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Geschichte und Geschichten: Fritz Walter auf dem Holsteinplatz

Die Saison 1952/53 in der erstklassigen Oberliga Nord war neben der Bundesliga-Aufstiegssaison 2023/24 die erfolgreichste Spielzeit der Holstein-Nachkriegsgeschichte. Schon die Herbstmeisterschaft in der erstklassigen Oberliga Nord konnten sich die Störche damals kurz vor Weihnachten durch einen schier unglaublichen 5:0-Auswärtssieg beim glorreichen HSV am Rothenbaum erkämpfen. Am 7. Juni 1953 gastierte dann der 1. FC Kaiserslautern mit der legendären Walter-Elf im Rahmen der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft auf dem Holsteinplatz.

Diese acht Mannschaften standen 1953 in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft.
Als Nord-Vize zog Holstein 1953 in die DM Endrunde ein.

28.000 gegen den HSV

Am vorletzten Spieltag sicherten sich die Störche dann vor über 30.000 Zuschauern im Bremer Weserstadion die Vizemeisterschaft im Norden. Einen 0:1-Rückstand drehte die KSV in der Schlussphase. In der 73. Minute gelang Emil Schildt zunächst das 1:1 und 120 Sekunden vor dem Ende war Emil Maier zur Stelle und erzielte den kaum noch für möglich gehaltenen Siegtreffer für die Mannschaft von Trainer Helmut Tauchert. Was folgte, waren Bremer Proteste gegen die Wertung des Spiels und sogar Vorwürfe, Holstein hätte den Schiedsrichter bestochen. Den Störchen war das völlig egal. Sie schlugen am letzten Spieltag den bereits als Meister feststehenden HSV vor 28.000 Zuschauern auf dem Holsteinplatz mit 3:1 und feierten die erste Endrunden-Teilnahme seit zehn Jahren begeistert. Damit gehörte die KSV im Sommer 1953 wieder zu den acht besten Mannschaften in Deutschland.

Kaiserslauterns Fritz Walter (v. li.) und Torhüter Willi Hölzl beim Einlaufen.
Die Kaiserslauterer Werner Kohlmeyer (Nr. 3), Torwart Willi Hölzl und Horst Eckel (Nr. 4) können den 2:3-Anschlusstreffer des Kielers Emil Maier nicht verhindern.

50.000 in Ludwigshafen

Riesig war die Euphorie in der sieben Jahre zuvor zur Landeshauptstadt bestimmten Marinestadt an der Förde. Und groß war das Selbstvertrauen der KSV um Torwartdenkmal Henry Peper vor dem Beginn der Endrunde. Mit dem 1. FC Köln, dem 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Frankfurt hatte Holstein eine bärenstarke Gruppe mit namhaften Traditionsvereinen erwischt. In der zweiten Vorrunden-Gruppe trafen der Hamburger SV, der VfB Stuttgart, Borussia Dortmund und der SC Union 06 Berlin aufeinander. Zwar kassierten die Störche zum Endrunden-Auftakt vor mehr als 50.000 Zuschauern in Ludwigshafen gegen den 1. FC Kaiserslautern um die späteren Weltmeister Fritz und Ottmar Walter, Werner Liebrich und Horst Eckel eine knappe 1:2-Niederlage, doch die deutsche Fußballpresse war voll des Lobes für den Nord-Vize.

Holsteins Schlussmann Henry Peper (re.) klärt vor dem Lauterer Stürmer Willi Wetzel, links beobachtet Kiels Heinz Grunewald die Szene.
Die Lauterer Erich Folz (li.) und im Hintergrund Karl Wanger kommen zu spät gegen Kiels Torhüter Henry Peper (re.).

Meisterschaft und WM-Titel

Letztlich erwies sich die Konkurrenz aus Köln, Frankfurt und Kaiserslautern als zu stark. Holstein konnte nur beim 2:2 vor heimischer Kulisse gegen Frankfurt punkten. Doch zum Abschluss der Vorrunde kam es noch einmal zu einem großen Highlight auf dem Holsteinplatz – Fritz Walter wurde in Kiel erwartet. Noch einmal strömten über 15.000 Zuschauer zum sportlich bedeutungslosen Spiel, denn alle wollten die größte Persönlichkeit des deutschen Fußballs live erleben. Die Roten Teufel siegten letztlich mit 4:2 in Kiel und sicherten sich zwei Wochen später vor 80.000 Zuschauern im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft in Berlin gegen den VfB Stuttgart durch einen 4:1-Erfolg den Titel. Ein Jahr später gewannen fünf Lauterer Meister um Fritz Walter auch den WM-Titel in Bern und die Fußball-Legende nahm ihren Lauf.

Holsteins Paul Gräf (li.) und Fritz Walter bei der Seitenwahl
Erinnerung an die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1953.
Der Meisterwimpel des Jahres 1953.
“kicker”-Titelseite aus dem Lauterer Meisterjahr 1953.

Fotos: Schenk/Stadtarchiv Kiel.

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