Nach einem packenden Pokalabend hat unsere KSV am Mittwoch den Einzug ins Achtelfinale gefeiert. Nach 120 Minuten hatte es gegen die TSG Hoffenheim vor 10.001 Zuschauern im Holstein-Stadion 1:1-Unentschieden gestanden. Im Elfmeterschießen behielt die Mannschaft von Trainer Tim Walter die Nerven und setzte sich gegen den Erstligisten mit 4:3 durch.
Der Bundesligist trat von Beginn an erwartet dominant auf, zu Abschlüssen kamen indes beide Seiten in den Anfangsminuten: Alexander Prass schoss aus dem Rückraum drüber (2.), auf der anderen Seite verbuchte Adrian Kapralik den ersten Hochkaräter der Partie, als er von rechts nach innen zog, den Ball aber flach Zentimeter am rechten Pfosten vorbeischob (5.). Holstein blieb mutig, Leon Parduzi verzog jedoch von der Strafraumkante (7.). Danach übernahm wieder die TSG das Zepter: Zunächst parierte Lio Rothenhagen, der wie schon in der ersten Pokalrunde das KSV-Tor hütete, einen satten Flachschuss von Adam Hlozek stark zur Ecke (9.), war wenig später aber machtlos, als der Volleyknaller des Tschechen aus elf Metern im Kieler Kasten einschlug (11.). Mit der Führung im Rücken wollte Hoffenheim nachlegen – und hätte dies auch fast getan: Tim Lemperle spitzelte den Ball an Rothenhagen vorbei ins linke Eck, der Treffer wurde jedoch nach VAR-Überprüfung wegen einer Abseitsstellung des Stürmers aberkannt (23.). Keine 60 Sekunden später lag der Ball im Netz der Gäste – und plötzlich stand es 1:1 statt 0:2! Hiroki Sekine hatte mit seinem Steckpass Kapralik gefunden, der in den Strafraum dribbelte und die Kugel mit der Pike im langen Eck versenkte (23.). In der Folge konnte Holstein die Partie ausgeglichen gestalten, die Chancendichte nahm aber in einer nun etwas zerfahrener werdenden Partie merklich ab. Doch unsere Jungs blieben durchweg griffig und ebenbürtig – und erspielten sich in der Nachspielzeit die Riesenchance, selbst in Front zu gehen: Jonas Therkelsen leitete die Kugel direkt auf Phil Harres weiter, der frei auf Luca Philipp zugehen konnte, im Eins-gegen-Eins aber am TSG-Torwart scheiterte (45.+1).
Nach dem Seitenwechsel gehörte den Gästen die erste Großchance, als der eingewechselte Fisnik Asllani in einen Pass von Rothenhagen spritzte. Doch unser Keeper reagierte blitzschnell und lenkte die Volleyabnahme über die Latte hinweg (50.). Danach erhöhten die Kraichgauer den Druck merklich und trafen in dieser Phase das Aluminium, als Asllani eine Ecke per Kopf an den langen Pfosten verlängerte (56.). Im weiteren Verlauf arbeiteten sich unsere Störche in die Begegnung zurück, kamen aber zunächst nicht über Versuche aus der zweiten Reihe von Ikem Ugoh (58.) und dem eingewechselten Guillermo Balzi (73.) hinaus, die beide ihr Ziel verfehlten. In der Schlussphase verhinderte Philipp mit einer Glanztat, dass Holstein das Spiel drehte, als er einen wuchtigen Kopfball von Kasper Davidsen aus kurzer Distanz per Reflex abwehrte (81.). Bis zum Ende der regulären Spielzeit waren unsere Jungs dem nächsten Tor näher. Da Ivan Nekic aber am rechten Pfosten vorbeiköpfte (85.) und anschließend kein Hochkaräter dazukam, ging es in die Verlängerung.
Auch in dieser blieb Holstein gefährlich, einen Harres-Kopfball parierte Philipp aber im Nachfassen (93.). Doch unsere Jungs ließen nicht locker, rissen mit ihrem leidenschaftlichen Auftritt die Zuschauer mit und kamen zu weiteren Möglichkeiten: Nachdem ein Distanzschuss von Bernardo knapp über den Querbalken hinweggerauscht war (100.), köpfte Joker Giorgi Kvilitaia aus fünf Metern hauchzart drüber (104.) und John Tolkins Flanke strich am rechten Pfosten vorbei (105.).
Auch im zweiten Durchgang der Verlängerung war es Harres, der für Gefahr sorgte. Seinen Kopfball fischte Philipp aber aus dem rechten Eck (109.). Der Bundesligist unterstrich seinerseits nach längerer Zeit seine Offensivqualität, als Andrej Kramaric mit einem Aufsetzer aus 25 Metern Rothenhagen zu einer Glanztat zwang (111.). Weil Kvilitaia, der nach seiner Einwechslung für viel Unruhe im gegnerischen Sechzehner sorgte, eine weitere Hereingabe von Balzi knapp verfehlte (113.) und Harres freistehend aus 14 Metern volley drüberschoss (119.), musste die Entscheidung im Elfmeterschießen fallen.
In diesen gerieten unsere Störche früh in Rückstand, weil Kvilitaia mit dem ersten Elfmeter am Innenpfosten scheiterte. Zurück ins Spiel brachte Holstein der Fehlschuss von Leon Avdullahu, der als dritter Schütze der TSG antrat. Da alle weiteren KSV-Schützen sicher verwandelten, musste der eingewechselte Mats Rots den fünften Elfmeter seines Teams im Tor unterbringen, um den Bundesligisten im Spiel zu halten. Doch Rothenhagen hatte die richtige Ecke und parierte stark. Damit bescherte unser Eigengewächs unseren Farben den erneuten Einzug ins Achtelfinale des DFB‑Pokals.
Statistik
Holstein: Rothenhagen – Sekine, Madsen, Nekic, Parduzi (103. Tolkin) – Ugoh (65. Balzi), Meffert, Davidsen (90. Kvilitaia) – Kapralik (115. Alidou), Harres, Therkelsen (90. De Regt) – Trainer: Walter.
Hoffenheim: L. Philipp – Gendrey (33. Coufal), Hranac, Machida, Bernardo – Avdullahu, Burger (46. Daghim), Kramaric, Prass – Lemperle (46. Asllani), Hlozek (63. Conté/95. Rots) – Trainer: Ilzer.
Schiedsrichter: Dankert (Rostock) – Tore: 0:1 Hlozek (11.), 1:1 Kapralik (23.) – Elfmeterschießen: Kvilitaia schießt an den Pfosten, 1:2 Kramaric, 2:2 Nekic, 2:3 Asllani, 3:3 Balzi, Avdullahu schießt über das Tor, 4:3 de Regt, 4:4 Prass, 5:4 Harres, Rothenhagen hält Elfmeter von Rots – Zuschauer: 10.001.
Stimmen
Lio Rothenhagen: „Den entscheidenden Elfmeter zu halten, war ein geiles Gefühl und natürlich auch eine Erleichterung. Es war ein intensives Spiel über 120 Minuten, bei dem die Mannschaft alles reingeworfen und bis zur letzten Sekunde gekämpft hat. Wir haben von Anfang an uns geglaubt, und auch wenn die Zeit in der Verlängerung gefühlt langsamer läuft, haben wir gemeinsam durchgehalten. Die Fans haben uns enorm vorangepeitscht. Danach mit ihnen zu feiern, ist dann natürlich umso schöner.“
Phil Harres: „Dieser Pokalabend tut brutal gut. Wir wussten, dass uns mit Hoffenheim ein schwieriger Gegner erwartet. Mit dem Ausgleich haben wir uns ziemlich gut gefangen und uns zahlreiche Chancen erarbeitet. Auch nach dem frühen Rückstand war der Glaube in der Mannschaft immer da. Wir hätten nicht bis ins Elfmeterschießen gehen müssen, weil wir ein gutes Spiel gemacht haben. So mussten wir lange durchhalten, aber freuen uns jetzt umso mehr.“
Jonas Meffert: „Hoffenheim war ein sehr guter Gegner, dem wir das Leben heute schwer gemacht haben. Wir haben alles für diesen Sieg getan. Dass Lio am Ende den entscheidenden Elfmeter hält, ist so stark, und besser kann man eigentlich nicht gewinnen. Ich hoffe, in der nächsten Runde auf jeden Fall wieder auf ein Heimspiel, weil es heute überragend war mit unseren Fans im eigenen Stadion. Jetzt geben wir uns aber damit nicht zufrieden, sondern wollen auch in der Liga weiter gute Ergebnisse erzielen.“


























