Marcel Rapp hat bei Holstein Kiel eine Ära geprägt. Und auch, wenn seit dem 24. Februar feststeht, dass sich die Wege des 46-Jährigen und der KSV Holstein mit sofortiger Wirkung trennen, so wird sein Name immer fest mit einem überaus erfolgreichen Abschnitt unserer Vereinsgeschichte – und natürlich dem historischen Aufstieg in die Bundesliga – verbunden sein.
Als der gebürtige Pforzheimer Anfang Oktober 2021 seinen Dienst als KSV-Trainer antrat, war es abgesehen von vier Spielen, in denen Rapp gemeinsam mit Matthias Kaltenbach und Kai Herdling als Interimstrio die Profis der TSG Hoffenheim betreut hatte, seine erste Station im Herrenbereich. Neun Spiele, acht Punkte, Tabellenplatz 15, ein Punkt Vorsprung auf den Relegationsrang – so lautete die Ausgangssituation, als der ausgebildete Fußballlehrer seinen Posten an der Kieler Förde antrat. Was folgte, war eine Stabilisierung in der restlichen Hinrunde und eine starke Rückrunde, dank der unsere Störche vorzeitig den Klassenerhalt perfekt machten und letztlich die Saison 2021/22 als Tabellenneunter beendeten.


Mit zunehmender Amtszeit wurde Rapps Handschrift immer sichtbarer. Holstein etablierte sich unter dem taktisch versierten und äußerst akribischen Ex-Profi weiterhin in der 2. Bundesliga und stand dabei stets für attraktiven Offensivfußball. „Wir wollen den Ball haben“, war stets sein Motto, welches er seinen Spielern einimpfte. Der Süddeutsche betonte immer wieder, wie wohl er sich im hohen Norden fühle, und erarbeitete sich zusehends den Ruf als Perlentaucher, Talentförderer und Bessermacher, weil es ihm nicht nur kontinuierlich gelang, Nachwuchsspieler derart in ihrer Entwicklung zu fördern, dass sie im Profifußball Fuß fassen konnten, sondern auch gestandenen Akteuren immer wieder neue Impulse zu vermitteln.
Und weil Rapp es mit seiner sympathischen und stets unaufgeregten Art schaffte, sowohl spielerische Abläufe immer weiter zu perfektionieren als auch seine Mannschaft zu einer verschworenen Einheit zu formen, glückte in der Saison 2023/24 der ganz große Coup. Nachdem im Vorjahr in der ersten vollständigen Saison unter Rapp am Ende Rang acht zu Buche gestanden hatte, verfiel knapp zwölf Monate später im Mai 2024 nicht nur Kiel, sondern sicherlich ganz Schleswig-Holstein in einen kollektiven Freudentaumel. Am 11. Mai 2024 machten unsere Störche unter Rapps Leitung durch ein 1:1-Unentschieden am vorletzten Spieltag gegen Fortuna Düsseldorf den vorzeitigen und gleichzeitig historischen Aufstieg in die Bundesliga perfekt. Noch nie zuvor seit der Einführung der Bundesliga im Jahr 1963 hatte unsere KSV den Sprung in die höchste deutsche Spielklasse geschafft – dieser Meilenstein unserer Vereinsgeschichte wird für immer eng mit Marcel Rapp und seinem Trainerteam in Verbindung stehen.


Auch in Liga eins blieb der überaus bodenständige Badener seinem Spielstil treu. Als klarer Außenseiter mit dem kleinsten Etat aller 18 Erstligisten igelte sich seine Mannschaft keinesfalls vor dem eigenen Strafraum ein, sondern bot den besten Klubs des Landes auf spielerische Weise Paroli. Zwar wurde der Klassenerhalt als erster Bundesligist Schleswig-Holsteins knapp verpasst, unsere Störche bescherten ihren Fans aber viele besondere Momente – auch ein Verdienst Rapps, der sich und seiner Devise, als Team selbst auf dem Feld aktiv sein und Fußball spielen zu wollen, stets treu blieb.
Letztlich konnte unsere KSV erhobenen Hauptes den Gang zurück in die 2. Bundesliga gehen, wo sie im bisherigen Saisonverlauf hinter den eigenen Erwartungen zurückblieb. Wenngleich es demzufolge nun zur Trennung von Marcel Rapp kam, so ist ihm ein besonderer Platz in den Geschichtsbüchern unseres Vereins dennoch für immer sicher – als Trainer mit der zweitlängsten Amtszeit (1604 Tage), als prägende Figur einer erfolgreichen Ära und natürlich als Aufstiegstrainer in die Bundesliga.
Alles Gute für die Zukunft und vielen Dank für alles, Marcel Rapp!









