Störche und Löwen erstklassig

Von 1947 bis 1963 spielten Holstein Kiel und Eintracht Braunschweig in der Oberliga Nord

Als eine der schillerndsten Epochen im deutschen Nachkriegsfußball gelten bis heute die Jahre zwischen 1947 bis 1963, in denen die Oberliga die höchste Spielklasse im Norden bildete. Mannschaften wie HSV, Werder Bremen, St. Pauli, VfL Osnabrück  und Hannover 96, aber auch Eintracht Braunschweig und Holstein Kiel mischten im Kampf um die Spitzenplätze munter mit. Aber auch Clubs wie Altona 93, Bremer SV, VfB Lübeck, Eimsbütteler TV und Göttingen 05 sorgten für Farbtupfer. Insgesamt gaben in den 16 Spielzeiten 28 verschiedene Nordclubs ihre Visitenkarte in der höchsten Spielklasse ab.

Die Braunschweiger Löwen

Mit Eintracht Braunschweig war in der Oberliga eigentlich immer zu rechnen. Im Stadion an der Hamburger Straße wurde den Gegnern das Fürchten gelehrt. Aber die Eintracht sorgte auch für dramatische Randnotizen.Am 13. Februar 1949 prallte Löwen-Keeper Gustav Fähland bei einem Auswärtsspiel unglücklich mit einem Bremer Stürmer zusammen und verstarb sieben Tage später an Nierenblutungen. Drei Jahre später wurden die Löwen aus der Oberliga ausgeschlossen. Der Norddeutsche Fußballverband hatte dem BTSV Bestechung und Nötigung nachgewiesen. Nach nur einem Jahr gelang der Wiederaufstieg.

Die Kieler Störche

Holstein hatte im 2. Weltkrieg über 100 Vereinsmitglieder verloren und auch die Sportanlagen am Mühlenweg waren in einem katastrophalen Zustand. 1943 noch Dritter in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft, etablierte die KSV vor dem Anpfiff der Oberliga Nord 1947 eine neue, schlagkräftige Truppe. Am Ende qualifizierten sich die Störche zusammen mit dem VfB Lübeck für die höchste, norddeutsche Spielklasse. Der Itzehoer SV und Kilia Kiel hatten das Nachsehen. Holstein startete 1947 hoffnungsfroh in die Oberliga Nord, doch schon ein Jahr später der große Knall. Nach dem achten Spieltag der Saison 1948/49 wurde die KSV komplett vom weiteren Spielbetrieb ausgeschlossen. Grund war der Einsatz von Willy Hamann in der Vorsaison ohne gültige Spielberechtigung. Holstein drohte nach dem Ausschluss das finanzielle Aus, ein dreiviertel Jahr lang durften die Störche nur Freundschaftsspiele austragen. Zur Saison 1949/50, in der die Oberliga von 13 auf 16 Teams aufgestockt wurde, durften die Störche wieder mitmischen. Im Dezember 1952 gelang Holstein mit dem 5:0-Erfolg vor 18.000 Zuschauern am Hamburger Rothenbaum der vielleicht größte Auswärtssieg der Vereinsgeschichte.

Die „Deutsche“

Den größten Erfolg feierte Eintracht Braunschweig mit dem Gewinn der Vizemeisterschaft in der Saison 1957/58. Doch in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft erwiesen sich in der Gruppe B Mannschaften wie der spätere Meister FC Schalke 04 sowie der Karlsruher SC als zu stark. Der BTSV belegte vor Tennis Borussia Berlin den dritten Platz. Auch die KSV spielte um die „Deutsche“. Am Ende der Spielzeiten 1952/53 und 1956/57 qualifizierten sich die Störche hinter dem Serienmeister HSV für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. In der Endrunde 1953 waren dann die Gegner aus Kaiserslautern, Frankfurt und Köln jedoch eine Nummer zu groß für die Kieler. Und auch 1957 verpassten die Störche den großen Wurf. Zum Einzug in die Endrunde musste Holstein eine Qualifikationsrunde gegen den Süd-Zweiten Kickers Offenbach bestreiten. Auf der Kieler Bank saß damals der spätere Braunschweiger Meistertrainer Helmuth Johannsen. Am 25. Mai 1957 führte Johannsen die Störche in das wichtigste Spiel seiner Holstein-Ära. In Düsseldorf unterlag die KSV vor 30.000 Zuschauern in einem hochdramatischen K.O.-Spiel mit 2:3.

Einführung der Bundesliga 1963

Obwohl Braunschweig in der vom DFB festgelegten Zwölfjahreswertung die Qualifikation für die neu gegründete Bundesliga 1963 verpasste, durften die Löwen in der neuen Spielklasse mitmachen. Zusammen mit Serienmeister Hamburger SV, der 15 der insgesamt 16 Oberliga-Spielzeiten als Meister abschloss, und Werder Bremen war nun auch Eintracht Braunschweig mit dabei. Die in der Zwölfjahreswertung vor den Löwen platzierten Vereine aus Osnabrück, St. Pauli, Hannover und  Kiel legten Protest gegen die Entscheidung ein. Der DFB begründete seine Entscheidung damit, dass die genannten Vereine „aufgrund ihrer sportlichen Vergangenheit als gleichwertig anzusehen sind“, und deshalb „der diesjährige Tabellenstand den Ausschlag geben müsse“. Braunschweig wurde in der Saison 1962/63 Dritter der Oberliga Nord und erhielt die Bundesligalizenz.

Statistik Oberliga Nord

Braunschweig rangiert in der Ewigen Tabelle der Oberliga Nord mit einem Punkt Vorsprung vor Holstein Kiel auf Platz 5. Insgesamt bewegten sich beide Clubs in ihrer gemeinsamen Erstliga-Zeit auf Augenhöhe. Von den 29 Begegnungen – in der Saison 1948/49 gab es nur ein Aufeinandertreffen – konnten die Störche 11 Partien für sich entscheiden, neunmal endete das Duell mit einem Unentschieden und neun Mal durften die Löwen die Punkt einstreichen. Bis heute haben die Spiele zwischen der Eintracht und der KSV nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Und bei der älteren Generation werden auch heute wieder Erinnerungen wach an die große Zeit beider Vereine in der Erstklassigkeit.

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