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Ivan Nekić im Porträt: „Ich bin etwas oldschool“ 

Der kroatische Abwehrspieler Ivan Nekić musste in seiner bisherigen Zeit in Kiel gleich mehrere Rückschläge hinnehmen – und arbeitete sich dennoch zurück in die Startelf.

Es gibt sicherlich bessere Debüts als jenes, das Ivan Nekić im Trikot unserer KSV erlebte. Nachdem der im kroatischen Zadar geborene Abwehrspieler Mitte Januar 2025 ins Storchennest gewechselt war, kam der 25-Jährige in den ersten drei Partien zunächst nicht zum Einsatz. Aber dann: Am 16. Februar 2025 stand er im Bundesliga-Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt in der Startelf, musste jedoch nach 72 Minuten verletzt ausgewechselt werden. Statt weitere Einsatzminuten in der höchsten deutschen Spielklasse zu sammeln, verbrachte Nekić die folgenden Monate aufgrund einer hartnäckigen Muskelverletzung hauptsächlich mit Reha-Training, sodass er seine neuen Teamkollegen im Kampf um den Klassenerhalt nicht mehr unterstützen konnte.  

Ivan Nekić wechselte im Januar 2025 ins Storchennest.
Nach seiner Verletzung arbeitete der Kroate auf sein Comeback hin.
Der Abwehrspieler bei seinem Pflichtspieldebüt im Februar 2025 gegen den damaligen Frankfurter Hugo Ekitiké.

„Ich hatte vorher eine ganz ordentliche Saison in Kroatien gespielt und daraufhin im Winter mehrere Angebote erhalten, wovon das aus Kiel am besten für mich passte“, blickt Nekić, der vom kroatischen Erstligisten NK Varazdin an die Kieler Förde kam, zurück. Natürlich habe es ihn gereizt, mit Holstein in der Bundesliga zu spielen, so der 1,85 Meter große Verteidiger. „Umso bitterer war es für mich, dass ich mich direkt in meinem ersten Bundesliga-Spiel verletzt habe und anschließend im weiteren Saisonverlauf der Mannschaft nicht mehr helfen konnte“, hadert Nekić.  

Auf das Comeback folgte ein nächster Rückschlag

Doch der frühere U17-Nationalspieler Kroatiens steckte nicht auf, arbeitete hart an seinem Comeback – und tauchte im ersten Spiel nach Holsteins Rückkehr in die 2. Bundesliga bei der Auswärtspartie beim SC Paderborn prompt wieder in der Anfangsformation auf. Doch auch hier ließ der Rückschlag nicht lange auf sich warten. Nekić stand zwar in seinem zweiten Pflichtspiel im KSV-Trikot im Gegensatz zu seinem Debüt über die volle Distanz auf dem Feld, konnte aber gemeinsam mit seinen Teamkollegen einen späten Gegentreffer in der Nachspielzeit nicht verhindern, sodass der Saisonauftakt ob der 1:2-Niederlage bei den Ostwestfalen misslang.

Beim Auftakt der laufenden Saison stand Nekić (2. v. li.) in der Startelf.
Anschließend musste der 25-Jährige längere Zeit auf einen Ligaeinsatz warten.

„Die aktuelle Saison hat nicht gut für mich begonnen. Nachdem ich gegen Paderborn in der Startelf stand, habe ich anschließend viele Spiele auf der Bank gesessen, ohne zum Einsatz zu kommen. Das war natürlich keine einfache Zeit für mich“, verrät der Innenverteidiger, der nach der Auftaktniederlage auch in den folgenden elf Zweitligaspielen im Kader stand, aber kein einziges Mal zum Einsatz kam. Doch der Rechtsfuß blieb sich treu und arbeitete weiter hart auf seinen nächsten Einsatz hin. „Ich bin etwas oldschool. Intensive Zweikämpfe, Tacklings und Eins-gegen-Eins-Duelle – das sind meine Qualitäten. Darüber hinaus gebe ich immer alles auf dem Platz und versuche stets, meine Mitspieler mitzureißen und sie zu motivieren. Ich denke, dass auch meine Mentalität eine meiner größten Stärken ist“, sagt Nekić über sich selbst. 

Debüttor als Weihnachtsgeschenk

Er habe nie aufgegeben, sondern sich weiterhin immer im Training voll reingehauen und auf seine Chance gewartet. Und diese kam: Nach über drei Monaten ohne Zweitliga-Einsatz wurde Nekić an den Spieltagen 13 bis 15 stets im Laufe der zweiten Halbzeit eingewechselt. Bei seiner zweiten Ligapartie von Beginn an platzte schließlich der Knoten: Der robuste Abwehrmann zeigte im Heimspiel gegen Dynamo Dresden nicht nur eine starke Leistung, sondern krönte diese auch mit seinem ersten Tor im KSV-Trikot, was gleichzeitig der 2:1-Siegtreffer war, sodass er nicht nur sich, sondern auch dem gesamten Verein und allen Holstein-Fans im letzten Spiel des Jahres ein vorweihnachtliches Geschenk machte.  

Bei seinem Startelf-Comeback gegen Dynamo Dresden erzielte Nekić (5. v. li.) prompt per Kopf das Siegtor.
Zuvor hatte sich der Innenverteidiger durch gute Leistungen im Training angeboten.

„Dieses Tor war etwas ganz Besonderes für mich“, erinnert sich Nekić noch bestens an seinen Kopfballtreffer nach einer Ecke zu Beginn der zweiten Halbzeit. Er habe sowohl sich als auch allen anderen beweisen wollen, dass er nicht auf die Bank gehöre, verrät der sympathische Kroate mit einem Lächeln. Das sahen in der Folge auch die Trainer so: Sowohl unter Ex-Coach Marcel Rapp als auch unter dessen Nachfolger Tim Walter stand Nekić seitdem stets in der Startelf. Mit seinen Nebenleuten ist der 25-Jährige zu einem eingespielten Team geworden – auf und neben dem Platz. „Ich verstehe mich mit jedem aus der Mannschaft gut, aber natürlich hilft es, die gleiche Sprache zu sprechen“, sagt der Kroate im Hinblick auf seine Abwehrkollegen David Zec (Slowenien) und Marko Ivezic (Serbien). „Wir verbringen auch abseits des Platzes viel Zeit miteinander, gehen regelmäßig Kaffee trinken und unterstützen uns nicht nur auf dem Feld, sondern auch privat“, so Nekić weiter.  

Der Defensivspieler ist sich dem Ernst der aktuellen Lage durchaus bewusst. „Leider sind wir jetzt in dieser Situation, dass wir darum kämpfen müssen, in der Liga zu bleiben. Aber wir haben noch sechs Spiele, um Punkte zu holen. Es liegt komplett an uns selbst, dieses Ziel zu erreichen. Wir haben in den vergangenen Spielen gute Leistungen gezeigt, aber zu wenig Punkte geholt. Sicherlich hat hier und da auch manchmal vielleicht ein wenig Glück gefehlt, aber umso glücklicher bin ich, dass wir zuletzt in Bochum drei Punkte mitnehmen konnten. Das war ein sehr wichtiger Erfolg“, rekonstruiert Nekić die zurückliegenden Wochen und strahlt zugleich Optimismus aus: „Aber ich mir sicher: Wenn wir so weitermachen, mit diesem Willen und dieser Mentalität, werden die Siege und somit auch die Punkte kommen.“ Bei diesem Plan kann ein Verteidiger, der „etwas oldschool“ ist, sicherlich nicht schaden… 

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