahren werden an die ganz großen Zeiten nicht mehr anknüpfen. Gleich siebenmal scheiterten die „Veilchen“ zwischen 1974 und 1983 in der Aufstiegsrunde zur damals drittklassigen Amateur-Oberliga Nord. In die dritthöchste Spielklasse zogen die Neumünsteraner 2003 ein, in der Regionalliga Nord trafen sie erstmals in ihrer Geschichte in einer Meisterschaftsrunde auf Clubs aus dem Westen und Osten der Republik. Nach dem Aufstieg in die Oberliga 48 Jahre zuvor war das der größte Erfolg in der Vereinshistorie. Apropos Osten: Das Spiel bei Dynamo Dresden am 30. Mai 2004 war mit 28.000 Zuschauern die VfR-Begegnung mit dem größten Besucheransturm überhaupt.

Holsteins heutiger Torwarttrainer Patrik Borger als VfR Keeper am 6 Dezember 2003 gegen den Kieler Sebastian Wojcik machtlos

Wiederaufstieg

Im Jahr 2012 schafften es die Rasensportler nochmals in die – mittlerweile viertklassige – Regionalliga Nord, die sie nach drei Jahren wieder verlassen müssen. 2019 stürzten die Lila-Weißen erstmals in die Sechstklassigkeit ab, drehteen vier Ehrenrunden in der Landesliga und kehrten 2023 in die Oberliga zurück. Nun stehen sie unter Trainer Danny Cornelius mit an der Spitze der höchsten Landesklasse und fordern am Sonntag Spitzenreiter Holstein heraus.

Der aktuelle VfR Trainer Danny Cornelius im Spielerkreis

Titel und Rekorde

Die Visitenkarte des einstigen Erstligisten ist beeindruckend. Siebenmal sichert sich der VfR den Landesmeistertitel, geht 2011 gar als erster ungeschlagener Champion des Landes in die SHFV-Annalen ein. Dreimal gewinnen die Rasensportler den SHFV-Pokal und qualifizieren sich somit 1974, 2004 und 2013 für den DFB-Pokal. Und dann ist da ja auch noch das Masters, an dem die Lila-Weißen im Januar 2026 zum 20. Mal teilnahmen. Mit Marinko Ruzic stellen sie den Masters-Rekordspieler (14 Teilnahmen zwischen 1999 und 2012) und Masters-Rekordtorschützen (18 Treffer) zugleich.

Insgesamt dreimal gewann der VfR Neumünster das LOTTO MASTERS in Kiel
Neumünsters Patrick Amonsah beim LOTTO MASTERS 2007 gegen Fin Bartels

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