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Bis 12. April: Ausstellung „Jüdische Identität im Fußballstadion“ wird verlängert

Seit Juli vergangenen Jahres beleuchtet eine Ausstellung in Rendsburg die jüdische Geschichte und Identität im Fußball und zeigt, wie sich Profivereine heute für ihre satzungsgemäß verankerten Werte einsetzen. Neben Rekordmeister FC Bayern München sind auch die Nordclubs Werder Bremen, Hamburger SV, FC St. Pauli und Holstein Kiel Teil dieser Ausstellung. Ursprünglich sollte die Ausstellung bis zum 1. Februar geöffnet sein, wurde nun aber aufgrund der positiven Resonanz bis zum 12. April verlängert.

Die Ausstellung basiert auf einer gleichnamigen Schau des Jüdischen Museums Wien. Das Museum im Zentrum von Rendsburg um Museumsleitung Jonas Kuhn und Mirjam Gläser, zuständig für Bildung und Vermittlung, zeigt in dieser Ausstellung, welche Rolle das Judentum im Fußball historisch spielte und auch heutzutage einnimmt. Im Mittelpunkt stehen dabei sowohl einzelne Persönlichkeiten, wie der jüdische Kaufmannssohn und Fußballfunktionär Kurt Landauer, der Aufgrund seiner Herkunft von den Nationalsozialisten verfolgt und nach seinem Tod zum Ehrenpräsidenten des FC Bayern München ernannt wurde, als auch der Umgang von Fangruppen mit jüdischen Begriffen und Symbolen.

Der Fokus der Ausstellung liegt in diesem Zusammenhang aber auch auf Altmeister Holstein Kiel. Als bürgerlicher Verein mit einer ausgeprägt guten Beziehung zur Marine stand die KSV bis 1933 im konservativen bis deutsch-nationalen Lager, um sich dann nahtlos in den NS-Staat eingliedern zu lassen. Es gab einige wenige jüdische Mitglieder im Verein, die aber vermutlich alle bis 1932 aus dem Verein gedrängt wurden. Offenbar hat eine Ausgrenzung und Verdrängung jüdischer Vereinsmitglieder in Einzelfällen stattgefunden, auch wenn in der Satzung von 1935 kein „Arierparagraph“ zu finden ist, weiß die Chronik „125 Jahre Holstein Kiel“ zu berichten. Parallel dazu erlebte die KSV – auch aufgrund zahlreicher Verstärkungen mit militärischem Hintergrund – 1943 mit Platz 3 in der Deutschen Meisterschaft einen der größten Erfolge der Vereinsgeschichte.

Die Ausstellung in Rendsburg behandelt zudem verschiedene Fragestellungen: Wie arbeiten die Vereine ihre Vergangenheit auf, welche Rolle spielten jüdische Spieler, Funktionäre und Fans und wie gehen die Klubs heute mit der Thematik um? Als Kooperationspartner der Ausstellung stellte Holstein mit Unterstützung von Vereinshistoriker Patrick Nawe und Historiker Jürgen Weber Bilder und Geschichten aus der langen Vereinsgeschichte zur Verfügung. Dabei bezieht die KSV klar Stellung zu den in der Satzung verankerten Werten: Integrität, Respekt, Toleranz, Vielfalt, Gleichberechtigung und Fairplay. Annika Hartmann, Leitung Nachhaltigkeit bei Holstein Kiel, betont: „Als Verein stehen wir zu jeder Zeit für unsere Werte ein und engagieren uns mit vielfältigen Projekten, wie zum Beispiel dem ligaweiten Together-Spieltag, den Inklusionsferiencamps oder dem Lernhafen. Daher freuen wir uns sehr, auch Teil dieser besonderen Ausstellung zu sein und einen Teil unserer langen Vereinshistorie aufarbeiten und mit der Öffentlichkeit teilen zu können.“

Die Ausstellung im Jüdischen Museum in Rendsburg ist noch bis zum 12. April 2026 dienstags bis sonntags von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Weitere Infos sind unter jmrd.de zu finden. Bereits im September vergangenen Jahres hatte es eine KSV-Fanfahrt zur Ausstellung gegeben. Wer darüber hinaus mehr über die Verflechtung von jüdischer Geschichte, Identität und Fußballkultur bei der KSV Holstein erfahren möchte, findet in der Jubiläumschronik der Störche die bislang umfassendste Darstellung über die KSV in der Zeit des Nationalsozialismus.

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