Am kommenden Sonntag könnte es vielleicht den ein oder anderen Fan geben, der sich verwundert die Augen reibt und sich fragt, ob er bei der richtigen Sportart gelandet ist: Denn wenn Dynamo Dresden um 13:30 Uhr im Holstein-Stadion gastiert, könnte man annehmen, statt eines Fußballspiels einen Marathon zu sehen. Die SGD hat nicht nur laufstarke Beine im Gepäck, sondern auch vier ehemalige KSV-Spieler.
990,97 Kilometer hat die Mannschaft von Thomas Stamm bislang in dieser Saison abgespult. Das entspricht in etwa der Distanz vom heimischen Rudolf-Harbig-Stadion zu unserem Holstein-Stadion und zurück. Von den im Durchschnitt 123,9 Kilometern pro Spiel werden jedoch nur wenige Meter auf Höchstgeschwindigkeit absolviert. Nur der SV Darmstadt 98 sprintet noch weniger als Dresden. Als bester Dauerläufer der Sachsen sticht mit Robert Wagner ein Ex-Kieler heraus, der mit 97,71 Kilometern im Ligavergleich Rang zwei belegt.


Der Mittelfeldspieler trug in der Hinrunde der Vorsaison das KSV-Trikot, ehe er sich zunächst auf Leihbasis der Spielgemeinschaft aus Dresden anschloss. Dort war er gemeinsam mit den weiteren Winter-Leihgaben Ben Bobzien, dem KSV-Eigengewächs Jonas Sterner, Jason Ceka und Thomas Keller ein wesentlicher Faktor, warum Dynamo eine grandiose Rückrunde spielte und schlussendlich die Klasse hielt. Bis auf Ceka konnten in diesem Sommer die Unterschiedsspieler gehalten werden. Doch die positive Energie aus der starken Rückrunde und den Festverpflichtungen konnte erst einmal nicht mit in die neue Spielzeit genommen werden. Zum Saisonstart gelang es, mit der Laufstärke und einem sauberen Passspiel – ligaweit die meisten gespielten Pässe und die drittbeste Passquote – grundlegende Tugenden auf den Platz zu bringen. Mit acht Punkten aus den ersten acht Spielen verlief der Saisonstart des von Ex-Profi und TV-Experten Felix Kroos genannten Aufstiegsgeheimfavoriten jedoch etwas schleppend.
Neben Wagner auch Schreiber, Hauptmann und Sterner im Fokus
Vor der vergangenen Länderspielpause blieb der Torerfolg zu häufig aus und hinten kassierte die Mannschaft zu viele Gegentore. So folgten in der spielfreien Zeit Umstellungen, die fruchteten. Zuletzt konnten gegen VfL Osnabrück (1:1) und im Elb-Clasico gegen den 1. FC Magdeburg (2:0) vier Punkte geholt werden. Eine der Veränderungen ist jedoch zum Leidwesen eines anderen Ex-Storches: Tim Schreiber. Der Keeper, der in der Saison 2022/23 auf Leihbasis für unsere KSV auflief, hatte sich in den vergangenen beiden Saisons als Nummer eins in Dresden etabliert. In den ersten sechs Punktspielen musste er 14-mal hinter sich greifen. Um einen neuen Impuls in der Hintermannschaft zu setzen, nahm Thomas Stamm einen Wechsel auf der Torhüterposition vor. Lennart Grill rückte in den vergangenen zwei Spielen in den Kasten.


Weiterhin genießt Niklas Hauptmann volles Vertrauen des Schweizer Trainers. Der Mittelfeldspieler, der aus der Dresdner Jugend stammt, hatte im Sommer das Kapitänsamt nach Stefan Kutschkes Karriereende übernommen. In dieser Saison geht er bislang als notenbester Spieler der Dresdner (kicker-Durchschnittsnote 3,06) voran und war an drei Toren beteiligt. Zuletzt brachte er Dynamo durch seinen Elfmeter gegen Magdeburg in Führung. An die Förde hatte es Hauptmann, den es zwischenzeitlich zum 1. FC Köln gezogen hatte, ebenfalls per Leihe verschlagen. In der Spielzeit 2020/21 war er in 37 Spielen in Blau-Weiß-Rot unterwegs und scheiterte mit der KSV nur knapp am Bundesliga-Aufstieg.


Einen Scorer mehr als Hauptmann hat bereits Jonas Sterner auf dem Konto. Der Rechtsverteidiger durchlief die Jugendmannschaften unserer Störche und kam anschließend auf 38 Einsätze für die Profis. In der Saison 2023/24 gelang Sterner mit unseren Störchen der Aufstieg in die Bundesliga. Den gebürtigen Husumer hatte es daraufhin zweimal auf Leihbasis nach Dresden und zwischenzeitlich auch nach Hannover gelockt, ehe im Sommer ein fester Transfer zu Dynamo folgte. Zu Beginn dieser Saison hatte der 24-Jährige mit Formschwankungen zu kämpfen, hat sich dieser Tage aber wieder gefangen und ist aktuell hinten rechts gesetzt.


Ein Storch mit SGD-Vergangenheit
Im aktuellen Holstein-Kader hatte Phil Harres seine Zelte in Elbflorenz aufgeschlagen. Für die U19 der SGD lief er 22-mal auf, dazu kam er auf drei Einsätze für die Lizenzmannschaft. In der vergangenen Saison hieß es für den Stürmer zweimal, gegen den Ex-Verein anzutreten. Vielleicht hat es ihm ein Stückchen Extra-Motivation gegeben, denn sowohl im Hin- als auch im Rückspiel traf er jeweils einmal.
