Am 18. Juni 2023 feierte Torhüterin Lela Naward mit den Frauen des Hamburger SV den Aufstieg in die 2. Liga und gehörte auch im Bundesliga-Oberhaus zum Stammpersonal der Rothosen. Zur Saison 2024/25 wechselte die gebürtige Hamburgerin ins Storchennest und klopft mit der KSV Holstein erneut an das Tor zur 2. Bundesliga. Drei Spieltage vor dem Saisonfinish beträgt der Vorsprung auf Verfolger SpVg Aurich vier Zähler. Die Meisterschaft ist zum Greifen nah. Für die Holstein Women wäre es der vierte Regionalliga-Titel nach 2005, 2012 und 2014.
Lelas Seelenleben
Der deutliche Erfolg im Regionalliga-Topspiel hat bei den Holstein Women noch einmal neue Kräfte freigesetzt. “Das war ein unfassbar wichtiger Sieg für uns und man hat einfach gemerkt, wie sehr wir ihn wollten“, strahlte Torfrau Naward nach dem dreifachen Punktgewinn über das ganze Gesicht. Dass rund 500 Zuschauer, Vereinspräsident Steffen Schneekloth und zahlreiche Förderer der Women an der Waldwiese live dabei waren, macht die Leistungsträgerin der Holstein-Frauen stolz: „Diese Energie von außen gibt uns unglaublich viel und genau für solche Momente spielt man Fußball.“ Doch Lela Naward weiß nur zu genau, dass „wir den Sieg nun bestätigen müssen, indem wir in den letzten drei Ligaspielen nochmal alles reinhauen und die Punkte holen“. Dabei gibt die 27-Jährige Einblicke in ihr Seelenleben: „Im Team spürt man einfach, dass jetzt etwas Großes möglich ist. Jede einzelne Spielerin und der gesamte Staff sind total heiß auf diesen Endspurt. Wir gehen in jedes Duell mit der Einstellung, dass es das wichtigste ist – und genau das wird am Ende den Unterschied machen.“
Zweitliga-Erfahrung
Dass die 16-fache Zweitliga-Torhüterin nicht nur zwischen den Pfosten und abseits des Platzes eine Bank ist, sondern auch mit dem Ball am Fuß echte Nehmerqualitäten hat, das verdankt sie mit Sicherheit auch ihren drei Brüdern: „Die haben alle im Verein gespielt und wir waren gefühlt täglich zusammen auf dem Fußballplatz.“ Es ging also sehr früh los mit der fußballerischen Laufbahn der Torfrau, die sich seit Sommer das Kapitänsamt mit Sarah Begunk teilt. Beide gehören zu den erfahrensten Spielerinnen im Team und wissen, dass gerade jetzt eine ruhige Hand von Bedeutung ist. „Sarah und ich gehen gemeinsam voran, übernehmen Verantwortung und versuchen, der Mannschaft auf und neben dem Platz Stabilität zu geben. Das bedeutet mir persönlich sehr viel.“ Und die Mitspielerinnen schätzen die Tatsache, dass ihr Rückhalt im Tor mit allen Wassern des Frauenfußballs gewaschen ist.
Alles reinwerfen
An Nachlässigkeiten oder einen möglichen Spannungsabfall angesichts des komfortablen 4-Punkte-Vorsprungs glaubt Lela Naward nicht: „Wir wissen, dass die Konkurrenz nur darauf wartet, dass wir uns jetzt noch Fehler erlauben. Deshalb bleiben wir bei uns, arbeiten unter der Woche konzentriert und geben am Wochenende alles, was wir haben. Dass wir die letzten drei Saisonspiele zu Hause auf der Waldwiese bestreiten dürfen, macht alles noch einmal emotionaler für uns. Wir wollen das gemeinsam mit unseren Fans durchziehen und bis zum Schluss alles reinwerfen.“
Hochspannung pur
Die Fans der Holstein Women träumen schon jetzt vom Regionalliga-Titel und schielen heimlich in Richtung Zweitliga-Relegation. Dort würden Borussia Dortmund oder die Zweitvertretung des 1. FC Köln auf die Holstein Women warten. Auch bei Naward schwirren bereits Gedanken an die beiden möglichen Endspiele um den Aufstieg im Hinterkopf herum. „Wenn ich ganz professionell antworte, dann sage ich, dass wir uns nur auf die nächsten drei Spiele konzentrieren. Aber wenn ich ehrlich bin, dann kribbelt es natürlich schon. Ich schaue auf die Tabelle, ich denke darüber nach, was möglich ist und wer auf uns warten könnte“, so die Holstein-Torhüterin. Dass Lela Naward angesichts der sportlichen Hochspannung ihre Nerven trotzdem nicht verliert, liegt auf der Hand: „Ich habe diese Situation schon erlebt mit zwei komplett unterschiedlichen Enden. Genau deshalb weiß ich, wie viel Emotionen, Druck und Leidenschaft dahinterstecken.“
Egal was passiert
Schon jetzt ist die 27-Jährige überglücklich angesichts des bislang herausragenden Saisonverlaufs. „Gerade überwiegt bei mir einfach nur der Stolz auf dieses Team, auf die Entwicklung und auf das, was wir uns gemeinsam erarbeitet haben.“ Und vom Ausgang der Saison will sie am Ende die Dauer dieses Hochgefühl nicht abhängig machen: „Egal was am Ende passiert, wir haben jetzt schon etwas Besonderes geschaffen und genau das wollen wir in den letzten Spielen auch nochmal zeigen.“ Und wer weiß, vielleicht kann Lela Naward ab Herbst ihre Zweitliga-Bilanz mit bislang 16 Einsätzen weiter aufhübschen. Ihre Fans wären sicherlich restlos begeistert…




