Kapitän Hauke Wahl: Mittendrin statt nur dabei!

Auch wenn er aktuell nicht aktiv mitwirken kann, ist Kapitän Hauke Wahl stets nah dran an der Mannschaft. Hier freut er sich gemeinsam mit seinen Teamkollegen über den Sieg im Nordduell gegen den Hamburger SV

Holstein-Kapitän Kapitän Hauke Wahl hat Pfeiffersches Drüsenfieber, arbeitet im Aufbautraining fleißig an seinem Comeback – und unterstützt seine Teamkollegen mit großem Enthusiasmus abseits des Platzes

Hauke Wahl ist aus dem Kader der KSV Holstein nicht mehr wegzudenken. Dabei war der Innenverteidiger schon einmal weg – nämlich von 2015 bis 2018. In diesen drei Jahren spielte der gebürtige Hamburger für den SC Paderborn, den FC Ingolstadt und den Gegner vom vergangenen Wochenende, den 1. FC Heidenheim. Grund genug, im Folgenden den Werdegang des 28-Jährigen einmal nachzuzeichnen und auf seine Anfänge, seine bisherige Zeit bei der KSV, die Phase als Leihspieler beim FCH und natürlich seinen aktuellen Status als Kapitän, der aufgrund des Pfeifferschen Drüsenfiebers zum Zuschauen verdammt ist und seine Mannschaft bestmöglich neben dem Platz unterstützt, zu schauen.

Alles fing an mit einem Probetraining. Nachdem der junge Hauke seine ersten fußballerischen Schritte beim Witzhaver SV, TSV Trittau sowie FC Eintracht Schwerin gemacht hatte, wechselte er als 16-Jähriger in die Nachwuchsabteilung von Dynamo Dresden. In der dortigen U17 kam der damalige defensive Mittelfeldspieler jedoch nur unregelmäßig zum Einsatz und entschied sich folglich dazu, nach einer Saison in Sachsen wieder weiter gen Norden zu wechseln. Nach besagtem Probetraining bei der KSV stand für den 1,89 Meter großen Blondschopf fest, dass die nächste Station Holstein Kiel heißen sollte. „Der damalige Trainer Frank Drews hat sich sehr um mich bemüht und mir das Gefühl gegeben, mich unbedingt in seinem Kader haben zu wollen“, erinnert sich Wahl an seine ersten Kontakte in die Schleswig-Holsteinische Landeshauptstadt. Mit dem Ziel, in der A-Junioren Regionalliga Nord Meister zu werden, um im zweiten U19-Jahr in der A-Junioren Bundesliga Nord/Nordost spielen zu können, zog es Wahl ins Storchennest. Tatsächlich ging der Plan auf: Die Kieler U19 feierte den Aufstieg, spielte anschließend eine solide Saison und erreichte vorzeitig den Klassenerhalt. Mittendrin: Hauke Wahl, der aufgrund seiner starken Leistungen einen U23-Vertrag unterschrieb.

Doch so wirklich in die U23 ging es für den frischgebackenen Herrenspieler nicht. Stattdessen absolvierte Wahl die gesamte Vorbereitung mit der Ligamannschaft, die im Sommer 2013 den Aufstieg in die 3. Liga gefeiert hatte. „Als sich dann kurz vor dem Saisonstart Steve Müller verletzte, fragte mich der damalige Trainer Karsten Neitzel, ob ich nicht auch Innenverteidiger spielen könne“, blickt Wahl darauf zurück, wie er am 20. Juli 2013 am ersten Spieltag der Saison 2013/14 mit gerade einmal 19 Jahren zu seinem Profi-Debüt gegen den FC Hansa Rostock kam. Die Defensive stand bei diesem Saisonauftakt stabil, hielt beim torlosen Remis die Null – und der Youngster war fortan plötzlich unter Coach Neitzel als Innenverteidiger gesetzt. „Ich war schnell Bestandteil einer sehr homogenen Truppe, in der besonders Kapitän Rafael Kazior und mein Abwehrkollege Manuel Hartmann mich als jungen Spieler enorm unterstützt haben“, so Wahl in der Retrospektive. In der Hinrunde stand der Rechtsfuß anschließend in 18 von 19 Partien über die volle Distanz auf dem Feld und verpasste gerade einmal 17 Spielminuten. Erst in der Rückrunde folgte eine kleine Leistungsdelle, sodass er zwischen Startelf und Bank pendelte, „weil die Doppelbelastung von Fußball und Schule in der Phase rund ums Abitur irgendwann doch spürbar wurde“, wie der heute 28-Jährige rückblickend erörtert. In der Folgesaison hatte der Defensivspezialist großen Anteil daran, dass die KSV eine klasse Saison spielte, deren endgültige Krönung jedoch ausblieb, als man auf dramatische Weise in der Relegation zur 2. Bundesliga am TSV 1860 München scheiterte. Wahl absolvierte in der Folge noch die Vorbereitung sowie drei Ligaspiele für die Störche, ehe im August 2015 das Angebot vom SC Paderborn kam, welches ihm den persönlichen Aufstieg in die 2. Liga ermöglichte. „Ich wollte damals einfach gerne den nächsten Schritt machen. Paderborn hat mir dabei eine Perspektive aufgezeigt, die ich nicht ablehnen konnte“, so Wahl zu seinem damaligen Wechsel nach Ostwestfalen, von wo es ihn zur Saison 2016/17 zunächst eine weitere Spielklasse höher zum frischgebackenen Bundesliga-Aufsteiger FC Ingolstadt zog, ehe er in folgenden Wintertransferperiode an Zweitligist 1. FC Heidenheim ausgeliehen wurde. „Die Zeit in Heidenheim war sportlich leider nicht überaus erfolgreich, weil wir zur Winterpause noch Tuchfühlung zu den Aufstiegsplätzen hatten, stattdessen aber in der Rückrunde in den Abstiegskampf geraten sind und erst kurz vor Saisonende den Klassenerhalt perfekt gemacht haben“, bilanziert der heutige KSV-Kapitän seine halbjährige Leihe an die Brenz, die er aber als „überaus lehrreiche Zeit, gerade auch für mich persönlich“, bezeichnet: „Ich habe in der Zusammenarbeit mit Trainer Frank Schmidt viel gelernt. Heidenheim ist ein Klub, der einige Dinge anders macht als andere Vereine. Es herrscht dort eine hohe Mentalität und es geht dort sehr familiär zu. Für meine Entwicklung waren die sechs Monate in Heidenheim definitiv sehr wertvoll.“

Nach einer weiteren Spielzeit beim mittlerweile in die zweite Liga abgestiegenen FC Ingolstadt folgte im Sommer 2018 die Rückkehr in die alte Heimat – nach Kiel. „Holstein hatte damals gerade in der Relegation den Aufstieg in die Bundesliga verpasst“, rekonstruiert Wahl, „und hatte mit Tim Walter einen neuen Cheftrainer verpflichtet, der große Lust auf die neue Aufgabe versprühte und mich in einer Führungsrolle sah.“ Und so kam es dann auch: Der spielstarke Abwehrspieler absolvierte 33 von 34 Ligaspielen, wurde zur Saison 2019/20 zum Kapitän ernannt und gehört bereits seit geraumer Zeit zu den unumstrittenen Identifikationsfiguren der KSV. Und das sicherlich auch, weil sich der Capitano auch abseits des Feldes sichtlich an der Förde wohlfühlt. „Auch in meiner Zeit bei anderen Vereinen bin ich regelmäßig nach Kiel gekommen, weil meine heutige Frau von hier stammt. Hinzu kommt natürlich auch die Nähe zu meiner in Hamburg lebenden Familie, die ich bei meinen Stationen im Süden vermisst habe“, berichtet Wahl, der zuletzt jedoch erstmals in seiner Karriere für längere Zeit ausgebremst wurde.

Anfang Februar wurde beim Kieler Captain nämlich Pfeiffersches Drüsenfieber diagnostiziert. Seitdem arbeitet Wahl am Comeback, wobei der Zeitpunkt offen ist. Seitdem die ansteckende Phase vorüber ist, steht der Ablauf fest: Wohldosierte Belastung im Aufbautraining, regelmäßige medizinische Checks, ausreichend Schlaf, ausgewogene Ernährung und dazu das ständige Hineinhorchen in den eigenen Körper. „Da es leider keine Medikamente gegen das Pfeiffersche Drüsenfieber gibt, ist es ein ständiger Mix aus den medizinischen Werten und dem eigenen Gefühl, wobei zwischenzeitliche Rückschläge nicht ausgeschlossen werden können“, berichtet der KSV-Kapitän, der seine Rolle seitdem neu kennengelernt hat – nämlich erstmals über längere Zeit neben statt auf dem Feld.

„Ohne Frage würde ich lieber auf dem Platz stehen, auf der anderen Seite empfinde ich diese Phase als extrem lehrreich. Viele Dinge, auf die man als gesunder Spieler normalerweise nicht achtet, nehme ich nun bewusster wahr und kann diese sicherlich für die Zukunft mitnehmen. Ich kann mich besser in die anderen Jungs hineinversetzen und bin ganz anders sensibilisiert als zuvor“, erklärt Wahl, der beispielsweise beim 1:0-Heimsieg gegen den Hamburger SV mit auf der Bank saß. „Ich versuche einfach, für die Jungs da zu sein, sie zu motivieren und gerade auch in schwierigen Momenten anzufeuern“, so Wahl weiter, der sich – wie sicherlich auch alle Holstein-Fans – schon jetzt auf den Moment freut, wenn er seine Mannschaft erstmals wieder mit der Binde am Arm auf den Platz führt und es endlich auch in vollem Maße wieder heißt: Mittendrin statt nur dabei!

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