Hinter dem ersten Pokalgegner unserer Störche liegen bewegte Monate. Nach einem Lizenzentzug und einem laufenden Insolvenzverfahren spielt der TSV 1860 München, seines Zeichens Bundesligagründungsmitglied, Deutscher Meister von 1966, Europapokalfinalist und zuletzt langjähriger Drittligist, seit dieser Saison in der Regionalliga Bayern. Dabei sind nicht nur zahlreiche Spieler neu, sondern auch das Vereinswappen. Geblieben und sogar noch gewachsen sind die Treue und der Zusammenhalt der Fans.
In den vergangenen Jahren zählte der TSV 1860 München stets zu den Aufstiegsaspiranten der 3. Liga. Der Sprung eine Etage höher wurde jedoch immer wieder verpasst. Die Sechzger spielten zuletzt in der Saison 2016/17 in der 2. Bundesliga. Nach dem sportlichen Abstieg aus der 2. Bundesliga erhielten sie keine Lizenz für die 3. Liga, sodass es für die Löwen zwangsweise in die Regionalliga ging.

Nachdem sich 1860 seit 2018 wieder in der 3. Liga etabliert hatte und die vergangene Saison auf einem Rang acht abgeschlossen hatte, ereilte die Löwen ein ähnliches Schicksal. Im Mai dieses Jahres konnte die Drittliga-Lizenz nicht erworben werden und Investor Hasan Ismaik sprang nicht ein. Dieses Mal hatte es tiefgreifende Folgen. Nach über 15 Jahren kündigte 1860 die Kooperation mit Ismaik. Der bei den Fans ungeliebte Investor behielt allerdings die Merchandise-Rechte, unter anderem am bekannten Vereinswappen mit dem Löwen. Daraufhin griff man auf das historische „FA-Wappen“ (FA steht für Fußballabteilung) zurück, das erstmals 1919 genutzt wurde.
Nur wenige Spieler sind geblieben
Gleichzeitig hatten der Zwangsabstieg und das Insolvenzverfahren auch Auswirkungen auf den Kader des TSV. Insgesamt 24 Spieler verließen den Verein im Sommer. Einige von ihnen haben einen neuen Verein in der 3. Liga oder einer höheren Liga gefunden, andere suchen nach der Vertragsauflösung noch nach einem neuen Arbeitgeber. Nur wenige Spieler sind geblieben. Der Verbleib von Florian Niederlechner war in dieser schwierigen Phase ein wichtiges Zeichen. Der 35-Jährige bringt als Rückkehrer nicht nur jede Menge Identifikation, sondern auch eine gehörige Portion Erfahrung mit. Der Stürmer lief für vier verschiedene Klubs in 197 Bundesliga-Spielen auf, dazu kommen noch zahlreiche Einsätze in Liga zwei und drei. In der vergangenen Saison, als er zu seinem Jugendklub zurückgekehrt war, sammelte er in 27 Drittliga-Spielen sieben Torbeteiligungen. Nun, in der Regionalliga, zeigte er direkt seinen Wert und traf bereits zweimal.


Viele Abgänge bedeuten letztlich auch viele Neuzugänge. Insgesamt sind es 19. Ein Großteil davon kommt aus der zweiten Mannschaft der Sechzger. Mit dem neuen 1860-Kapitän Dennis Dressel und dem ehemaligen Kieler Michael Eberwein, die beide bereits Erfahrung in höheren Ligen gesammelt haben, soll Trainer Alper Kayabunar die große Aufgabe des Umbruchs meistern. Der 40-Jährige steht seit Ende der vergangenen Saison an der Seitenlinie der Löwen. Aus der anfänglichen Interimsrolle ist eine Dauerlösung geworden. Zuvor war der gebürtige Münchner als Trainer der zweiten Mannschaft und von Türkgücü München tätig.
Mitgliederrekord gebrochen
Neben den vielen Veränderungen blieb eine Sache unverändert: die Unterstützung der Fans. Nach der Bekanntgabe des Zwangsabstiegs verzeichnete der TSV einen Zuwachs von 2.000 Mitgliedern. Erstmals seit der Gründung konnte der Traditionsklub die Marke von 29.000 Mitgliedern überschreiten. Gleichzeitig konnten sich die Löwen im bislang einzigen Heimspiel der neuen Saison über ein ausverkauftes Städtisches Stadion an der Grünwalder Straße freuen.
Mehr zur traditionsreichen Grünwalder Straße erfahrt ihr diese Woche in unserer Rubrik „Geschichte und Geschichten“.