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Geschichte und Geschichten: Historische Fußball-Kultstätte Karlsruhe

Wenn unsere Mannschaft und ein rappelvoller Sonderzug am Wochenende aus der Landeshauptstadt in Richtung Karlsruhe reisen, ist es eine Fahrt in eine historische Fußball-Kultstätte. An kaum einem Ort in Deutschland hat sich die „Fußlümmelei“, wie sie einst zu Gründerzeiten nicht nur auf den Schulhöfen und Rasenflächen der Fächerstadt genannt wurde, derart in die Geschichte eingebrannt. Und damit ist nicht nur die Tatsache gemeint, dass es außer Karlsruhe keine andere deutsche Stadt jemals geschafft hat, zwei Meisterschaften mit zwei Clubs in zwei aufeinanderfolgenden Spielzeiten zu gewinnen.

Auch wenn die Fußballfans in Karlsruhe seit nunmehr 17 Jahren auf die Rückkehr in die 1. Bundesliga warten und man zwischenzeitlich sogar den Abstieg in die Drittklassigkeit ertragen musste, gehört die Stadt hierzulande in Sachen Fußball immer noch zu den historisch bedeutendsten. Auf einem Rundgang durch die mit rund 309.000 Einwohnern drittgrößte Stadt Baden-Württembergs passiert man zahlreiche Kultstätten der deutschen Fußballgeschichte. Dass dabei dem Journalisten und kicker-Gründer Walther Bensemann sowie dem einstigen Mitbegründer des 1. Kieler Fußball-Vereins von 1900, Arthur Beier, eine besondere Bedeutung zukommt, macht das Ganze für unsere eigene Vereinsgeschichte umso spannender.

Auf dem Schulhof des Bismarck Gymnasiums rollte erstmals der Ball.
Mit dem Karlsruher Artur Beier schug 1900 die Geburtsstunde des organisierten Fußballs in Kiel.

Fakten aus der 137-jährigen Karlsruher Fußballgeschichte

1889 sorgte ein zerbrochenes Fenster des heutigen Bismarck-Gymnasiums quasi für den ersten „Volltreffer“ – das erste „Tor“ der Karlsruher Fußballgeschichte.

Im November 1899 wurde vor rund 5.000 Zuschauern eines von sieben Ur-Länderspielen ausgetragen. Als Ur-Länderspiele werden die sieben Fußball- „Länderspiele“ bezeichnet, die deutsche Auswahlmannschaften in der Zeit zwischen 1898 und 1901 gegen französische und englische Auswahlteams austrugen und die damit vor dem ersten offiziellen Länderspiel 1908 gegen die Schweiz stattfanden.

Am 17. November 1891 wurde auf dem Engländerplatz der Karlsruher FV gegründet, der 1905, 1910 und 1912 im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft stand und sich 1910 gegen unseren FV Holstein den Titel sichern konnte.

Im Jahre 1900 wurde der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gegründet, zu dessen 86 Gründungsvereinen auch der Karlsruher FV, der Karlsruher FC Südstadt und Phönix Karlsruhe, einer der beiden Vorgängervereine des heutigen KSC, zählten.

1905 wurde der legendäre Platz an der Telegrafenkaserne durch einen 8:0-Sieg des KFV gegen den FC Zürich eingeweiht. In der Folgezeit avancierte der Platz an der Telegrafenkaserne zu einem der populärsten Austragungsorte der jungen Sportart Fußball. Das Spiel der deutschen Auswahl am 4. April 1909 war nicht nur das erste offizielle Länderspiel, das dort stattfand, sondern gleichzeitig auch im sechsten Spiel der erste Sieg (1:0 gegen die Schweiz) der DFB-Elf.

Auf dem Engländerplatz wurde 1891 der Karlsruher FV gegründet.
Im Stadion an der Telegrafenkaserne feierte die deutsche Nationalmannschaft 1909 ihren ersten Sieg.

1909 gewann Phönix Karlsruhe – Vorgängerclub des KSC – in Breslau den Titel des Deutschen Meisters. Mit dabei war damals auch Arthur Beier, der am 7. Oktober 1900 als Kieler Student auch bei der legendären Zugfahrt nach Lübeck dabei war, um den 1. Fußball-Verein zu gründen.

Dem Karlsruher Fußball-Experten und Journalisten Thomas Staisch gelang 2013 in London ein bemerkenswerter Fund: Filmaufnahmen vom Halbfinale der Deutschen Meisterschaft zwischen Phönix Karlsruhe und dem Karlsruher FV vom 1. Mai 1910 – sie sind bis heute die ältesten bewegten Bilder im deutschen Fußball.

Stadtduell im Halbfinale der Deutschen Meisterschaft 1910 zwischen dem Karlsruher FV und Phönix Karlsruhe.
Deutscher Meister 1910: Karlsruher FV.

Aber natürlich hat die Stadt auch in der Fußball-„Neuzeit“ so einiges zu bieten. 1955 und 1956 sicherte sich der Karlsruher SC den DFB-Pokal. Eine Titelverteidigung im Pokal gelang in der deutschen Fußballgeschichte ansonsten nur dem Dresdner SC, dem FC Bayern, Eintracht Frankfurt, dem 1. FC Köln, Fortuna Düsseldorf, dem FC Schalke 04 und RB Leipzig.

Das größte Fußballspiel der Karlsruher Geschichte indes war jedoch das „Wunder vom Wildpark“ im UEFA-Pokal-Spiel am 2. November 1993 zwischen dem Karlsruher SC und dem FC Valencia. Nach der 1:3-Hinspielniederlage in Spanien gelang im Rückspiel durch einen rauschhaften 7:0-Erfolg unter Trainer Winfried Schäfer und mit Spielerpersönlichkeiten wie Oliver Kahn, Wolfgang Rolff, Edgar „Euro Eddi“ Schmitt und Sergej Kirajkow der Einzug in das Achtelfinale.

Alle erwähnten Orte lassen sich noch heute in Karlsruhe besuchen und sind zum Teil mit Gedenktafeln versehen.

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