Lange Zeit sah es nach einer Auswärtsniederlage für die Holstein Traditions-Elf aus, ehe Mitte der zweiten Halbzeit das Ruder noch einmal rumgerissen werden konnte. 4:7 (3:2) lautete am Donnerstagnachmittag letztlich der Endstand im Manfred-Werner-Stadion in Flensburg vor rund 300 Zuschauern. Im Duell gegen Flensburg 08 ging es dabei aber um viel mehr als das Ergebnis.
Für den guten Zweck
Der seit 2017 in Folge einer Fusion mit Weiche Flensburg aufgelöste Verein Flensburg 08 kam am Himmelfahrts-Feiertag noch einmal mit seinen „Flensburg 08 Legenden“ zusammen. Zahlreiche Spieler auf Flensburger und auf Kieler Seite haben eine gemeinsame Vergangenheit in der jeweils anderen Stadt, darunter Patrick Herrmann, Fiete Sykora oder Heiko Petersen. Letzterer war es auch, der gemeinsam mit Marc Peetz aus einer alten Freundschaft heraus den Plan für das Benefizspiel schmiedete.
Peetz, der von 1998 bis 2005 für Flensburg 08 spielte und mittlerweile als Teammanager von Weiche Flensburg tätig ist, berichtete: „Aus einer Schnapsidee entstand Ende letzten Jahres die Idee, hier die Erinnerungen an alte Flensburger Fußballtage wieder aufleben zu lassen. Das Ergebnis ist am Ende natürlich nebensächlich, denn wir hatten hier bei bestem Wetter sehr viel Spaß und konnten auch noch etwas für den guten Zweck tun.“

Alle Einnahmen der Verkaufsstände gingen nämlich an den Förde Lütten e.V. Der 2021 ins Leben gerufene Förderverein setzt sich für benachteiligte Kinder aus allen gesellschaftlichen Schichten ein, um ihnen unbeschwerte Momente zu schaffen.
Schlagabtausch in Hälfte eins
„Wir haben auf den Außenpositionen unsere Schwächen offenbart und zu viele Flanken zugelassen“, konstatierte Gerd Schildt, der von 1989 bis 1991 in 68 Punktspielen als Trainer auf der Holstein-Bank saß und seit 2012 die Holstein Traditions-Elf trainiert, in der Halbzeit. Dass die Kieler Defensive tatsächlich zu viele Lücken aufwies, offenbarte die 3:2-Halbzeitführung der Flensburger – aber von Anfang an: Rund eine Viertelstunde lang entwickelte sich eine ausgeglichene Partie ohne nennenswerte Torchancen. In der 17. Minute war es dann Meysam Shahhosseini, der nach einem Steilpass sehenswert über den Flensburger Schlussmann hinweg zum 1:0 traf. Es schien, als wäre der Treffer ein Dosenöffner für beide Mannschaften. Denn nur wenig später netzte der Flensburger Nils Großmann nach Flanke zum 1:1 (21.), ehe Florian Meyer im Sechzehner frei zum Kopfball kam und die erneute Kieler Führung erzielte (23.).



Kurz vor der Halbzeitpause drehte Flensburg 08 die Partie per Doppelschlag. Lasse Sohrweide versenkte den Ball nach einem Steckpass zunächst am Torwart vorbei im langen Eck (30.), ehe Tobsi Carstensen erstmals im Spielverlauf zur Flensburger Führung traf (3:2, 34.). „Wir sind mit herrlichen Toren verdient in Führung gegangen, aber Flensburg hat unsere Fehler eiskalt ausgenutzt“, analysierte der 73-jährige Schildt in der Pause und kündigte gegen „einen der stärksten Gegner der letzten Jahre“ einige personelle Wechsel an, um wieder zurück ins Spiel zu finden und noch „das ein oder andere Tor zu erzielen“.
Zurück in der Spur
Auf beiden Seiten wurde zu Beginn der zweiten 40-Minuten also kräftig durchwechselt, die Spielanteile fielen zunächst allerdings weiter sehr ausgeglichen aus. In der 51. Minute erkannte Flensburgs Sohrweide eine günstige Gelegenheit und überlistete Kiels Torhüter Niklas Jakusch aus über 30 Metern mit einem Traumtor zum 4:2. Das erneute Gegentor spornte Holsteins Traditions-Elf nochmal an. Florian Meyer, der von 2001 bis 2013 für Holsteins Jugend- und Profimannschaft spielte und zumeist im Mittelfeld zu verorten war, bewies nach genau einer Stunde Stürmerqualitäten und setzte sich im Eins-gegen-Eins gegen den Torwart durch (4:3, 60.). Wenig später legte Patrick Herrmann im Fünfmeterraum für Jörg Ahrends auf (4:4, 61.) und brachte Holstein von halbrechts dann selbst wieder auf die Siegerstraße (4:5, 64.).


„Fußballgott Herrmi“, der von 2011 bis 2019 als unermüdlicher Kämpfer Kultstatus an der Kieler Förde erlangte, erklärte nach dem Spiel: „Wir haben im Verlauf der zweiten Halbzeit den Druck erhöht und konnten selbst Fehler ausnutzen und Konter spielen. So haben wir zurück in die Spur gefunden.“ Mit der erneuten Führung im Rücken spielten die Holstein-Oldies dann befreit auf. Der 38-jährige Meyer schnürte in der 69. Minute mit dem 4:6 einen Dreierpack. Den Schlusspunkt setzte dann Fiete Sykora, der 2013 mit seinem Treffer gegen Hessen Kassel den Weg in die 3. Liga ebnete, mit einer Einzelaktion zum 4:7. „Letztlich haben wir hier verdient gewonnen, aber der Fokus liegt heute natürlich nicht auf dem Spiel. Es war insgesamt ein sehr schöner, runder Tag“, fasste Hermann zusammen.
Flensburg 08 – Holstein Kiel Traditions-Elf 4:7 (3:2)
Holstein Traditions-Elf: Philipp Reinhold, Heiko Petersen, Arne Rühmann, Lars Habermann, Tim Jost, Florian Meyer, Güner Kopuk, Meysam Shahhosseini, Michael Sütel, Kai Lass, Andreas Klitzke, Thorsten Rohwer, Fiete Sykora, Navina Omilade, Rainer Züchner, Jörg Ahrends, Patrick Herrmann, Tim Wulff, Niklas Jakusch. Trainer: Gerd Schildt. Co-Trainer: Dmitrijus Guscinas.
Schiedsrichter: Marian Thiessen (Kiel) – Tore: 0:1 Shahhosseini (11.), 1:1 Großmann (21.), 1:2 Meyer (23.), 2:2 Sohrweide (30.), 3:2 Carstensen (34.), 4:2 Sohrweide (51.), 4:3 Meyer (60.), 4:4 Ahrends (61.), 4:5 Herrmann (64.), 4:6 Meyer (69.), 4:7 Sykora (73.) – Zuschauer: 300.















