„Ich traf gegen Bayern!“

Torschütze Christoph Lange gegen Vizeweltmeister Zé Roberto

Christoph Lange war der letzte Holsteiner, der in einem Spiel gegen den FC Bayern München ins Schwarze traf. Am 10. Mai 2005 erzielte er im Freundschaftsspiel gegen den damals frisch gebackenen Deutschen Meister vor über 13.000 Zuschauern den 1:3-Anschlusstreffer.

Rechtsverteidiger Lange (geb. 4. Juni 1984 in Hildesheim) kam im Sommer 2004 unter Trainer Frank Neubarth zusammen mit Björn Lindemann von Hannover 96 II ins Storchennest und absolvierte als damals 20-Jähriger in der Saison 2004/05 18 Ligaspiele für die Regionalliga-Mannschaft der KSV sowie zwölf Einsätze für die U23 in der Oberliga Nord. Am 10. Mai stand er zusammen mit André Breitenreiter, Michael Molata, Niels Hansen, Thorsten Rohwer oder auch Pavel Dobry im letzten Aufeinandertreffen der Störche gegen den FC Bayern auf dem Rasen des Holstein-Stadions. Die Münchner, die zehn Tage zuvor die Meisterschaft unter Dach und Fach gebracht hatten und eine Woche später das Double feiern durften, reisten mit allen Stars an die Förde. Zur Startformation gehörten u.a. Oliver Kahn, Sebastian Deisler, Bastian Schweinsteiger, Hasan Salihamidzic, Samuel Kuffour, Mehmet Scholl oder auch Claudio Pizarro.

Lange trifft

13.129 Zuschauer sorgten damals für eine prächtige Stimmung, daran änderte auch die 1:4-Niederlage nichts. Für die Mannschaft von Trainer Felix Magath trafen damals Pizarro (30.), Roque Santa Cruz (58.), Alexander Zickler (81.) und Zé Roberto (85.). Für das sportliche Highlight aus Kieler Sicht sorgte Christoph Lange. Hatte KSV-Kapitän André Breitenreiter im ersten Durchgang noch haarscharf ein Tor gegen Oliver Kahn verpasst, so schaffte Lange in der 2. Halbzeit gegen Kahn-Ersatzmann Michael Rensing einen Treffer gegen die Münchner. Sein Tor in der 84. Minute war der Anschlusstreffer zum 1:3.

Zurück in die Heimat

„Ich freue mich riesig über meinen Treffer, aber viel wichtiger ist, dass wir die Zuschauer nächste Saison noch mehr begeistern, dann ist hier einiges möglich“, strahlte der 20-Jährige damals nach dem Schlusspfiff. Doch am Ende der Saison trennten sich die Wege von Christoph Lange und Holstein Kiel. Lange wechselte in die Landesliga Hannover zum SV Bavenstedt und setzte seine sportliche Laufbahn bis zum Karriereende im Sommer 2019 bei Hannover 96 II und dem VfV Hildesheim fort.

Erinnerungen

Anlässlich des Pokalspiels gegen den FC Bayern nahm die KSV Holstein erstmals nach 15 Jahren wieder Kontakt zu Christoph Lange auf. Der erinnerte sich noch lebhaft an seinen Treffer: „Torben Tutas hat den Ball von der linken Seite zwischen den Fünfmeterraum und Elfmeterpunkt geflankt. Ich bin von rechts eingelaufen und wurde von Bixente Lizarazu und Lucio begleitet. Mein Flugkopfball ging gegen den Pfosten des von meinem damaligen Bekannten Michael Rensing gehüteten Tores – wir spielten einst zusammen in der Niedersachsenauswahl. Da ich mich schneller wieder aufrappeln konnte und der Ball direkt vor meinen Füßen landete, konnte ich ins leere Tor mittig einschieben.“

Trikotjäger Lange

Für seine gute Leistung gegen den Deutschen Meister erntete Christoph Lange damals viel Lob. Doch ebenso wichtig wie sein Tor war es ihm, ein Bayern-Trikot zu ergattern. „Nach dem Spiel bin ich in unsere Kabine und wollte eigentlich ein Trikot von irgendeinem Bayern-Spieler als Andenken mitbringen, hatte aber keines mehr abbekommen. André Breitereiter, Micha Molata, Sven Boy und Sandy Sandmann hatten mich dann ermutigt, in die Kabine der Münchner zu gehen, um mir meine Belohnung persönlich abzuholen. Also bin ich rüber und hab auf dem Flur den Uli Hoeneß getroffen, der mir anerkennend auf die Schulter klopfte und sowohl zum Tor als auch zu einem guten Spiel gratulierte. Da wuchs natürlich die Brust. Also bin ich in die Bayern-Kabine rein und da standen dann Michael Ballack, Zickler und Lucio und ich fragte nach dem Trikot. Die Kabine war schon fast leergeräumt, aber in einer Ecke hing tatsächlich noch ein Trikot auf links gedreht über dem Haken. Alle meinten, das könne ich gern mitnehmen. Dankbar bin ich dann in unsere Kabine zurück und jeder fragte gespannt, welches Trikot ich bekommen hätte. Es war die Nummer von Sammy Kuffour“, erinnert sich Lange gern zurück.

Leben nach dem Fußball

Heute lebt der Geschäftsmann Christoph Lange in seinem Geburtsort Hildesheim, in dem er aufgrund seiner jahrelangen Fußballerlaufbahn durchaus als kleine Legende gilt. Seit 2017 ist Lange glücklich verheiratet mit seiner Frau Ann-Kathrin und beide erfreuen sich an ihrer dreieinhalbjährigen Tochter Nila – und für Ende Februar hat sich weiterer Nachwuchs angekündigt. „Sportlich bin ich im Sommer 2019 in Fußballrente gegangen, seitdem habe ich meine Aufmerksamkeit dem Golfsport gewidmet und begleite natürlich weiterhin als aufmerksamer Beobachter die Fußballwelt“, berichtet Lange zum Abschied und bedankt sich für die schönen Erinnerungen und Fotos aus seiner Kieler Zeit.

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