Im Sommer ging eine erfolgreiche Zeit beim DSC Arminia Bielefeld zu Ende. Trainer Mitch Kniat verabschiedete sich nach drei Jahren. Auf der Alm erlebte Nachfolger Oliver Kirch in der noch jungen Spielzeit frühe Rückschläge, eine Abhängigkeit von einem Torjäger und eine steigende Formkurve.
Erfolgreicher Kampf gegen den Abstieg in die Viertklassigkeit, als Meister in die 2. Bundesliga aufgestiegen und der gleichzeitige sensationelle Einzug ins DFB-Pokal-Finale sowie ein solider 13. Tabellenplatz bei der Rückkehr ins Bundesliga-Unterhaus: Hinter Arminia Bielefeld liegen turbulente drei Jahre. Eines der zentralen Gesichter dieser fußballromantischen Story war Mitch Kniat, der mit 132 Spielen Platz zwei der Bielefelder Rekordtrainer einnimmt. Doch nach drei Jahren einigten sich der Trainer und der Verein, sich zu trennen, da die Zukunftsplanung nicht deckungsgleich war.
Als Spieler Königsklassen-Luft geschnuppert
Das schwere Erbe von Mitch Kniat tritt ein ehemaliger DSC-Profi an: Oliver Kirch. In seiner Zeit als aktiver Profi lief der heute 44-Jährige als Rechtsverteidiger und defensiver Mittelfeldspieler auf. Zwischen 2007 und 2010 bestritt er 77 Spiele für die Ostwestfalen. Seine weitere Karriere führte ihn auch zu Borussia Dortmund, wo er zwar zumeist Ersatzspieler war, aber auch eine für BVB-Fans unvergessliche Partie in der Champions League bestritt. Unerwartet stand er im Alter von 31 Jahren im Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid im April 2014 in der Startelf. Nach der deutlichen Hinspiel-Niederlage konnte er zwar das Ausscheiden nicht verhindern, sorgte aber mit konsequenter Defensivarbeit und geschicktem Aufbauspiel – 120 Pässe, weit mehr als der spätere Weltfußballer Luka Modrić – dafür, dass Dortmund das Spiel mit 2:0 gewann und er einen Platz im kollektiven Dortmunder Gedächtnis erhielt.


Nach der beachtlichen Spielerkarriere mit unter anderem 143 Bundesliga-Spielen und sechs CL-Einsätzen startete er seine Trainerkarriere im Jugendbereich seines heutigen Arbeitgebers. Bei seinen weiteren Stationen im Nachwuchs vom Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach erarbeitete er sich den Ruf eines vielversprechenden Trainertalents. Als Folge dessen wurde seine gute Arbeit mit dem Wechsel auf die Trainerbank der DSC-Profis belohnt. Auf der Bielefelder Alm begann seine Zeit mit nur einem Sieg in den ersten sieben Spielen inklusive des Ausscheidens in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Drittliga-Aufsteiger SG Sonnenhof Großaspach holprig. In Bielefeld blieb man aber ruhig und das in ihn gesetzte Vertrauen zahlte Kirch zuletzt zurück. Seit der Länderspielpause holte die Arminia bereits neun Punkte und steht mittlerweile in der oberen Tabellenhälfte.
Die Players to watch: Maximilian Bauer und Joel Grodowski
In den vergangenen Spielen zeigte Bielefeld eine gewisse Reife und Stabilität – Eigenschaften, die Kapitän Maximilian Bauer der Mannschaft an die Hand geben sollte, wie es die sportlich Verantwortlichen bei der Festverpflichtung des ehemaligen Augsburgers verlauten ließen. Der Innenverteidiger kam im vergangenen Winter zunächst auf Leihbasis auf die Alm, ehe der Transfer durch den Klassenerhalt per Kaufpflicht dauerhaft wurde. In dieser Saison absolvierte er bisher jede Spielminute im Ligabetrieb und zählt mit einer kicker-Durchschnittsnote von 3,17 zu den besten Bielefeldern.
Neben dem festen Anker in der Defensive ist am anderen Ende des Platzes Verlass auf Joel Grodowski. Der Stürmer ist unverzichtbar und traf bereits sieben Mal, dazu steuerte er eine Torvorlage bei. Somit war er an der Hälfte aller Tore seiner Mannschaft beteiligt. Zwei Dinge sind dabei bemerkenswert: Zum einen erzielte er seine Liga-Tore nur in Heimspielen. Zum anderen unterlag Bielefeld noch nicht, wenn der 28-Jährige traf. Zwei seiner Tore waren sogar der Siegtreffer. Dass Grodowski derzeit so gut aufgelegt ist, ist auch nötig. Schließlich ist er der einzige komplett fitte Mittelstürmer im Kader. Vincent Ocansey zog sich einen Kreuzbandriss zu. Zudem kommt David Min fitnessbedingt erst auf vier Kurzeinsätze. Die vergangenen drei Ligaspiele verpasste er aufgrund einer Oberschenkelzerrung. Für unsere Störche wird es also unter anderem darum gehen, Grodowski in Schach zu halten, um dessen erstes Auswärtstor noch etwas herauszuzögern.

