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Geschichte und Geschichten: Altmeister in die Regionalliga

Genau wie unsere KSV Holstein gehört 1860 München seit jeher zu den bekannten Traditionsvereinen und Altmeistern im deutschen Fußball. Beide Vereine blicken auf eine spannende, bewegte, aber sicherlich auch nicht immer geradlinige Historie zurück. Besonders hart traf es in dieser Woche die Löwen, die gerade erst am 28. Mai das 60-jährige Jubiläum ihrer einzigen Deutschen Meisterschaft gefeiert hatten. Zum wiederholten Mal erhielten die „Sechzger“ keine Lizenz – der erneute Absturz in die Regionalliga ist ein Schock auf Giesings Höhen.

1860 gegen Holstein

Drei denkwürdige Begegnungen der jüngeren Vergangenheit mit dem TSV 1860 München dürften den Holstein-Fans noch immer lebhaft in Erinnerung sein. Abgesehen von den beiden packenden Duellen im Kampf um die 2. Bundesliga am Ende der Saison 2014/15 erlebten die Störche unter Trainer Tim Walter im August 2018 vor 14.200 Zuschauern in Giesing einen 3:1-Erstrunden-Erfolg im DFB-Pokal.

Bedauerliches Aus

„Der erneute Zwangsabstieg der Münchner Löwen ist sehr bedauerlich. Ich wünsche dem Verein und seiner Anhängerschaft eine schnelle Rehabilitation und hoffe, dass der Verein sich zukünftig wirtschaftlich stabilisieren kann, um die Rückkehr in den Profifußball zu realisieren“, so der in der Kieler Fanszene verankerte Holstein-Aufsichtsrat Torge Steen nach dem Urteil. „Anhand der derzeitigen Situation der Münchener sehen wir, wie wichtig ein gesundes Fundament und eine nachhaltige Wirtschaftlichkeit für einen Fußballverein sind. Ich bin froh, dass wir in Kiel auf so ein gesundes Fundament vertrauen können“, meint Steen. So erfolgreich wie heute war das Fundament im Kieler Storchennest wahrlich nicht immer. Gleich viermal mussten unsere Störche in der Vergangenheit den Sturz in die Viertklassigkeit hinnehmen: 1996, im Jahr des 100-jährigen Jubiläums 2000, 2007 und zuletzt 2010.

100.000 in Wembley

Nun stehen die Löwen am Abgrund. Dabei ist 1860 eigentlich der „wahre“ Münchner Stadtverein. Verankert im wohlhabenden Bürgertum, aber ansässig im Arbeiterquartier Giesing, waren sie lange Zeit der erfolgreichste Club in der bayrischen Landeshauptstadt und stellten sowohl den FC Bayern als auch Wacker München bis Mitte der 1960er-Jahre in den Schatten. Die Qualifikation zur neuen Bundesliga 1963, die beiden Erfolge im deutschen Pokalwettbewerb 1942 und 1964, die Teilnahme am Endspiel des Europapokals der Pokalsieger 1965 vor knapp 100.000 Zuschauern im Londoner Wembleystadion (0:2 gegen West Ham United) sowie die Deutsche Meisterschaft 1966 trugen maßgeblich zur Legendenbildung bei. Doch die im Jahr 1911 eröffneten Stadion an der Grünwalder Straße verorteten Löwen sind in den letzten Jahrzehnten weit hinter den Bayern zurückgefallen. Sportlich und wirtschaftlich trennen beide Clubs inzwischen Lichtjahre.

Das Städtische Stadion an der Grünwalder Straße ist seit 1911 Heimat der Löwen und zugleich das älteste Stadion in München.
Die Anhänger von 1860 München feuern ihre Mannschaft an der Grünwalder Straße an.

Dritter Lizenzentzug

Der erste Lizenzentzug für die Löwen bedeutete 1982, dass die Fußballer des TSV 1860 erstmals in ihrer Geschichte nur noch drittklassig waren. Es dauerte neun Jahre, bis die “Sechzger” den Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga schafften. Doch 2017 folgte nach erneutem Lizenzentzug dann sogar der erstmalige Absturz in die Regionalliga. Und nun muss der Altmeister den neuerlichen Gang in die Viertklassigkeit antreten.

Kieler Fans können den Schmerz der Löwen-Anhänger nachempfinden: “Wenn ich an die vergangene Saison mit unseren Störchen denke und welche Sorgen mir und vielen weiteren Holstein-Fans der Abstiegskampf bereitet hat, kann man nur erahnen, wie schlimm sich der erneute Abstieg in die Regionalliga für die Löwen-Fans anfühlen muss”, meint Block 501-Sprecher Tobias Meier. 

Tradition bleibt bestehen

War nach dem Zwangsabstieg von 1860 München im Jahr 2017 und der Rückkehr ins Städtische Stadion an der Grünwalder Straße fast so etwas wie Euphorie ausgebrochen, müssen die Löwen-Fans jetzt ganz stark sein. Im letzten Regionalliga-Jahr war das „Sechzger“ zwar bei allen 18 Heimspielen mit 15.000 Zuschauern restlos ausverkauft. Aber auch diesmal werden allein die treuen Fans und die Erinnerungen an frühere Ruhmestage nicht ausreichen für ein Comeback im großen Fußball. Was in jedem Falle bleibt ist jedoch die riesige Tradition der Löwen.

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