Am 20. Januar 2026 wäre mit Georg P. Blaschke einer der vielleicht bedeutendsten Funktionäre unserer Vereinsgeschichte 150 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass hat unsere KSV Holstein am Dienstag bei einer feierlichen Gedenkveranstaltung zu seinen Ehren eine Gedenktafel an seinem ehemaligen Wohnhaus in der Dänischen Straße 24 aufgehängt – und so einen weiteren Erinnerungsort der Kieler und deutschlandweiten Fußballgeschichte geschaffen.
„Wir haben uns heute hier eingefunden, um diesem großen Fußballpionier – denn genau das war Georg P. Blaschke – zu gedenken. Uns als Verein ist es ein großes Anliegen, sein Andenken zu bewahren. Deshalb wollen wir heute, am 150. Jahrestag seines Geburtstages, eine Gedenktafel vor seinem früheren Wohnhaus enthüllen“, eröffnete KSV-Präsident Steffen Schneekloth die Gedenkfeier im benachbarten Lüneburg-Haus. Dort waren zahlreiche geladene Gäste zusammengekommen, darunter auch Familienmitglieder Blaschkes, um an den Gründervater der KSV zu erinnern. Vor Ort lauschten die Anwesenden drei Kurzvorträgen: Club-Historiker Patrick Nawe sowie die Historiker Jürgen Weber und Rolf Fischer gaben dabei eindrucksvolle Einblicke in Leben und Wirken Blaschkes als Fußballpionier, Sportfunktionär und Kieler Stadtrat.
Anschließend wurde die Gedenktafel vor dem Hauseingang von Blaschkes ehemaligem Wohnhaus in der Dänischen Straße 24 von seinen Ururenkeln Justus und Annika Blaschke enthüllt. Auf der 37 cm × 55 cm großen Bronzetafel sind die wichtigsten Meilensteine seines Wirkens verewigt.


Blaschkes Leben und Wirken
Der 1876 im schlesischen Glatz geborene Georg P. Blaschke kam als junger Mann nach Kiel, war einer der Mitbegründer des 1. Kieler Fußballvereins von 1900 und erzielte in Lübeck das erste Tor unseres heutigen Traditionsvereins. Von seinen Mannschaftskameraden aufgrund seiner eher geringen Körpergröße liebevoll „Little“ genannt, entwickelte sich Blaschke zu einem der großen Gründerväter des Fußballs. So trug Blaschke 1917 etwa maßgeblich zur Fusion des 1. KFV und dem SV Holstein zur heutigen KSV Holstein bei und führte den Verein anschließend durch die turbulente Nachkriegszeit und konsolidierte ihn sportlich wie wirtschaftlich.
Doch nicht nur in Kiel war sein Wirken als Vorreiter bei der Etablierung des Fußballs spürbar. So war der Fußballpionier als Gründer und Initiator an der Entstehung des Verbands der Kieler Fußballvereine 1903 sowie des Norddeutschen Fußballverbandes 1905 beteiligt. Darüber hinaus engagierte Blaschke sich auch für den Deutschen Fußball-Bund (DFB): Von 1910 bis 1928 war er Schriftführer des DFB und von 1916 bis 1927 auch ehrenamtlicher Geschäftsführer. Daher fungierte Kiel während seiner Amtszeit als Standort der Geschäftsstelle des DFB. Zunächst war diese in seinem Wohnhaus in der Dänischen Straße, wo nun auch die Gedenktafel hängt, später im Sophienblatt. Als er 1924 zum ehrenamtlichen Stadtrat gewählt wurde, konnte Blaschke den Fußball noch weiter fördern.
1928 übernahm er den Vorsitz des Norddeutschen Fußball-Verbandes. Am 5. Mai 1929 verstarb Georg Blaschke im Alter von 53 Jahren an einer Lungenentzündung. Bereits ein Jahr zuvor wurde der Werftpark-Sportplatz ihm zu Ehren in „Blaschkeplatz“ umbenannt. Georg P. Blaschke ist zudem Ehrenmitglied des DFB.
Historiker Rolf Fischer würdigte Blaschkes Bedeutung für Kiel und den Fußball: „Er verband Politik, Verwaltung und Sport auf einzigartige Weise. Als ehrenamtlicher Stadtrat konnte er ab 1924 die Sportpolitik der Stadt aktiv mitgestalten. Die Benennung des Blaschkeplatzes 1928 steht sinnbildlich für seinen großen Einfluss und seine Verdienste um Kiel.“
„Ein weiter Erinnerungsort, der die KSV eindrucksvoll repräsentiert“
Das Aufstellen der Gedenktafel stellt ein weiteres Puzzlestück in der Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart dar. „Personen wie Georg P. Blaschke spiegeln die gesamte Bandbreite der gesellschaftlichen Bedeutung unseres Vereines im historischen Kontext der Stadtgeschichte eindrucksvoll wider. Gerade auch jetzt in diesen doch sehr bewegten und politisch komplexen Zeiten“, erklärt KSV-Historiker Patrick Nawe. „Für viele Holstein-Anhänger und natürlich auch für mich als Clubhistoriker besitzen die Aktivitäten rund um den 150. Geburtstag unserer Vereinsikone Georg P. Blaschke große Symbolkraft. Umso schöner, dass es nun mit der Gedenktafel in der Dänischen Straße einen weiteren Erinnerungsort, der die Kieler Sportvereinigung eindrucksvoll repräsentiert, gibt.“
Andreas Breitner, Aufsichtsvorsitzender der KSV Holstein, blickt auf einen weiteren gelungenen und wertvollen Akt des Erinnerns zurück: „Die Jubiläumsveranstaltungen rund um 125 Jahre Holstein Kiel haben gezeigt, dass die KSV mehr als ein x-beliebiger Zweitligist ist, sondern einer der großen Traditionsvereine im deutschen Fußball. Dazu passt, dass Georg P. Blaschke nicht nur unseren Verein, sondern gleich den ganzen DFB aus der Taufe gehoben hat“, stellt Breitner das Wirken von Blaschke noch einmal heraus und führt die Bedeutung des Erinnerns daran weiter aus.
Das Haus in der Dänischen Straße 24 gehört heute Nana Petrick, die die Idee einer Gedenktafel von Beginn an begeistert aufnahm: „Für mich ist das Haus deswegen so besonders, weil es Alt-Kiel repräsentiert. Dazu kommt der historische Hintergrund, der nun dank der Gedenktafel greifbarer wird.“
Fan-Choreo und Kranzniederlegung
Zum Rückrundenauftakt gegen Paderborn am vergangenen Sonntag hatten die Holstein-Fans bereits auf ihre Weise an Blaschke erinnert und ihm eine beeindruckende Choreografie gewidmet.


Am heutigen Dienstagvormittag wurde zudem an Blaschkes Grab ein Gedenkkranz von Vertretern aus allen Bereichen des Vereinslebens sowie Urenkel Frank Blaschke niedergelegt. Der Kranz wurde vom Block 501, in Zusammenarbeit mit der KSV Holstein und dem Traditionsclub gestiftet.
Holstein Kiel History-Sammelkarten
In unregelmäßigen Abständen geben wir Autogrammkarten ehemaliger Spieler und Funktionäre unserer KSV Holstein in limitierter Auflage heraus. Erhältlich sind sie im Fanshop am Holstein-Stadion zum Preis von 50 Cent pro Stück. Neben den attraktiven Titelmotiven bieten die Rückseiten der Sammelkarten die wichtigsten Informationen zu unseren „Helden“ der Vereinsgeschichte.
Den Auftakt macht Vereinsikone Georg P. Blaschke: Seine Sammelkarte ist ab Mittwoch, 21. Januar, um 12 Uhr erhältlich.














