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Geschichte und Geschichten: Helmuth Johannsen – Trainerlegende in Kiel und Braunschweig

Ewiger Rekordtrainer der KSV Holstein (259 Pflichtspiele), Meistertrainer von Eintracht Braunschweig (1967) und im Sommer 1965 der bislang wohl einzige Bundesligatrainer, der zwei Profimannschaften gleichzeitig trainierte: Helmuth Johannsen (1920–1988) gilt sowohl in Kiel als auch in Braunschweig als die Trainerlegende schlechthin.

Im Alter von 30 Jahren absolvierte der gebürtige Hamburger unter Bundestrainer Sepp Herberger an der Deutschen Sporthochschule in Köln einen der allerersten Lehrgänge zum Fußball-Lehrer. Seine Trainerlaufbahn begann im selben Jahr bei Bremerhaven 93 in der erstklassigen Oberliga Nord. Drei Jahre später – Deutschland hatte sich gerade den Weltmeistertitel in Bern gesichert – heuerte Johannsen beim Ligakonkurrenten Holstein Kiel an. Sieben Jahre lang sollte der Ausnahmetrainer eine schier unantastbare Institution auf der Trainerbank bleiben. In der Saison 1956/57 feierte er mit der Nord-Vizemeisterschaft hinter dem HSV seinen größten Erfolg an der Förde. Mit Spielerpersönlichkeiten wie Torhüter Henry Peper, dem jungen Peter Ehlers, Offensiv-Urgewalt „Atze“ Bornemann sowie den Stürmern Harald Hardtke, „Dedel“ Moers und Horst Christiansen gelang Holstein damit erstmals seit 1953 wieder der Einzug in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft.

Kampf um die „Deutsche“

Seit 1955 nahmen neun Mannschaften an der Endrunde teil (damals war der Vizemeister aus Südwest dazugekommen), sodass nun jedes Jahr zwei der vier Zweitplatzierten eine Qualifikation bestreiten mussten. 1957 hatte das Los den Norden und den Süden dafür bestimmt, und so trafen die Kieler als Nord-Vizemeister am 25. Mai 1957 im Düsseldorfer Rheinstadion auf Kickers Offenbach, den Süd-Zweiten. Wie schon beim Endspiel um die „Deutsche“ 1930, so sollte die Rhein-Metropole erneut zum Schicksalsort der Störche werden. In einem dramatischen Duell gab die junge Kieler Mannschaft im zweiten Durchgang vor 35.000 Zuschauern noch eine 2:0-Führung aus der Hand und kassierte in der Nachspielzeit den entscheidenden Gegentreffer zum 2:3.

Helmuth Johannsen im April 1955.
Vorbereitung auf die Aufstiegsrunde zur 1. Fußball-Bundesliga.
Meistervitrine in Braunschweig.

Trainer, Manager, Vaterfigur

Johannsen hatte frühzeitig in Kiel verlängert und galt weiterhin als Garant für die Erfolge der Störche. Der inzwischen 37-Jährige war damals neben seinem Trainerjob auch so etwas wie ein Manager. Er kümmerte sich nicht nur um das Sportliche, sondern ebenso um menschliche Probleme der Spieler, um Arbeit und Wohnung, auch um Ernährungsfragen. Das Training betrieb er fast schon als Wissenschaft. 1961 endete die erfolgreiche Ära Johannsen im Storchennest und über die Station 1. FC Saarbrücken gelangte er 1963 zum frisch gebackenen Bundesligisten Eintracht Braunschweig, mit dem er vier Jahre später sensationell den ersten und bislang auch einzigen Meistertitel feiern konnte. Bis heute gilt Johannsen an der Hamburger Straße als Architekt der legendären Meistermannschaft von 1967 – er prägte die erfolgreichste Ära der Braunschweiger Vereinsgeschichte. Bis 1970 stand Johannsen bei den Löwen an der Seitenlinie, doch das hinderte ihn nicht daran, im Sommer 1965 die KSV Holstein in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga zu betreuen. Was war geschehen?

Trainerbeben in Kiel

Schwere Unstimmigkeiten zwischen Vereinsführung und Trainer Helmut Ullmann sorgten bei der KSV Holstein einen Spieltag vor dem Saisonende für die Entlassung des Erfolgstrainers. Für die so wichtige Aufstiegsrunde aber musste eine kurzfristige Lösung her, und die hatte Holstein: Eine Woche nach der Ullmann-Trennung und drei Tage nach Beendigung der Bundesligasaison übernahm der bei Erstligist Eintracht Braunschweig unter Vertrag stehende Helmuth Johannsen als Übergangstrainer. Der damals 45-Jährige, der zwischen 1954 und 1961 erfolgreich bei Holstein gearbeitet hatte, sagte nach Rücksprache mit dem Eintracht-Vorstand zu. Ohne eine Trainingseinheit mit dem Team war er bereits im letzten Punktspiel in Harburg (8:1), auf das offiziell Stürmer Gerd Koll, der angehende Sportlehrer, die Mannschaft vorbereitet hatte, erstmals dabei gewesen – keine 24 Stunden nach dem letzten Bundesligaspiel seiner Braunschweiger Elf gegen Frankfurt. Vor heimischem Publikum debütierte Johannsen dann, als Holstein eine Woche nach Saisonende in einem Testspiel gegen den englischen Zweitliga-Meister Newcastle United ein 1:1 erreichte.

Helmuth Johannsen (Mi.) als Braunschweig-Trainer zum Freundschaftsspiel im Holstein-Stadion.
Der Fußballehrer übernahm zur Aufstiegsrunde 1964/65 die KSV Holstein zum zweiten Mal. Im Hintergrund links Fußballspieler Günter Tams.

Heimschwäche kostet Bundesliga

Die Umstellung von Trainer Ullmann zu Johannsen schien dem souveränen Regionalliga-Meister Holstein nicht zu bekommen. Nach dem enttäuschenden Heimauftakt gegen den SSV Reutlingen (1:1) bedeuteten die dramatische 0:1-Niederlage im zweiten Spiel am Gladbacher Bökelberg sowie die Heimpleite gegen Worms (3:4) fast schon das Ende aller Kieler Bundesliga-Träume. Die Aufholjagd mit dem 3:0-Erfolg in Worms und dem Heimsieg gegen Gladbach (4:2) kam letztlich zu spät. Holstein musste der Borussia den Vortritt lassen und Trainerdenkmal Helmuth Johannsen setzte nach der Aufstiegsrunde seine Arbeit in Braunschweig weiter.

Ewiger Rekordtrainer

Bis heute steht das Kieler Trainerdenkmal Helmuth Johannsen mit 258 Pflichtspielen weit an der Spitze der Ewigen Trainerrangliste, gefolgt vom Bundesliga-Aufstiegstrainer Marcel Rapp (159) und Rekordspieler Peter Ehlers (149).


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