Benedikt Pichler: Step by Step nach oben

Der österreichische Stürmer wechselte im Sommer von Austria Wien zur KSV

Im Gegensatz zu vielen anderen Fußballern hat Benedikt Pichler nie in einem Nachwuchsleistungszentrum trainiert. Stattdessen ging es für den österreichischen Stürmer vom heimischen Dorfverein Liga für Liga aufwärts – bis er im Sommer dieses Jahres mit dem Wechsel von Austria Wien zur KSV seine erste Auslandsstation realisierte.

Geboren am 20. Juli 1997 in Salzburg, wuchs Benedikt Pichler in einem kleinen Vorort der österreichischen Stadt auf und machte beim USK Gneis seine ersten fußballerischen Schritte. Der ehrgeizige Rechtsfuß arbeitete sich als Jugendlicher peu á peu in puncto fußballerisches Niveau hoch, ehe er 2016 als 19-Jähriger beim Drittligisten SV Grödig debütierte.  Zwei Jahre später wechselte der Angreifer zum Zweitligisten SK Austria Klagenfurt, von dem er nach nur einer Saison direkt in die österreichische Bundesliga zu Austria Wien weiterzog. Nach 57 Partien, in denen er 15 Tore erzielte und zehn  weitere vorbereitete, konnte „Benni“ mit dem Wechsel zu den Störchen seinen Traum einer Auslandsstation verwirklichen. Und der 24-Jährige benötigte kaum Anlaufzeit und feierte im zweiten Spiel von Anfang an seine Torpremiere, als er beim 1:1-Unentschieden beim FC Ingolstadt auf regelrecht artistische Art und Weise den zwischenzeitlichen Führungstreffer per Kopf erzielte. Auch beim 1:1-Remis beim Hamburger SV am vergangenen Samstag war er es, der mit einem satten Schuss aus 15 Metern den Ausgleich für die Störche erzielte. Pichler ist im Norden angekommen – und spricht im Folgenden anhand der Buchstaben seines Namens unter anderem über seine fußballerischen Anfänge, seine Kindheit, seine Heimat, kulinarische Vorlieben und die nächsten Urlaubsziele.

B wie Ball: Meine Liebe zum Ball hat mich letztlich nach Kiel geführt. Ich habe von klein auf Fußball gespielt. Vor der Schule, nach der Schule, eigentlich in jeder freien Minute. Um Fußballprofi zu werden, habe ich alles investiert. Es gibt wenig, was meine Kindheit so beschreiben würde wie Fußball.

E wie Eltern: Ich bin meinen Eltern sehr dankbar dafür, dass sie mich zwar immer unterstützt, aber nie unter Druck gesetzt haben, dass es mit dem Fußball als Beruf klappen muss – im Gegenteil: Sie haben ehrlich gesagt keine große Ahnung vom Fußball und haben das Ganze nicht so ernst genommen, bis ich Profi geworden bin (lacht). Mein Vater war danach bei einigen Spielen dabei, meine Mutter hingegen nie, weil sie Fußballspiele nicht sehen kann, da sie sich zu große Sorgen macht. Früher durfte ich als Kind alles ausprobieren, mir standen alle Türen offen. Dadurch, dass meine Eltern nicht so fußballinteressiert sind, geht es bei uns zuhause auch nicht oft um dieses Thema, was ich sehr angenehm finde, weil ich dadurch bei meiner Familie zur Ruhe kommen kann und das Gefühl habe, dass es Wichtigeres auf der Welt gibt als Fußball.

N wie Neugier: Als Kind war ich sehr neugierig, habe stets viele Fragen gestellt und war bestimmt nicht immer ganz einfach für meine Eltern (lacht). Auch in Sachen Fußball habe ich vieles ausprobiert und mir selbst angeeignet, weil ich nie in einem Nachwuchsleistungszentrum gespielt habe. Da ich mich aber immer weiterentwickeln wollte, habe ich mir vieles selbst beigebracht – learning by doing sozusagen.

E wie Energie: Ich war ein extrem aufgedrehtes Kind und konnte nie ruhig sitzen. Während meine Zwillingsschwester eher die ruhigere von uns beiden war, habe ich vor Energie gesprüht und musste mich regelmäßig auspowern. Erst als ich älter geworden bin, habe ich die Fähigkeit erlernt, auch mal abschalten zu können.

D wie Dorf: Ich bin in einer kleinen Gemeinde namens Leopoldskron vor den Toren Salzburgs groß geworden und habe stets mit meinen Kumpels zusammen in kleinen Dorfvereinen gespielt, wo es keinerlei Konkurrenzdenken gab. Auch wenn es in diesen unteren Spielklassen vornehmlich um Spaß geht, gibt es auch dort unheimlich viele Emotionen. Dadurch, dass ich auf dem Dorf groß geworden bin, mag ich es auch heute noch, viel in der Natur anstatt in der Stadt zu sein.

I wie Indianer: Als kleiner Junge habe ich mit meinem Opa immer Winnetou geschaut. Da ich ab und an etwas wehleidig war, hat er immer gesagt: „Ein Indianer kennt kein Schmerz.“ Das habe ich mir später beim Fußballspielen zu Herzen genommen, wo man regelmäßig über den Schmerz gehen und gerade als Stürmer auch vieles wegstecken muss. Es gehört einfach dazu, das auszuhalten und weiter Gas zu geben. Generell war ich früher ein großer Winnetou-Fan, habe fast nur Western geschaut und bin mit der Silberbüchse, die mein Opa mir gebaut hatte, durch den Wald gerannt und habe Cowboy und Indianer gespielt.

K wie Klagenfurt: Ich bin 2018 in Österreich vom Drittligisten SV Grödig in die zweite Liga zum SK Austria Klagenfurt gewechselt. Klagenfurt war also meine erste richtige Profistation, zumal ich das erste Mal weg von der Familie war und meine erste eigene Wohnung bezogen habe. Das war schon ein extrem großer Schritt für mich. In Klagenfurt ist es dann sehr gut für mich gelaufen, sodass ich nach einer Saison zu Austria Wien in die erste Liga gewechselt bin.

T wie Teamkollegen: Als Fußballprofi ist es schon toll, extrem viele Menschen aus verschiedenen Kulturen kennenzulernen. Das empfinde ich als extrem bereichernd, zumal es ohne den Fußball vermutlich nicht zu diesen Begegnungen gekommen wäre. Dadurch habe ich auch das eine oder andere Wort aus anderen Sprachen aufgeschnappt und konnte zum Beispiel im Urlaub  auf Kreta ein paar Brocken Griechisch nutzen.

P wie Pauline: Meine Zwillingsschwester heißt Pauline und studiert Medizin in München. Als Kinder haben wir uns natürlich viel geärgert, aber wir mögen uns sehr gerne und haben sehr regelmäßigen Kontakt.

I wie Igel: Igel sind meine Lieblingstiere. Als Kinder haben wir ab und zu einmal im Garten von meinem Großonkel Igel gesehen, was für uns natürlich etwas Besonderes war.

C wie Coldplay: Coldplay ist eine meiner absoluten Lieblingsbands. Ich hatte schon zwei Mal Tickets für ihre Konzerte, konnte aber letztlich beide Male wegen des Fußballs leider nicht hingehen. Das bleibt also weiterhin ein großes Ziel, eines ihrer Konzerte mitzuerleben. Generell würde ich gerne öfter zu Konzerten gehen, aber meistens erlaubt es die Zeit nicht. Ich bin in Sachen Musik nicht auf ein bestimmtes Genre festgelegt. Die letzten Konzerte, auf denen ich war, waren von Xavier Naidoo, RAF Camora und MoTrip.

H wie Heimat: Ich komme aus Österreich und habe dort natürlich in meinem Leben schon alle Vorzüge dieses abwechslungsreichen Landes genutzt: Wandern in den Bergen, Ski fahren oder Baden in den Seen. Ich finde, dass man sich immer wieder vor Augen führen muss, wie privilegiert wir sind, in solch wohlhabenden und sicheren Ländern wie Deutschland oder Österreich aufgewachsen zu sein. Das ist nicht selbstverständlich.

L wie Leichtathletik: Hätte es mit dem Fußball nicht geklappt, wäre ich vielleicht Leichtathlet geworden. Ich finde es einfach bemerkenswert, welch große Selbstdisziplin Leichtathleten haben. Sie trainieren jeden Tag hart dafür, Wettkämpfe zu bestreiten, die oft noch in ferner Zukunft liegen, und müssen dann, wenn es so weit ist, auf den Punkt genau voll da sein und liefern. Das ist schon sehr beeindruckend.

E wie Essen: Als Österreicher liebe ich Schnitzel mit Petersilienkartoffeln und Preiselbeeren, was ich ganz gerne einmal esse, wenn ich in der Heimat bin. Alternativ sind Fleischlaberl auch etwas Feines. Und zum Nachtisch dann Palatschinken, was auf hochdeutsch Pfannkuchen bedeutet.

R wie Reisen: Ich liebe es zu reisen, was allerdings aus Zeitgründen etwas zu kurz kommt. Natürlich kommt man als Fußballprofi viel rum, man sieht allerdings recht wenig von den Orten, an denen man ist. Meinen letzten Urlaub habe ich auf Kreta verbracht. Als Kind war ich mit meinen Eltern und Großeltern oft Campen in Italien. Als nächste Reiseziele habe ich noch die USA, Thailand und die Türkei auf dem Zettel.

Diesen Artikel teilen

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter