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„Wir haben in Kiel Euphorie ausgelöst!“ – Interview mit Holsteins Zweitliga-Rekordspieler und Rekordtorschützen Alexander Mühling

Der Fußballprofi und dreifache Familienvater Alexander Mühling erblickte am 5. September 1992 in Oberhausen das Licht der Welt und kann auf Profistationen wie Borussia Mönchengladbach, Bayer Leverkusen, SV Sandhausen und Holstein Kiel zurückblicken. Keiner stand für die Störche häufiger in der 2. Bundesliga auf dem Platz als er.

Bei den Störchen spielte der sympathische Blondschopf ab Sommer 2016 eine Hauptrolle im zentralen Mittelfeld. Als Mr. Zuverlässig bestach er vor allem durch seine ausgefeilte Technik, seinen guten Torriecher und seine ausgezeichnete Übersicht. Von 2016 bis 2023 absolvierte Mühling insgesamt 238 Pflichtspiele und erzielte dabei 44 Tore. Nach dem Zweitliga-Aufstieg avancierte er mit 182 Einsätzen und 38 Treffern zu Holsteins Rekordspieler und zugleich auch Rekordtorschützen im Bundesliga-Unterhaus.

Seit Sommer 2025 steht Mühling nun bei seinem Heimatverein Rot-Weiß Oberhausen in der Regionalliga West unter Vertrag. Momentan steht das Kleeblatt an der Tabellenspitze. Als Routinier spielt Mühling auch dort eine wichtige Rolle. Wir sprachen mit dem Kieler Aufstiegshelden von 2017 über RWO, die Lage bei den Kieler Störchen und seine Zukunftspläne.

Alex, in Deiner Geburtsstadt Oberhausen lässt Du Deine Karriere ausklingen. Ist das gerade so etwas wie Dein dritter Frühling als Fußballer?

Alex: Vielleicht kein dritter Frühling, da ich meist von der Bank komme. Ich glaube aber schon, dass ich sehr zuverlässig meine Leistung bringe, so wie man mich kennt. Ich nehme meine Rolle im Team auch sehr gut an. Der Erfolg der Mannschaft steht dabei absolut im Vordergrund. Es läuft momentan richtig gut für uns. Schon am Ende der letzten Saison waren wir bis zum Ende ganz oben im Aufstiegsrennen dabei.

Alexander Mühling am Ball für Rot-Weiß Oberhausen.
Der Mittelfeldmann kickt wieder für den Club seiner Geburtsstadt.

Wie schätzt Du Eure Aufstiegschancen ein?

Alex: Wenn wir unser Niveau beibehalten können, dann werden wir erneut alle Chancen haben. Wir haben eine starke Mannschaft zusammen mit einem guten Trainerteam. Die Inhalte und Abläufe sind gewachsen und einstudiert. Dieses Niveau wollen wir halten und den ersten Platz am liebsten nicht mehr hergeben.

RWO-Trainer Sebastian Gunkel kennst Du ja auch schon aus Kieler Zeiten, dort hat er die U23 trainiert. Hat er ein Erfolgsgeheimnis?

Alex: Unser Trainer hat einfach einen ganz klaren Plan, wie er Fußball spielen will. Das gibt uns Spielern eine hohe Sicherheit. Zudem ist er sehr norddeutsch und authentisch. Das sind für mich die Punkte, die ihn auszeichnen. Unsere Arbeit mit ihm ist derzeit wirklich sehr erfolgreich. Das war sie auch schon in der abgelaufenen Saison.

Wie besonders ist es, Deine Karriere in Deiner Heimatstadt ausklingen zu lassen?

Alex: Ich war hier ja schon als kleiner Junge im Niederrheinstadion, das waren überwiegend Zweitliga-Zeiten. Für mich ist das total schön, dass ich wieder hier bin. Es war schon lange ein Gedanke von meiner Familie und mir, in die Heimat zurückzukehren. Dass es dann mit RWO geklappt hat, ist umso schöner. Neben dem Fußball kann ich mir gerade das Leben für die Zeit nach der aktiven Laufbahn aufbauen. Das ist eine tolle Kombination, die mich sehr glücklich macht.

In Kiel erfährst Du aufgrund Deiner erfolgreichen Zeit mit Holstein noch immer hohe Wertschätzung, warst sogar Ehrengast bei der 125-Jahr-Feier im vergangenen Jahr. Wie bewertest Du die momentane Situation im Storchennest?

Alex: Ich kann das ja nur aus der Entfernung bewerten. Natürlich habe ich eine Meinung und kenne gewisse Strukturen im Club, auch wenn einige Posten inzwischen anders besetzt sind. Holstein stand immer für eine ganz klare Struktur und Philosophie, die den Club bis in die Bundesliga geführt hat. Deswegen mache ich mir trotz der sportlichen Situation gar keine Gedanken. Bei der KSV spielen viele junge und hungrige Spieler. Wenn über einen längeren Zeitraum die Ergebnisse fehlen und man in der Tabelle unten steht, dann gehen die Dinge halt nicht so leicht von der Hand. Da gibt es auch kein Geheimrezept außer harter Arbeit, um sich den Erfolg zurückzuholen. Ich bin fest davon überzeugt, dass Holstein wieder in die Spur findet, das Grundgerüst ist absolut intakt. Da habe ich volles Vertrauen in die handelnden Personen. Diese Phase jetzt muss man einfach durchstehen.

Die ehemaligen KSV-Profis Alexander Mühling, Dominic Peitz, Kenneth Kronholm und Fin Bartels (v. li.) bei der 125-Jahr-Feier.
Alexander Mühling (Mi.) mit David Kinsombi (li.) und Jae-Sung Lee nach dem Kantersieg beim HSV am 3. August 2018.

Welche besonderen Erinnerungen hast Du an Deine sechs Zweitliga-Jahre mit den Störchen?

Alex: In einer so langen Zeit ist viel passiert und wir haben natürlich auch sehr viele Kilometer zurückgelegt. Sportlich ging es ja nach dem Aufstieg 2017 richtig gut los unter Trainer Markus Anfang. Als Aufsteiger direkt in die Relegation einzuziehen und damit in Kiel eine riesige Euphorie auszulösen, war sicherlich bemerkenswert. Nicht zu vergessen der 3:0-Erfolg beim Hamburger SV im August 2018. Wir hatten damals unter Tim Walter eine schwierige Vorbereitung hinter uns gebracht und wussten alle nicht so richtig, wozu wir in der Lage sind. Dass wir dann mit einem echten Paukenschlag das Volksparkstadion stürmen konnten, das gehört sicherlich zu meinen ganz großen Highlights. Aber auch die Saison 2020/21 mit Ole Werner, in der wir erneut die Relegationsspiele erreicht haben, war etwas ganz Besonderes. Auch wenn das Ende für uns durchaus dramatisch war. Ich habe bei Holstein die schönste und erfolgreichste Zeit meiner Profilaufbahn erlebt. Dafür bin ich sehr dankbar und empfinde auch einen gewissen Stolz, dass man mich in Kiel nicht vergessen hat.

Dein Vertrag läuft in Oberhausen noch bis zum Saisonende, dann bist Du knapp 35 Jahre alt. Was hast Du für Pläne für die Zeit nach dem 30. Juni 2027?

Alex: Ich möchte mich bezüglich des Karriereendes noch nicht so frühzeitig festlegen. Das will ich entscheiden, wenn ich volle Klarheit habe. Bei mir geht es momentan aber mit der B-Lizenz los. Dann habe ich vor, hier in Oberhausen Individualtraining und Talentförderung anzubieten. Das lasse ich schon jetzt langsam anlaufen und baue Kontakte auf. Wenn ich dann wirklich die Fußballschuhe an den Nagel gehängt habe, werde ich mich da voll reinhängen. Ich glaube, das könnte gut laufen für mich.

Vielen Dank für das Gespräch, Alex!

Jonas Meffert (li.) und Alexander Mühling haben zusammen mit den Störchen große Schlachten geschlagen.
Der Mittelfeldspieler (li.) mit dem damaligen und aktuellen KSV-Cheftrainer Tim Walter im Dezember 2018 in Dresden.
Alexander Mühling ist auch Holsteins Zweitliga-Rekordtorschütze.

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