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Geschichte und Geschichten: Als das Saarland von der WM träumte

Mit dem 1. FC Saarbrücken (fünf Saisons), Borussia Neunkirchen und dem FC Homburg (beide drei Spielzeiten) hat das beschauliche Saarland bislang drei Bundesligisten hervorgebracht. Seit dem Abstieg der Saarbrücker im Sommer 1993 wartet das flächenmäßig viertkleinste Bundesland mit seinen rund eine Millionen Einwohnern auf ein sportliches Comeback in der Beletage des deutschen Fußballs. Im vergangenen Jahr scheiterte die SV Elversberg nur knapp in der Relegation am 1. FC Heidenheim (2:2/1:2). In dieser Saison klopft „Die Elv“ erneut an das Tor zum Fußball-Oberhaus – Einblicke in die schillernde Fußballgeschichte einer häufig unterschätzten Fußball-Region

Die Wirtschaftsgeschichte des Saarlandes ist untrennbar mit seiner Grenzlage zwischen Deutschland und Frankreich sowie dem Aufstieg und Fall der Kohle- und Stahlindustrie verbunden. Über Jahrzehnte war das Land durch seine Rohstoffvorkommen ein geopolitischer Zankapfel, bevor es sich zu einem modernen Industriestandort mit Fokus auf Automobilbau und Hochtechnologie entwickelte. Im Fußball führte das Saarland oft ein Schattendasein. Doch Anfang der 1950er Jahre träumte die gesamte Region von der Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft – ein echtes Fußballmärchen.

Im März 1954 fand das größte Spiel in der Fußballgeschichte des Saarlandes statt.
Das alte Stadion an der Kaiserlinde im Frühjahr 2014.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Saarland ein autonomer Saarstaat unter französischer Verwaltung (1947–1956), bevor es 1957 im Rahmen der „kleinen Wiedervereinigung“ das zehnte Bundesland der noch jungen Bundesrepublik Deutschland wurde. Von 1950 bis 1956 absolvierte das Saarland als Mitglied der FIFA insgesamt 19 offizielle Länderspiele, darunter vier Qualifikationsspiele zur Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz. Highlights der saarländischen Fußballgeschichte waren dabei sicherlich die beiden Duelle gegen die DFB-Elf, die dann beim „Wunder von Bern“ erstmals den WM-Titel gewinnen konnte.

Am 24. Juni 1953 war das Saarland mit einem 3:2-Sieg in Norwegen erfolgreich in die WM-Qualifikation gestartet, und so blickte ganz Fußball-Deutschland am 11. Oktober 1953 in das prall gefüllte Stuttgarter Neckarstadion. Hatte das Saarland beim 0:3 gegen den späteren Weltmeister nur wenig entgegenzusetzen, verlief das Rückspiel vor 53.000 Zuschauern am 28. März 1954 im Saarbrücker Ludwigsparkstadion deutlich enger. Deutschland siegte letztlich mit 3:1, aber das Spiel gilt bis heute als Höhepunkt der saarländischen Fußballgeschichte.

Das Saarland brachte mehrere herausragende Persönlichkeiten des nationalen und internationalen Fußballs hervor – DFB-Präsident Hermann Neuberger (Amtszeit von 1975-1992), der 1974er-Weltmeister-Trainer Helmut Schön sowie der 1980er Europameister-Trainer Jupp Derwall, um nur einige zu nennen. Herbert Martin galt lange als einer der besten Spieler, die das Saarland jemals hervorgebracht hat. Martin war Rekordtorschütze der saarländischen Nationalmannschaft (6 Tore in 17 Spielen) und eine Legende des 1. FC Saarbrücken. Der in Neunkirchen geborene Stürmer Stefan Kuntz gilt als Europameister (1996), Deutscher Meister (1991), Pokalsieger (1990) und zweifacher Bundesliga-Torschütze des Jahres (1986 und 1994) als erfolgreichster saarländischer Fußballer aller Zeiten.

Mit einem Aufstieg der SV Elversberg würden sich die Spieler sicherlich einen Eintrag in die Geschichtsbücher des Saarlandes sichern – und an die große Fußballtradition der Montanmetropole anknüpfen.

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