Holstein-Helden in der Corona-Krise: Daniel Teixeira

Daniel Teixeira in seiner Heimat Brasilien

Die Fans jubelten, die Fußballexperten wunderten sich. Als im August 2003 der Brasilianer Daniel Teixeira (geb. 20. April 1968 in Belo Horizonte) seine Unterschrift unter einen Vertrag bei der KSV Holstein setzte, schaltete sich sogar das Bundes-Innenministerium ein. Da Nicht-EU-Ausländer innerhalb der Regionalliga nicht den Verein wechseln durften, wurde der Ex-Braunschweiger kurzerhand an der Kieler Uni eingeschrieben und die EU-Regel war damit geschickt ausgehebelt. Der Mann mit der eingebauten Torgarantie, der vor seinem Wechsel nach Deutschland für „exotische“ Clubs wie Cruzeiro Belo Horizonte, Nacional Funchal, AD Camacha, AD Machico oder auch Nippon Denso Nagoya auf Torejagd ging, mischte die Strafräume seiner Gegner regelrecht auf. 2001 stand der brasilianische Pokalsieger von 1993 sogar mit Union Berlin im DFB-Pokal-Endspiel. Und in der Saison 2003/04 sollte „Texas“ auch in Kiel zum Nonplusultra avancieren. Für die Störche traf der damals schon 35-Jährige in 28 Spielen 17 Mal ins Schwarze und trug damit maßgeblich zum Klassenerhalt bei. Und hätte nicht eine völlig überzogene Rotsperre von fünf Wochen seinen Tatendrang gestoppt, so hätte sich Teixeira nach 2001 und 2002 auch im Trikot der KSV die Torjägerkanone der damals drittklassigen Regionalliga Nord gesichert.

2006 beendete „Texas“, inzwischen wieder für Union Berlin aktiv, seine aktive Laufbahn, arbeitete für die „Eisernen“ im Marketing und Management und schloss im März 2009 sein Sport- und Management-Studium erfolgreich ab. Vor seiner Rückkehr nach Brasilien im Sommer 2011 war Daniel Teixeira der bis dahin einzige Union-Spieler, der ein Abschiedsspiel bekam. Heute lebt „Texas“ mit seiner Frau und den drei Töchtern in Belo Horizonte und feierte am vergangenen Montag seinen 52. Geburtstag. Die Geburtstagsgrüße aus Kiel erreichten den Brasilianer über einen Glückwunsch-Post in den sozialen Medien der Störche. Und schon einen Tag nach den diesmal eher bescheiden ausgefallenen Geburtstags-Feierlichkeiten „flatterte“ eine Dankesmail von „Texas“ ins Storchennest: „Hallo, Holstein-Fans. Vielen Dank für die Glückwünsche. Mir und meiner Familie geht es gut in Brasilien, obwohl wir momentan auch eine verdammt harte Zeit durchmachen!“

Daniel Teixeira hatte nach seiner Rückkehr nach Brasilien sein Betriebswirtschaftsstudium abgeschlossen und beim brasilianischen Fußballverband eine Management-Ausbildung erhalten. Während der WM 2014 half „Texas“ in der Organisation mit und stand einen Tag nach dem WM-Finale auf dem Rasen des Maracana-Stadions, in dem zahlreiche WM-Helfer zur Belohnung nach dem Deutschen Titelgewinn ein Spiel austragen durften. Nach drei Jahren als Direktor für internationale Belange bei seinem Heimatverein Cruzeiro Belo Horizonte organisiert Teixeira nun zusammen mit seinen Partnern Gilsinho, Alexandre Faria und Tuti Fußballschule in einer kleinen Fußballarena Show-, Musik- und Fußballevents für bis zu 15.000 Besucher. Und noch immer reist Daniel Teixeira zwei- bis dreimal pro Jahr nach Deutschland, zuletzt war er in Düsseldorf und Berlin. Seine Flüge für September hat er allerdings stornieren müssen. „Das Land ist ein wichtiger Teil meines Lebens geworden. Und in diesem Jahr beginnt meine große Tochter sogar in Deutschland ein Physik-Studium“, sagt Teixeira.

Über den Fußball im Land des Rekord-Weltmeisters meint „Texas“ heute: „Es hat sich viel verändert, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. „Was ich spannend finde, ist die Tatsache, dass rund 12 Teams auf Augenhöhe spielen und die Meisterschaft dadurch immer sehr interessant ist. Das ist in Europas Topligen völlig anders. Die Copa Libertadores hat sich auch gut entwickelt in den letzten Jahren, aber ist noch weit weg vom europäischen Champions-League-Niveau.

Die Erinnerungen an seine Kieler Zeit sind bei „Texas“ noch sehr wach. Und das nicht nur, weil er es geliebt hat, am Meer zu leben. „Ich hatte eine gute Zeit in Kiel, auch sportlich. Und inzwischen hat Holstein sogar ein schönes Stadion bekommen. Irgendwann möchte ich mir das alles noch einmal anschauen“, hofft Teixeira auf einen Besuch an der Förde.

Das Leben in Zeiten des Corona-Virus hat natürlich auch den Alltag in Brasilien fest im Griff. „Wir bleiben sehr viel zuhause und keiner weiß, wie es weitergehen wird. Meine Eltern habe ich jetzt schon mehrere Wochen nicht gesehen. Am 25. März hatte mein Vater seinen 86. Geburtstag und ich konnte ihn nicht einmal besuchen – obwohl er nur 15 Minuten entfernt lebt“, berichtet Daniel Teixeira.

Viele Kieler Fans haben den Kult-Stürmer vom Zuckerhut nie vergessen. Und kürzlich tauchte der Name Daniel Teixeira auch in den Kieler Nachrichten wieder auf – als Spieler bei der Wahl zur Holstein Kiel-Traumelf.

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